Gaildorf Unterkühlt und tragisch-sentimental

Niillas Holmberg (Texte, Gesang, Gitarre) und Roope Mäenpää (Cello, Klavier) im Gaildorfer Häberlen.
Niillas Holmberg (Texte, Gesang, Gitarre) und Roope Mäenpää (Cello, Klavier) im Gaildorfer Häberlen. © Foto: staufer.press
Gaildorf / Werner Schmidt 10.10.2018
Das finnische Duo Niillas Holmberg & Roope Mäenpää ist im Gaildorfer Häberlen zu Gast.

Arktik folk oder Arctic Blues, eine Musik, die unterkühlt klingt, manchmal etwas tragend-sentimental – und von der man kein Wort versteht. Es war ein musikalischer Abend der anderen Art im Häberlen, den die Leute von der Kulturschmiede am vergangenen Samstag auf die Beine gestellt hatten.

Von Samen und Lappen

Niillas Holmberg & Roope Mäenpää hieß das Duo aus Finnland. Niillas Holmberg ist Same und trug eine Jacke seines Volkes in den vorherrschenden Farben Rot und Blau. Seine Lieder erzählen von seinem Volk, den Samen, die hierzulande eher als Lappen bekannt sind. Allerdings wurde diese Bezeichnung mehr und mehr verdrängt und durch die Bezeichnung „Sámi“ ersetzt. Laut Wikipedia bedeutet dies in seiner Ursprünglichkeit „Sumpfleute“.

Davon abgesehen war es keiner der typischen Abende, die man vom Häberlen kennt. Die Musik eher chansonartig, nachdenklich. Sie handelte vom Leben der Samen, ihren Rentieren, der Natur, der Weite, der Landschaft, die eine Verbundenheit gebären, die neben ritueller auch in spiritueller Form ausgedrückt wird. Im Joik zum Beispiel. Der Joik ist ein monotoner Gesang, besser vielleicht ein Singsang, der traditioneller Bestandteil der Samen-­Kultur ist.

Wurde er einst in der samischen Religion von Schamanen verwendet, ist er längst in die Alltagskultur eingekehrt und dient dazu, sich jemandem oder etwas näher zu fühlen. Den ersten Joik des Abends widmete Niillas Holmberg seiner Schwester, erklärte er in Englisch. Ebenso gut könne man aber auch den Bären, das Rentier, die Natur joiken.

Setzt sich für seine Heimat ein

Überhaupt die Natur. Ein Thema, das bei dem 28 Jahre alten Sänger, Dichter, Schauspieler und Aktivist vorherrscht. Und er setzt sich für seine Heimat ein. Ein deutlicher Hinweis, dass er lieber in einem unabhängigen Lebensraum leben wollte, liest man auf seiner Website. Dort heißt es: „Niillas lives in his native Ohcejohka (Utsjoki), Saamiland (occupied by Finland).“ Niillas lebt in seiner Geburtsstadt Ohcejohka (finnisch: Utsjoki), Saamiland (besetzt von Finnland).“

Dass es für das Häberlen ein Konzert der anderen Art war, zeigte sich auch in der Ausstattung. Tische und Stühle, wo sonst Leerraum herrscht; die Zahl der Besucher war überschaubar, wo sich sonst zu Rock- und Jazzkonzerten die Menschen drängen. Und es gab eigens für den Abend vorbereitete samische Spezialitäten. Den Lapplandteller zum Beispiel mit „Finnisch Sushi“, Elch-Salamischeiben und Rentier auf Frischkäse. Und es gab das Lachsbrot nach finnischer Art.

Begleitet wurde Holmberg von Roope Mäenpää am Cello und dem Klavier. Der Musiker aus der finnischen Industriestadt Tampere studierte Komposition. Er und Holmberg lernten sich 2006 kennen und treten seither gemeinsam auf.

Das Duo kam auf Einladung der Bezirksgruppe Hohenlohe-
Franken der Deutsch-Finnischen Gesellschaft nach Gaildorf. Sie sind nicht die ersten finnischen Musiker, die im Häberlen auftraten: 2005 war die Wentus Blues Band und 2008 die Blues-Gitarristin Erja Lyytinen zu Gast. Zum 40-jährigen Bestehen startete die Kulturschmiede ein neues Kooperationsprojekt.

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