Gaildorf Überraschung im Kartoffelacker

CORNELIA KAUFHOLD 02.10.2014
Beim Kartoffelausmachen kam das braune Etwas ans Tageslicht. Sechs Zentimeter lang, umhüllt von einem robusten Chitinpanzer.

Hildegard Seeger aus Bröckingen packt beherzt zu. "Es schwänzelt a bissele", sagt sie lachend, greift in die orangene Plastiktasche und hält das braune Gebilde in die Luft. Seine Oberfläche ist leicht gerippt, wellenförmig, und am zugespitzten Ende bewegt sich ein winziger Stachel. "Was da mal schlüpft?" Ein Anruf bei Karl-Heinz Johe setzt den Spekulationen ein Ende. Mit seiner Ferndiagnose trifft der Naturschützer, Hobby-Biologe und Pilzexperte aus Eutendorf ins Schwarze: Das braune Etwas ist eine Puppe des Totenkopfschwärmers. Vor ein paar Jahren, erinnert sich Johe, habe er Raupen des Falters fotografiert, Larven in hellen Grün- bis Türkistönen mit zartem Fischgrätenmuster auf der Oberseite. Er schaut das Foto von dem braunen Dingens an - und bestätigt seine Vermutung: Das ist die Larve eines Totenkopfschwärmers. Der Falter mag gerne Honig, bevorzugt aber Nachtschattengewächse wie Tomaten, Auberginen und eben die Grombiera auf seinem Speiseplan, weshalb er oft bei der Kartoffelernte aus dem Erdreich gebuddelt wird. Mit dem Schlüpfen wirds wohl nichts, mutmaßt Johe, denn die Larve kann hier nur in Ausnahmefällen überwintern - wenns mild bleibt. Der Falter ist nämlich andere Temperaturen als die des schwäbischen Winters gewohnt. Zu Hause ist er in den Tropen Afrikas und "nur in Europa im äußersten Süden bodenständig", heißt es bei Wikipedia.

Im Durchschnitt benötigten die Raupen acht Wochen für die Entwicklung und legte anschließend eine einmonatige Puppenruhe ein. In der Regel finde man Raupen in Europa von Juli bis September und Puppen von September bis Oktober. Können wir bestätigen. Und was soll Hildegard Seeger mit ihrem Überraschungsfund anstellen? Trocknen? Aufspießen? "Dahin zurück, wo sie ihn gefunden hat", rät Johe. Also: einbuddeln.