Auf Sandboden aufschlagen, in der Sonne pritschen, mal wieder von Angesicht zu Angesicht miteinander reden – die Volleyballerinnen des TSV Gaildorf standen am vergangenen Dienstag erstmals seit Anfang März wieder auf dem Feld. Unter strengen Hygieneauflagen trainierten sie auf dem Beachvolleyballplatz am Gaildorfer Sportgelände. Auf die kommende Runde bereiteten sie sich dabei aber nicht vor: Die Volleyballerinnen meldeten keine Mannschaft – zum ersten Mal seit „zwölf oder dreizehn Jahren“, schätzt Spielertrainerin Laura Bader. Im Interview erklärt sie, warum, spricht darüber, wie das aktuelle Training läuft und wie es für das Team weitergeht.

Frau Bader, wie groß war die Freude, wieder Volleyball zu spielen?

Laura Bader: Ich selbst konnte beim ersten Training leider nicht dabei sein. Aber es ist für uns auf jeden Fall eine sehr, sehr große Freude. Einfach weil es gefehlt hat. Wir kennen es zum Teil seit zehn, fünfzehn Jahren, wöchentlich oder sogar öfter ins Training zu gehen. Jetzt können wir dieser Leidenschaft wieder nachgehen. Was auch ganz viel ausmacht: Wenn man ein tolles Team ist, freut man sich einfach, sich wiederzusehen.

Wie hat das Training unter den strengen Hygieneregeln geklappt?

Die Mädels haben berichtet, dass es relativ gut war. Klar: Man muss immer darauf achten, dass es nicht zu viele Personen sind. Der Spielfluss ist nicht so, wie wir ihn kennen. Man darf ja noch nicht angreifen, man muss zu seinem Spielpartner und den Gegnern immer anderthalb Meter Abstand einhalten. Das macht es nicht einfach. Volleyball ist eben doch eine Sportart, bei der Kontakt normalerweise nicht ausgeschlossen ist. Da muss man gerade sehr aufpassen, dass es dazu nicht kommt.

Wie oft planen Sie denn nun, als Team wieder zu trainieren?

Wir versuchen es zweimal wöchentlich. Weil im Moment nicht alle am Training teilnehmen dürfen, rotieren wir ein bisschen, damit jeder mal spielen kann. Da jetzt so schönes Wetter ist, nutzen wir es auch, um beachen zu gehen. Sowohl hinten auf dem Sportplatz als auch im Freibad.

Am 12. März hat der Volleyball-Landesverband Württemberg wegen der Corona-Pandemie den Spielbetrieb der Saison 2019/2020 beendet. Ihr Team ist in der Abschlusstabelle der B-Klasse 2 Nord Vierter. Sind Sie mit dieser Platzierung zufrieden?

Am Anfang der Saison haben wir gedacht, dass es wahrscheinlich nicht so gut laufen wird. Es lief dann in ganz neuer Konstellation besser als gedacht. Gleichzeitig hatten wir gegen die schwächeren Gegner aber mehr Probleme als gegen die stärkeren. Es war insgesamt durchwachsen. Auch, weil wir zu wenig Leute waren und zum Teil Spielerinnen von früher wieder rekrutieren mussten. Zwischenzeitlich hatten sich drei Spielerinnen verletzt. Wenn man ein relativ kleines Team ist, macht das natürlich sehr viel aus.

Sie sprechen die neue Konstellation an: Vor der nun abgebrochenen Runde ist Dennis Ellinger nach zwei Jahren als Trainer Ihres Teams zurückgetreten. Wieso?

Es war eine private Entscheidung von ihm, weil er einfach einen relativ langen Anfahrtsweg hat. Mit seinem Umzug und allem anderen war das Traineramt irgendwann zu viel. Das konnten wir auch alle völlig nachvollziehen. Er spielt ja selbst Volleyball. Er ist von unseren Spieltagen direkt zu seinen Spielen gefahren oder es gab Überschneidungen.

Waren Sie denn zufrieden mit ihm als Coach?

Ja, wir waren sehr zufrieden mit ihm als Trainer. Dennis hat frischen Wind reingebracht und konnte uns sehr gut fördern. Wir haben zum Beispiel immer wieder neue Positionen ausprobiert. Und wir haben neue Leute dazubekommen, das hat auch ganz viel ausgemacht.

Nach Ellingers Rücktritt sind Sie Spielertrainerin der Mannschaft geworden. Wie kam es dazu?

Das Training in der Saisonvorbereitung haben Dennis und ich noch gemeinsam gemacht. Zuvor hatten wir uns überlegt, wie wir weitermachen, und gesagt: Wenn wir jetzt keinen Trainer finden, schauen wir, wie wir es unter uns aufteilen. Ich habe mich dann bereit erklärt, das Training vorzubereiten. Seither mache ich es mehr oder weniger offiziell und bin auch eingetragen auf der Homepage.

Aber im Endeffekt haben wir nicht die klassische Teilung zwischen Spielern und Trainer. Wir haben eher einen Trainerpool. Gerade zum Ende der Saison haben wir das Traineramt aufgeteilt. Wenn ich nicht da war, hat sich eben jemand anderes um das Training gekümmert. Eine Zeit lang war eine verletzte Spielerin die Trainerin. Wir waren da also relativ locker. Wir wussten: Für eine Spielertrainerin alleine ist es einfach schwierig. Man sieht vom Feld aus die Dinge nicht so wie von außen.

Wie war denn dann das erste Jahr als Spielertrainerin für Sie?

Ich habe mich nie so ganz als die Trainerin angesehen. Wir spielen als Team zusammen und ich bin einfach nur ein Teil des Teams. Das hat es ein bisschen schwierig gemacht, gleichzeitig das Training zu machen und selbst auch mitzutrainieren. Vor allem, wenn neue Leute ins Training kommen. Da muss man gucken, dass sie andere Übungen machen, und sie so ein bisschen im Auge behalten.

Aber es gab auch positive Seiten, oder?

Ja. Ich denke, dass wir als Team noch mal mehr zusammengewachsen sind, weil wir keinen Trainer hatten. Klar gibt es dann auch Spannungen untereinander, weil man Strukturen aufbricht. Aber wir sind, glaube ich, auch weitergekommen, weil wir über uns selbst gut reflektieren mussten. Wir mussten uns fragen: Wie müssen wir das jetzt machen? Was können wir da noch trainieren?

Für die kommende Runde hat der TSV Gaildorf erstmals seit vielen Jahren kein Damenteam mehr gemeldet. Wieso?

Aus personellen Gründen, weil wir nur noch sechs aktive ­Spielerinnen haben. Es ist einfach nicht machbar, dass man zu sechst bei allen Spieltagen da ist, und es dürfte sich ja auch keiner ver­letzen. Und selbst wenn wir hätten melden können, hätten wir es uns dieses Jahr gut überlegt, weil eben noch nicht klar ist, ob die nächste Saison stattfinden wird und in welcher Form. Außerdem ist der Meldebetrag ziemlich hoch. Wenn die Saison nicht stattfindet, bekommt man nur einen gewissen Anteil wieder. Deshalb muss man sich Gedanken machen, ob man melden kann und möchte.

Wollen Sie Trainerin bleiben oder gibt es eine andere Lösung für die Zukunft?

Wir werden uns jetzt ein Jahr Zeit nehmen, um einfach zu trainieren und auch nach einem Trainer zu suchen. Es gibt auch schon Ideen, wen wir anfragen könnten. Aber das sind alles noch keine spruchreifen Namen. Wir haben einfach gemerkt, dass es schwierig ist, wenn man als Trainer auf dem Platz steht.

Aber für dieses eine Jahr bleiben Sie dann übergangsweise die Trainerin?

Ja, mehr oder weniger. Wir werden es uns wieder untereinander aufteilen und schauen, wie was machbar ist. Und jetzt in der momentanen Situation ist es ja eh ein bisschen schwierig, zu sagen, wie alles weitergehen wird.

Was sind denn die weiteren Ziele für das Jahr ohne Spielbetrieb?

Auf jeden Fall werden wir uns auf Nachwuchssuche begeben. Das ist schon seit Jahren im Volleyball ein ganz großes Problem: Es gibt kaum noch Nachwuchs und wenn, dann ist er nach dem Abi relativ schnell wieder weg. Wir müssen uns überlegen, wie wir es hinkriegen, übernächste Saison wieder melden zu können. Da­rauf hoffen wir alle. Außerdem wollen wir als Team zusammenwachsen. Und natürlich wollen wir auch an unseren volleyballerischen Fähigkeiten arbeiten.

Steckbrief Laura Bader


Geburtstag: 23.09.1995
Geburtsort: Schwäbisch Hall
Wohnort: Steinbach
Familienstand: ledig
Beruf: Sozialarbeiterin
Hobbys: Volleyball, Arbeit im Jugendwerk
Bisherige Stationen: seit 2004 Volleyball beim TSV Gaildorf, von 2000 bis 2014 Tennis beim TC Gaildorf
Größte sportliche Erfolge: Aufstieg in die Volleyball-A-Klasse 2016