Michaela Köhler ist immer noch hellauf begeistert. Der von ihr initiierte und inszenierte historische Kerner-Umzug hat sämtliche an das Theaterprojekt gestellten Erwartungen übertroffen. Der immense Aufwand an Planung und Vorbereitung, den sich die ohnehin vielbeschäftigte Naturparkführerin aufzubürden bereit war, hat sich offensichtlich gelohnt.

Unterhaltsames Spektakel

Tausende von Besuchern, die sich an den sieben Hauptspielorten entlang der Strecke eingefunden hatten, um den vor 200 Jahren erfolgten Umzug des legendären Oberamtsarztes und Schriftstellers Justinus Kerner von Gaildorf nach Weinsberg mitzuverfolgen, würdigten die Leistungen der Laiendarsteller mit viel Beifall. Diesen Schauspielern, die in historischer Kleidung angetreten waren, ist es gelungen, eine an sich unspektakuläre Handlung zum unterhaltsamen Spektakel werden zu lassen.

„Von oben her hat uns das Wetter mit einmaligem Sonnenschein gesegnet!“ Mit dieser Feststellung beginnt Michaela Köhler ihre kleine Manöverkritik. Tatsächlich hatten selbst erfahrene Meteorologen zunächst nicht damit gerechnet, dass der Sonntag so hochsommerlich angenehm werden würde. Im Gegenteil: Noch wenige Tage zuvor war zwar von gelegentlichem Sonnenschein die Rede, allerdings auch von über den Tag verteilten, zum Teil heftigen Regenschauern.

In den Sommer verlegt

Wobei die fleißige Gästeführerin – die gleich am Tag nach dem großen Finale auch noch auf der Bundesgartenschau in Heilbronn Dienst schob – beim Schreiben des „Drehbuchs“ dem Wetter etwas auf die Sprünge geholfen hat. Aus rein pragmatischen Gründen: Die Familie Kerner zog nämlich nicht im Sommer anno 1819 um, sondern mehr als ein halbes Jahr früher – am 19. Januar, an einem bitterkalten Wintertag. Und das wollte Michaela Köhler, Ururururenkelin Justinus Kerners, ihren Mitstreitern und den Zuschauern nicht zumuten.

Auch nicht den Pferden und Kutschern, die beim Umzug ihr Bestes gegeben hatten. Lob verteilt sie auch an die Adresse der beteiligten Gemeinden für „vollste Unterstützung“, ebenso dankt sie den Eigentümern von Schloss Weiler, den Kellermeistern in Affaltrach, allen musikalischen Darstellern, die „an jeder Station Höchstleistung gezeigt“ und „unsere schauspielerischen Einlagen erstklassig unterstützt“ hätten. Und dem Team vom Rappenhof, das am Ende den Tross verköstigt hat – „wie vor 200 Jahren es Friederike Kerner im Kernerhaus nicht besser hätte machen können“. Gänsehaut-Momente bis zum Finale! Eine glückliche Hand hatte Michaela Köhler – sie spielte Kerners Ehefrau Friederike, Rickele genannt – auch beim aufwendigen Casting.

Theater Gaildorfer verabschieden ihren Justinus Kerner nach Weinsberg

Dokumentarfilm in Arbeit

„Jeder von euch Darstellern“, lobt sie in einem Schreiben an alle, „hat seine Rolle so gut, überzeugend und echt gespielt, dass ihr damit sehr viele Gäste und Zuschauer glücklich gemacht habt und ein Stück Geschichte sehr lebendig ins Jetzt und Heute transportieren durftet.“ So, schreibt die Autorin, „stelle ich mir Geschichtsunterricht vor!“

Und solchen soll es nun auch für all diejenigen geben, die verhindert waren und das bunte Historienspektakel nicht mitverfolgten: Michaela Köhler konnte mit Steffen Böhmer einen Kameramann gewinnen, der die Szenen „professionell und behutsam“ festgehalten hat. Geplant ist ein Film mit den wichtigsten Szenen. Voraussichtlich im November soll das Ganze dann als DVD erworben werden können.

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