Recht zuversichtlich besteigen am Freitag etwa 70 Fans des TSV Gaildorf den Bus auf dem Hallengelände, um ihrer Mannschaft im Fichtenauer Teilort Matzenbach beim Kampf um den Aufstieg in die Bezirksliga beizustehen. Die Stimmung ist gut, die meisten sind vom Sieg ihrer Elf gegen Langenburg überzeugt, tippen auf einen knappen Erfolg. Doch Siegessongs werde nicht angestimmt. Wohlweislich, da nach Sepp Herbergers legendärer Philosophie der Ball rund ist und einmal dort- und dahin laufen kann.

„Die haben zu viel Respekt“

Der Tipp ist aber klar: Der TSV wird 2:1 gewinnen. Oder 3:1. Das denken auch Cindy und ihre Freundin Jasmin, und das Ehepaar Braxmaier, deren Sohn David verletzt zuschauen muss, ist der gleichen Ansicht. Ob allerdings der geistliche Vororttermin der Fichtenberger Pfarrerin der TSV-Truppe Flügel verleihen wird?

Als Schiedsrichter Oliver Swoboda von der SGR Öhringen das Spiel freigibt, herrscht lange Zeit Stillschweigen auf beiden Seiten des Platzes. Die beiden Kontrahenten wollen keinen frühen Rückstand kassieren, agieren dementsprechend vorsichtig. Paul Zauner und Jochen Müller, beide vor Jahren in Untermünkheim im Trainerteam tätig, monieren schon Mitte der ersten Hälfte: „Die haben zu viel Respekt voreinander, die müssen sich mehr trauen!“

Als der TSV dies 20 Minuten vor dem Wechsel beherzigt, kommt auf der Gaildorfer Seite, auf der auch viele Fans benachbarter Vereine stehen, Stimmung auf. Den größten Aufreger gibt es, als Athanasios Thomos kurz vor dem Einschuss den Ball verstolpert und der TSV-Block vehement einen Elfmeter fordert. Der gute Schlussspurt vor der Pause weckt Hoffnungen im zweiten Durchgang. Doch die TSV-Fans werden nun immer ruhiger. Die Chancen werden spärlicher, und der Elan der Spieler lässt nach.

Der Anhang fühlt instinktiv, dass der TSV nicht mehr in der Lage sein wird, sich zu steigern. Man hofft auf ein Elfmeterschießen. Als dann noch Langenburgs Torjäger Semih Dalyanci zweimal seine Torgefährlichkeit aufblitzen lässt, sind Ernüchterung und Enttäuschung angesagt.

Eifrig wird nach dem Schlusspfiff – der 2:0-Sieg Langenburgs ist perfekt – in vielen kleinen Gruppen nach Erklärungen für das Ausscheiden gesucht, doch wie so oft ist man nach dem Spiel klüger als zuvor. Gaildorfs Trainer Adam Wilczynski, TSV Abteilungsleiter Jürgen Kleinhans, TSV-Vorsitzender Udo Pätzold und Hansi Schülein, ehemaliger TSV-Torwart, sind einer Meinung wie auch fast alle Fans: „Wenn man seine guten Chancen nicht nutzen kann, kann man auch nicht gewinnen!“

Hohenlohe

„So sehen Sieger aus“

Gaildorfs Fans kehren aber schnell wieder zu ihrer Tagesform zurück. Auf der Heimfahrt im Bus herrscht eine Stimmung wie nach einer gewonnenen Schlacht. Da erklingen Lieder mit kräftigen Stimmen, da wird von einer Natascha gesungen und einige wollen gar ein Schloss auf dem Mond bauen. Das Resultat des Spiels scheint vergessen. „So sehen Sieger aus!“, hallt es durch die Nacht. Die Fans haben ein gutes Gespür dafür, dass das Spiel in Matzenbach eben nur ein Spiel war und keinem Weltuntergang gleichkommt: „Auf ein Neues im Spieljahr 2019/20!“

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