Fast ausschließlich Fünfer und Sechser hat ein Leser im Rahmen der großen Rundschau-Aktion „Hier sind wir zu Hause“ vergeben. Und damit die abgefragten Kriterien wie Arbeitsplatzangebot, medizinische Versorgung oder Wohnungsmarkt in Gaildorf mit einem vernichtenden Urteil belegt. Und wohlfühlen tut sich der nach eigenen Angaben über 50-Jährige überhaupt nicht: Setzen! Sechs! Das andere Extrem verkörpert eine 80-jährige Dame: Für sie scheint alles in bester Ordnung zu sein im Städtle, sie schmeißt mit Einsern und Zweiern um sich.

Stimmung und Realität

Solche statistischen Ausreißer, weit vom Durchschnitt entfernt angesiedelt, gab es auch während früherer Aktionen unserer Zeitung. Sie scheinen im negativen Fall von einer abgrundtiefen Unzufriedenheit oder gar Verbitterung zu zeugen, im positiven Sinn von ungetrübter Lebensfreude. Die insgesamt wahrgenommene Realität der Umfrageteilnehmer sieht anders aus: Sie ist überwiegend in der Bandbreite zwischen den Noten 2 und 3 angesiedelt. Die durchschnittliche Gesamtnote ist mit 2,90 sogar noch ein klein wenig besser als vor sieben Jahren. Am Ende des damaligen Projekts unserer Zeitung stand für das öffentliche Leben der Stadt eine 2,94.

Feier Floßfest in Gaildorf

Das mag überraschen angesichts einer allerorten stetig wachsenden Unzufriedenheit. Wobei es überwiegend die Altersgruppen ab 50 sind, die dem Zustand der Stadt gute Zensuren erteilen und sich ansonsten nicht groß zu Wort melden. Am unzufriedensten scheinen diejenigen Bürger zu sein, die zwischen 30 und 50 Jahre alt sind. Und – was auch Bürgermeister Frank Zimmermann überrascht – die unter 20-Jährigen.

„Fast schon die Luxusvariante“

Der Rathauschef konnte beim Ortstermin am Sonntag im Floßfestzelt mit einem entsprechenden, von Lesern formulierten Fragenkomplex wenig anfangen: „Warum tut die Stadt nichts für junge Menschen?“ Er sehe das, sagte er, nachdem Redaktionsleiter Jochen Höneß die Fragestellung an ihn weitergegeben hatte, völlig anders. Im Gegenteil: In Gaildorf „wird sogar sehr viel für die Jugend gemacht“.

Zimmermann verwies auf die Modernisierung der Schulen, der Mensa mit ihrem umfangreichen Freizeitangebot und schließlich auch auf das Jugendhaus, das im Dezember eröffnet werde. Diese Einrichtung „ist nicht die Spar-, sondern fast schon die Luxusvariante“, gab er zu bedenken. Auch seitens der Stadtverwaltung werde diesem Bereich viel Beachtung geschenkt. Das städtische Jugendreferat sei personell gut aufgestellt. Für den Bürgermeister steht außer Frage: „Jugendliche finden in unserer Stadt sehr wohl Gehör.“

Das gilt nach seiner Überzeugung und der des Gemeinderats auch für junge Familien. Diese Ansicht unterstreicht nicht nur der aktuelle Haushaltsplan der Stadt mit Millioneninvestitionen in Kinderbetreuung und Schulen und andere öffentliche Einrichtungen. Wenigen Lesern scheint das jedoch nicht weit genug zu gehen. Eine der unzufriedenen Leserinnen schreibt etwa, sie halte die Kindergartenbetreuung „noch für ausbaufähig, und gleichzeitig finde ich sie relativ teuer im regionalen Vergleich“. Bemängelt wird auch, „dass die Spielplätze etwas lieblos gestaltet sind“. Mit Rutsche, Schaukel und Sandkasten sei es „heutzutage einfach nicht mehr getan“.

Kritische Wahrnehmung

Dieser Äußerung gegenüber steht die durchschnittliche Meinung aller Befragten: Der Kindergartenbereich erhielt mit 2,31 immerhin die drittbeste Bewertung der Aktion. Mit 2,51 gibt es für die Schulen eine überdurchschnittlich positive Zustimmung. Wobei die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen das Angebot und den Zustand der Schulen am kritischsten sieht und insgesamt die Note 3,09 vergibt. Die 20- bis 30-Jährigen scheinen im Kindergartenbereich noch Luft nach oben zu sehen, benoten aber immerhin den Zustand der Einrichtungen mit 2,67.

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