Gaildorf Bund-Länder-Initiative beim Naturstromspeicher

Gaildorf / Richard Färber 13.06.2018
Rauf und runter: Mitglieder der Bund-Länder-Initiative Windenergie besichtigen bei ihrem 29. Treffen die Baustellen des Gaildorfer Naturstromspeichers.

Als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet Dr. Michael Herr, Ministerialrat Windenerieanlagen, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft den Gaildorfer Naturstromspeicher. Herr sitzt als Landesvertreter in der Bund-Länder-Initiative Windenergie, in der sich die für Windenergie und Raumordnung zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ministerien des Bundes und der Länder und weitere Experten austauschen.

Seit 2011 gibt’s diese Inititaive, deren 29. Treffen am Montag in Stuttgart stattgefunden hat. Für gestern hat Herr, der sozusagen als Gastgeber fungierte, dann noch eine Exkursion nach Gaildorf organisiert. Dort informierten sich die 24 Teilnehmer über den Naturstromspeicher, die Pilotanlage der Wasserbatterie, mit der „Max Bögl Wind“ den Energiemarkt aufmischen will. Die Wind-Wasser-Speicher-Kombination ist neu im Konzert der Erneuerbaren, und ein echter Aufreger in der Branche: sie dient nicht nur der Stromgewinnung sondern trägt auch zur Netzstabilität bei.

Rohre bereits angeliefert

Die grundsätzlichen Informationen gibt’s in der Münstermühle, wo die Bauleitung ihren Sitz hat, hernach geht’s mit dem Bus hinauf zu den vier Windenergieanlagen. Sie sind zwar bereits in Betrieb, die Wasserspeicher an den Füßen aber müssen noch verbunden werden. Die meisten der Polyethylen-Rohre, die einen Durchmesser von 1,6 Metern haben, sind bereits  angeliefert. In den nächsten Wochen soll die eigens entwickelte Verlege-Plattform mit der Arbeit beginnen.

Es handle sich um marktübliche PE-Rohre, erklärt Jürgen Joos, kaufmännischer Leiter Wind bei Max Bögl. Zum Pumpspeicherkraftwerk ins Tal sollen  dann aber die eigens entwickelten Rohre verlegt werden. Sie haben einen Durchmesser von zwei Metern und müssen, wenn der Pumpspeicher zum Einsatz kommt, D-Zug-schwere Drücke und sekundenschnelle Richtungswechsel aushalten.

Im Tal wartet Alexander Schechner, der geistige Vater des Naturstrompeichers. Mit ihm geht’s in den Untergrund: Schechner erläutert, wie und wo das schnellste Pumpspeicherkraftwerk der Welt untergebracht wird. Letzte Station ist dann das Unterbecken, das derzeit ausgehoben wird, fußläufig zu erreichen durch eine Röhre, die unterm Kocher hindurchführt.

Einen schmalen Schacht muss man dafür hinunterklettern, vom Schachtrand tropfen Wasser und Schlamm. Zurück geht’s dann mit dem Bus. Die Zeit drängt. Einige der Teilnehmer müssen den Zug zum Flughafen erwischen.

Politik spielt nur am Rande eine Rolle. Der Besuch ist rein informativ und nicht an unmittelbare politische Erwartungen gekoppelt. Die Bund-Länder-Initiative Windenergie unterfüttert die Gesetzgebungsverfahren mit Informationen: die Teilnehmer beob­achten Entwicklungen, diskutieren Probleme, entwickeln Lösungsvorschläge, berichten in ihren jeweiligen Ministerien.

Aktuell sei „Repowering“ ein wichtiges Thema, erklärt Thorsten Falk vom Referat Erneuerbare Energien im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Gemeint ist der Ersatz überholter durch neue, leistungsfähigere Anlagen: mehrfacher Ertrag auf gleicher Fläche.

Vorerst gelöst ist die Frage der „BImSchG-Pflicht“: In der vergangenen Woche hat der Bundestag beschlossen, im Genehmigungsverfahren für die nächsten beiden Jahre nur noch Anlagen zuzulassen, für die eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz vorliegt. Bürgerwindgesellschaften waren von dieser Vorgabe bisher befreit. Die Folge war eine Genehmigungsflut für fiktive Anlagen, die nicht gebaut wurden.

Süden benachteiligt

Offen ist, ob eine Süd-Quote eingeführt wird. Damit würde ein Teil des Ausschreibevolumens für die südlichen Bundesländer reserviert. Bei der letzten Ausschreibung waren Baden-Württemberg und Bayern nicht zum Zug gekommen, weil sie wegen der topographisch bedingt höheren Baukosten nicht konkurrenzfähig waren.

Auch eine Sonderausschreibung, die im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vereinbart wurde, wird derzeit  heiß diskutiert. Danach sollen für 2018 und 2019 vier Gigawatt Onshore-Windenergie und vier Gigawatt Photovoltaik zusätzlich ausgeschrieben werden. „Wie das gehen soll, weiß kein Mensch“, seufzt einer der Teilnehmer. Die acht Gigawatt sollen nämlich 2020 „klimawirksam“ werden. Bis dahin aber seien die Anlagen noch gar nicht gebaut.

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