Frühjahrsputz Tonnenweise Müll gesammelt

Fichtenberg/Oberrot / Richard Färber 12.03.2018

Kurz nach halb zehn ziehen sie los, ausgerüstet mit Schutzwesten, Handschuhen, Müllsäcken, Greifern. Rund vierzig Leute sind dem Aufruf zur zweiten Oberroter Dorfputzete gefolgt, mehr als die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche, Mitglieder der Jugendfeuerwehr und Pfadfinder. „Geil“ findet das Pfadfinder-Chef Bernd Zott, der die Aktion zusammen mit dem Jugendfeuerwehrwart Christopher Gorke und dessen Stellvertreter Bastian Knobel koordiniert.

Aufgeblasen wie ein Luftballon

Zur Ausrüstung gibt’s Sicherheitshinweise: Scherben, Klingen, Spritzen auf keinen Fall anfassen, warnt Gorke; „wenn ihr etwas findet, was ihr nicht kennt“, ergänzt Zott, „ruft einen Erwachsenen“. Im letzten Jahr, erinnert sich Gorke, habe man zwei Tüten gefunden, in denen sich vergammelte Steaks befanden. Eine war bereits geplatzt, die andere durch Verwesungsgase aufgeblasen wie ein Luftballon.

Vier Gruppen werden gebildet. Jeweils eine wird nach Hausen und Obermühle gefahren, um entlang der L 1066 in Richtung Oberrot den Müll einzusammeln, eine Gruppe durchstreift den Haupt­ort, eine „mobile Gruppe“ sammelt auf der Höhe, dort wo’s nötig ist: bei Hohenhardtsweiler, beim Stiershof. Die gefüllten Säcke holt der Bauhof ab.

Es ist die zweite Putzete dieser Art und wenn’s nach den Initiatoren geht, dann wird dieser Frühjahrsputz der Jugendfeuerwehr, dem sich nun auch die Pfadfinder und einige Erwachsene angeschlossen haben, zu einem regulären Termin in der Gemeinde. Gesammelt wird hauptsächlich an den Straßen: dort fällt einfach der meiste Müll an, im Vorbeifahren entsorgt, acht- und rücksichtslos aus dem Fenster geworfen. Im nächsten Jahr, kündigt Bürgermeister Daniel Bullinger an, der aus Termingründen nicht mitmachen kann, zum Putzete-Start aber vorbeigeschaut hat, werde sich auch der Fischereiverein beteiligen und die Rot abgehen.

Ein paar Kilometer die Rot hinab sind die Fischer schon an der Arbeit. Denn auch die Gemeinde Fichtenberg macht Frühjahrsputz und der Anglerverein gehört dort sozusagen schon zum Inventar. In zwei Gruppen streifen ein gutes Dutzend der Mitglieder zwischen der Kläranlage und den Sportplätzen an der Rot entlang, sammelt angeschwemmten Müll ein, Plastik, Flaschen, Eimer.

Hier rutscht der Biber in die Rot

Einen weggeworfenen Staubsauger hätten sie auch schon eingesammelt, sagt kopfschüttelnd Ewald Traub, der Schriftführer des Anglervereins. Neben einer offenbar gut genutzten „Biberrutsche“ am Wehr beim ehemaligen Sägewerk fischt die Gruppe einen abgelaufenen Ausweis aus dem Gestrüpp. Das Dokument werde an die Gemeinde geschickt, die es ausgestellt hat, sagt Bürgermeister Roland Miola, der ebenfalls aus Termingründen nicht mitsammeln kann, die Gruppe aber nach abgeschlossener Putzaktion im Bauhof trifft.

Organisiert wird die Fichtenberger Putzete von Hauptamtsleiterin Stefanie Dietz und dem Bauhofchef Thomas Munz. Ihrem Aufruf sind, den Anglerverein mitgerechnet, ebenfalls rund 40 Leute gefolgt, darunter auch Mitglieder der Feuerwehr und der Dorfgemeinschaft Langert sowie einige jugendliche Asylbewerber. Sie durchkämmen die Bahnhofstraße, streifen den Radweg an der L 1050 in Richtung Hausen entlang und über die Wiese daneben, sammeln den Müll auf dem Wanderparkplatz oberhalb der Schanz und entlang dem Sträßchen, das am Friedhof vorbei in Richtung Mittelrot führt.  Ihre Ausbeute, 1,8 Tonnen Abfall plus etwa 150 Kilogramm Schrott, darunter ein Fahrrad, wird von der Scholz AG kostenlos entsorgt.

Überwiegend Flaschen, Gläser, Papiermüll, volle Windeln, fasst Munz das Ergebnis zusammen. Wenige gefüllte Hundekottüten, zumindest außerhalb des Dorfes – entlang der Bahnhofstraße zwischen dem Waldeck und dem Bahnhof lagen allerdings ärgerlich viele dieser Beutel herum, außerdem fanden sich dort haufenweise weggeschmissene Flachmänner.

Flachmänner in Massen

Die fanden auch die Oberroter Sammeltrupps in Massen. Allein auf der Strecke zwischen Hausen und Oberrot seien 45 Schnapsfläschchen eingesammelt worden, alle paar Schritte habe jemand „Ich hab’ noch eine“ gerufen. Auch viele Pfandflaschen habe man gefunden. Insgesamt haben die Pfadfinder und die Feuerwehr zwanzig 120-Liter-Säcke gefüllt, ehe gegen Mittag die Roten Würste verteilt wurden. Hinzu  kamen Reifen, Stoßstangen, Radkappen und andere Teile – „genug, dass man ein Ersatzteillager hätte aufmachen können“.

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