Der Tod trifft jeden. Aber Hand aufs Herz, wer befasst sich schon gern mit dem Ende des Lebens? Sterben, Tod und Auferstehung sind heikle, eher unangenehme Themen. Da mutet es schon seltsam an, wenn Jugendliche, deren Leben gerade erst begonnen hat, mit solchen konfrontiert werden.

Tatsächlich aber ist der Themenkomplex als Pflichtstoff im Lehrplan verankert. Gesa Kuwatsch, Lehrerin für evangelische Religion, Deutsch und Musik an der Gaildorfer Schloss-Realschule, geht die Sache pragmatisch an. Dem Besuch auf dem Friedhof lässt sie eine Doppelstunde im Klassenzimmer folgen. Sie gestaltet den Unterricht nicht selbst, sondern überlässt ihn dem Gaildorfer Bestattungsinstitut Frey. Mit der Fachkraft Sabrina Röthke und Azubi Carolin Schenke hat Inhaber Martin Frey zwei junge Mitarbeiterinnen, die sehr sorgsam und altersgerecht mit dem schwierigen Stoff umgehen und die es prima verstehen, auf die Neuntklässler einzugehen.

Wie fühlt es sich an, einen Menschen zu bestatten? Haben sie dabei schon mal geweint? Warum haben sie den Beruf gewählt? Finden sie ihn schön? Werden Muslime anders bestattet? Die beiden Frauen hatten jede Menge Fragen zu beantworten. Gleichzeitig bot sich ihnen die Gelegenheit, ihre Arbeit und den Beruf näher vorzustellen. „Schön“ sei in diesem Zusammenhang ein unpassendes Wort, erklärte Sabrina Röthke, der Beruf sei anspruchsvoll und interessant. Schon deshalb, weil jeder Mensch einzigartig sei und eine einmalige Lebensgeschichte habe. Und ja, Emotionen blieben nicht aus, sie habe auch schon Tränen in den Augen gehabt. Besonders berühre sie, wenn Angehörige nach der Bestattung auf ehrliche Art Danke sagen. Seit sechs Jahren arbeitet die 29-Jährige als Fachkraft bei Martin Frey. Davor hatte sie die dreijährige Ausbildung bei ihm absolviert. Inzwischen ist sie auch Trauerrednerin und auf dem Weg zur Meisterprüfung. Die Frage, was sie glaube, das nach dem Tod komme, konnte sie allerdings nicht wirklich beantworten. „Was ist zu tun, wenn ein Trauerfall eintritt?“, fragte Sabrina Röth­ke in die Runde. Gemeinsam wurden die einzelnen Schritte verfolgt.

Professionell reagieren

Was man bei der Arbeit keinesfalls haben dürfe, seien Berührungsängste, klärte sie auf. Erstaunlich, dass auch die Schülerinnen und Schüler relativ wenig Berührungsängste haben und sich eher unbefangen zeigten.

Gesa Kuwatsch hält es für wichtig, solche Themen nicht mit einem Tabu zu belegen. Dem Bestattungsunternehmen sei sie dankbar für die Unterstützung. Die Aufmerksamkeit, die im Klassenzimmer herrschte, lässt durchaus den Schluss zu, dass die außergewöhnliche Doppelstunde eine Bereicherung des Vormittags war.