Margarete John und Karl Eichele geben Gas. Die Vorsitzende der SPD-Fraktion Gaildorf – aktive Bürger Limpurger Land und der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins wollen den Verkehr aus der Stadt verbannen. In einem Brief ans Regierungspräsidium Stuttgart erinnern sie Regierungspräsident Wolfgang Reimer – er lebt seit über 25 Jahren im Gaildorfer Stadtteil Reippersberg – an die launige Pferdemarktrede von Bürgermeister Frank Zimmermann. Darin hatte er erneut auf den dringlichen Bedarf des Baues der vom Bund genehmigten Umgehungsstraße hingewiesen. „Wir unterstützen und fordern dies seit Langem“, heißt es in dem Schreiben der Genossen. Allerdings sei ihre Geduld am Ende.

„Wie lange sollen wir noch warten“, fragen sie. Zimmermanns Rede motivierte sie, Unterschriften zu sammeln. 300 Bürgerinnen und Bürger haben ihren Servus unter die Bitte an die Behörde gesetzt, die Umgehungsstraße Gaildorf „schnell/er“ zu verwirklichen. Sie könnten und wollten nicht bis zum Jahr 2025 warten, „oder gar noch länger“.  Nachdem die Maßnahme im Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wurde, muss mit Nachdruck die Verwirklichung eingefordert werden.“

Liebenswerte Innenstadt

Seit Jahren stocke die Planung und Entwicklung der Innenstadt, „weil wir auf die Umgehungsstraße warten“, klagen sie. Der Durchgangsverkehr müsse raus aus der Stadt, damit die Gaildorfer Innenstadt wieder lebenswert gestaltet werden kann. Die neue Verkehrsführung ermöglicht eine positive Zukunftsentwicklung, sind sich John und Eichele sicher. Ihnen läge auch die Sicherheit der rund 2000 Schulkinder am Herzen. Eine Umgehungsstraße würde den Schulweg sicherer machen. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner  fordern „eindringlich und mit allem Nachdruck“ die Verantwortlichen in den Verkehrsministerien und im Regierungspräsidium auf, diesem Straßenbauprojekt höchste Priorität einzuräumen.

Es stehe jeder politischen Gruppe frei, in dieser Sache aktiv zu werden, meint Bürgermeister Frank Zimmermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Von der Unterschriftensammlung der Sozialdemokraten hatte er keine Ahnung, aber er stehe ohnehin im Kontakt mit dem Regierungspräsidium (RP). Diese Behörde ist die Brücke zwischen Land, Kreis und Kommune. „Und ihr fehlen Personal, vor allem Tiefbauer und das im zweistelligen Bereich“, sagt Zimmermann.

Mit Druck nicht übertreiben

Man dürfe es mit dem Druck aufs RP nicht übertreiben, findet der Gaildorfer Rathauschef. Der Fachbereichsleiter habe ihm versichert, sich um die Variantenuntersuchung der Umgehungsstraße zu kümmern. Sie werde noch im Frühjahr auf den Weg gebracht. „Ich bin guter Dinge, dass es klappt“, versichert Zimmermann. Die Umgehungsstraße Gaildorf steht im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 „und das heißt, dass sie in den kommenden sieben bis neun Jahren abgearbeitet ist“, erläutert der Bürgermeister. Es sei nicht einfach, eine Balance zu finden, einerseits an der Thematik dranzubleiben, andererseits an die Dringlichkeit der Maßnahme zu erinnern.

Auf dem Stapel ganz oben

Und das ist auch Karl Eichele und Margarete John bewusst: „Wir wissen, dass Mitarbeiter Ihres Hauses daran arbeiten, möchten aber trotzdem darum bitten und dafür werben, dass diese Maßnahme ganz oben „auf den Stapel“ der vielen Projekte kommt, die Ihnen vorliegen.“ Eichele zitiert Regierungspräsident Reimer, der ihm versichert habe, „mit viel Optimismus könnte es 2025 mit der  Umgehungsstraße für Gaildorf so weit sein“.