Die Meldung an sich ist erfreulich: Die Gaildorfer Umgehungsstraße wird als dringend zu verwirklichendes Bauvorhaben im Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan 2030 genannt (wir haben gestern kurz berichtet). Gaildorfs Bürgermeister Frank Zimmermann indes genießt das Ganze zunächst mit Vorsicht. Denn durch die Veröffentlichung der mehr als 200 Seiten umfassenden Absichtserklärung durch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwochabend werden zentrale Fragen zur Planung nicht beantwortet.

Bahnt sich eine Komplettlösung in kompakter Form an?

Etwa die: Bleibt das Projekt wie bis 2013 erörtert in zwei Abschnitte unterteilt, was eine wirksame Entlastung der Innenstadt konterkarieren würde? Im September vergangenen Jahres hatte eben diese Frage bereits für erhebliche Irritationen gesorgt. Damals hatte SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade während eines Besuchs auf dem Gaildorfer Rathaus der Stadt in ihrer Forderung nach einer Komplettlösung den Rücken gestärkt. Wie sich später, als Reaktion darauf, herausstellte, hatten sich Stellungnahmen von Bund und Land zum Thema Ortsumfahrung Gaildorf zunächst unbemerkt widersprochen.

Anders als das Berliner Verkehrsministerium erklärte das Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur in Stuttgart, beim Bund sei die komplette Ortsumfahrung sehr wohl angemeldet worden - allerdings nicht die große Lösung mit einer kompletten Umgehung der Altstadt, sondern eine kompaktere Variante, um den Verkehr zwischen Rottal, südlichem Kochertal und dem Osten aus der Innenstadt zu lenken.

Diese Trasse schwenkt laut Plan (und wie seit Jahren diskutiert) zwischen Mittelrot und Unterrot von der Bundesstraße 298 nach Osten, kreuzt die Bundesstraße 19, führt durch die Eschenau über eine neue Kocherbrücke bis zur Schloss-Straße - und von dort von einem Kreisel bis zum Marktplatz. Zunächst jedenfalls. Danach soll es angeblich gleich weitergehen: Vom Kreisverkehr am nördlichen Kocherufer entlang durch einen kurzen Tunnel und über eine neue Kocherbrücke auf die Bahnhofstraße. Die Umgehung würde im Bereich des Jugendhauses "B 44" einmünden.

Bürgermeister Zimmermann hakt nach

Aufklärung gab es im Spätsommer aus Stuttgart auch hinsichtlich des Sprachgebrauchs: Danach soll das Projekt wohl nicht in zwei für sich betrachtete Abschnitte unterteilt werden, sondern schlicht in zwei Plan- und Bauphasen. Und die würden offenbar im Zusammenhang gesehen.

Dem wiederum widerspricht der aktuelle Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan - sofern es sich nicht um einen Druckfehler handelt: Das Projekt trägt nämlich den eindeutigen Vermerk: "sö. Abschnitt" und meint damit offensichtlich den ersten Teil - nach altem Sprachgebrauch.

Das ist der Knackpunkt, über den Rathauschef Zimmermann staunt. Was im Plan in tabellarischer Form angedeutet ist, "das hätte ich gerne Schwarz auf Weiß" - und am besten in einer Planskizze dargestellt.