Equipment desinfizieren, Abstand halten, Teilnehmer dokumentieren – unter einem strengen Hygienekonzept trainieren die Tischtennisspieler des TSV Gaildorf nach rund dreieinhalb Monaten Pause wieder in der Sporthalle. Am Mittwoch vor zwei Wochen gab’s einen Probelauf mit weniger Teilnehmern, seit vergangener Woche trainieren nun alle Gruppen jeden Mittwoch wieder. Als Coach betreut sie Bernd Krey. Der 39-Jährige ist hauptamtlicher Tischtennis-Trainer bei mehreren Vereinen, betreibt außerdem ein Ladengeschäft mit Sportartikeln und gibt Seminare zu Themen wie etwa Öffentlichkeitsarbeit. Im Interview erklärt er, wie das Hygienekonzept des TSV aussieht, spricht über das Trainingsniveau und schätzt die Chancen der Gaildorfer Teams in der neuen Runde ein.

Herr Krey, wie groß ist die Freude, nach so langer Zeit wieder im Team trainieren zu dürfen?

Bernd Krey: Sehr groß! Das hat man wirklich bei allen gemerkt. Im Jugendbereich waren vergangene Woche fast alle da. Die Stimmung ist wirklich sehr gut. Und die Leistungsbereitschaft ist extrem hoch. Ich bin überrascht, wie gut das Trainingsniveau schon wieder ist. Die Motivation der Spieler ist für einen Juni oder Juli extrem hoch. Auch ich habe gemerkt, dass ich plötzlich noch ein Quäntchen ehrgeiziger dabei war.

Wie sieht denn das Hygienekonzept der Tischtennisabteilung des TSV Gaildorf konkret aus?

Die Auflagen wurden ja zum 1. Juli gelockert. Wir haben aber zuvor erst mal noch mit den strengeren, älteren Auflagen geplant und uns auf das Hygienekonzept geeinigt. Das Konzept haben wir an eine Vorlage vom Deutschen Tischtennis-Bund angelehnt und auf die örtlichen Gegebenheiten runtergebrochen. Mit diesem Konzept haben wir dann am 24. Juni den Probelauf gemacht. Wir haben jetzt beschlossen, das Training bis zu den Sommerferien mit diesen älteren Auflagen fortzuführen. Es wäre ja komisch gewesen, wenn wir nach zwei Wochen wieder alles in Frage gestellt hätten.

Welche Hygieneregeln gibt es denn beim Training?

Wenn die Trainingspartner getauscht werden, reinige ich zum Beispiel immer die Tische und Bälle. Wir klatschen nicht ab und halten weiterhin die Abstandsregeln ein. Es gibt kein Doppel, Rundlauf oder Ähnliches, sondern nur eins gegen eins. Um jede Platte gibt es eine Box. Die Spieler bleiben die ganze Zeit in ihrer Box und nehmen Schläger, Trinkflasche und Handtuch mit hinein. Die Umkleiden sind geschlossen, die Leute kommen in Sportkleidung in die Halle. Zwischendrin können sie sich die Hände waschen. Viele haben im Gang noch eine Maske getragen. In der Box haben wir darauf verzichtet.

Wie klappt das Trainieren mit den Hygieneregeln?

Am Anfang waren die Leute noch sehr zurückhaltend, vorsichtig und auch ein bisschen unsicher. Man hat auf jeden Fall gemerkt, dass es alle richtig machen wollten. Disziplinlosigkeiten oder so etwas gab es überhaupt nicht. Klar, bei den Jüngeren mit sechs oder sieben Jahren muss man zwischendrin vielleicht noch mal auf Regeln hinweisen. Das sind Dinge, die sie nach einer Stunde auch einfach mal vergessen haben.

In welchem Hallenteil trainieren denn die Gaildorfer Spieler?

Wir mussten in den alten Hallenteil umziehen. Wir sind ja eigentlich in der neuen Sporthalle, aber dort ist derzeit alles für die Gemeinderatssitzungen aufgebaut. Im Moment ist es so, dass die Bambini, die Jugendlichen und die Aktiven bei uns mittwochs nacheinander trainieren. Dazwischen ist immer eine Viertelstunde Pause, damit sich die Spieler nicht in den Gängen treffen und ich alles reinigen kann.

Ehingen

Sie sagen, Sie seien vom Trainingsniveau überrascht. Macht sich die lange Pause nicht bemerkbar?

Es ist natürlich klar, dass sich in dreieinhalb Monaten viele nicht permanent mit dem Sport beschäftigt haben. Aber wie gesagt: Mich hat die Trainingsqualität bisher überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass manche jetzt schon so gut sind. Da sieht man auch, wie sehr sich Kinder und Jugendliche in drei, vier Monaten weiterentwickeln und motorisch besser werden. Und einige haben zwischendrin auch an sich gearbeitet. Sie haben zum Beispiel Aufschlagtraining gemacht oder im Familienbereich gespielt. Einige sind joggen gegangen oder haben Krafttraining gemacht. Was mir aufgefallen ist: Bei den ganz jungen Spielern lässt die Konzentration nach einem gewissen Zeitraum nach. Sie hatten ja auch lange keine Schule mehr und waren es nicht mehr so gewohnt, Ziele zu verfolgen.

Wie war die trainingsfreie Zeit für Sie als hauptberuflicher Trainer?

Ich habe natürlich versucht, die Zeit zu überbrücken. Und ich habe mir gesagt, dass ich immer versuche, positiv zu bleiben. Bei Youtube habe ich drei Wochen lang täglich ein Video eingestellt. Ich habe ja etwa 200 Spieler pro Woche. Alle, die Lust hatten, konnten sich da immer etwas abschauen und zu Hause nachmachen. Zusätzlich habe ich Einzeltraining über Video gegeben. Ich war also virtuell dabei, wenn jemand daheim gespielt hat. Außerdem habe ich ein paar Projekte angestoßen. Zum Beispiel bin ich Dozent an der Deutschen Sporthochschule in Köln geworden und habe mich beim Verband Deutscher Tischtennistrainer eingebracht. Mittlerweile gebe ich bei all meinen sechs Partnervereinen wieder Training vor Ort.

Blicken wir noch auf die vergangene Spielzeit, die in allen Tischtennis-Ligen Deutschlands abgebrochen wurde. Die Herren I des TSV Gaildorf lagen auf Platz eins in der Bezirksklasse A2, einen Punkt vor dem TSV Neuenstein III, der ein Spiel weniger ausgetragen hat. Nun steigen die TSV-Herren I in die Bezirksliga auf. Schaffen sie den Klassenerhalt?

Das Team ist vor fünf Jahren aus der Bezirksliga abgestiegen – damals mit mir als Nummer eins und mit Peter Engel als Nummer vier, der inzwischen in Sulzbach-Laufen spielt. Jetzt sind die anderen Spieler von damals wieder in der Bezirksliga. Es wird schwierig werden, aber ich glaube, dass sie den Klassenerhalt schaffen können. Wenn Konstantin Rehmann eine Verstärkung ist, die Mannschaft gut trainiert und von Verletzungen verschont bleibt, dann kann sie überraschen. Das Team ist ausgeglichen besetzt. Das kann eine Stärke sein. Ebenso die Unbekümmertheit.

Die Damen I des TSV sind als Tabellenletzter aus der Landesklasse 1 in die Bezirksliga abgestiegen. Welche Perspektive hat das Team nun?

Ziel ist, dass die Spielerinnen der ersten Mädchenmannschaft das Team in der übernächsten Runde übernehmen und tragen. Die neue Saison soll eine Übergangsrunde werden mit den beiden erfahrenen Spielerinnen Irene Kuhr und Birgit Rehmann, dazu Elena Stieb. Ab und zu kann auch Alina Rehmann aushelfen. Die Spielerinnen der Mädchen I stehen schon jetzt immer zur Verfügung, wenn sie gebraucht werden. Für sie ist es noch ein bisschen schwierig in der Bezirksliga. Aber sie haben auch in der Landesklasse schon ein paar Spiele gewonnen, und ich bin sicher, dass sie einige Partien in der Bezirksliga mitnehmen können. Ziel ist aus meiner Sicht der Klassenerhalt und dass die älteren Spielerinnen mit ihrer Erfahrung die jüngeren führen.

Zum Abschluss: Wie sieht die Situation bei den Jugendteams aus?

Bei den Jugendspielern geht es mir vor allem darum, dass sich jeder so entwickeln kann, wie er es sich vorstellt. Dabei versuche ich, sie zu unterstützen. Für die neue Saison hoffe ich, dass die Mädchen I Platz eins oder zwei in der Landesliga erzielen können. Bei den Mädchen II werden einige Spielerinnen Spiele für die Mädchen I machen. Die Jungenmannschaft wurde extrem verstärkt durch die jüngeren Jahrgänge 2007 und 2008. Diese Spieler spielen jetzt vier Ligen höher als zuvor. Das ist echt Wahnsinn – ich hoffe, dass das Motivation und Anreiz für sie ist. Und ich hoffe, dass die Spieler, die bislang bei den Jungen I waren, nun bei den Herren II viele Spiele machen können und einschlagen. Bei den Bambini hoffen wir, dass wir nächstes Jahr ein oder zwei neue Teams melden können.

Steckbrief Bernd Krey


Geburtstag: 30. September 1980
Geburtsort: Bad Cannstatt
Wohnort: Gaildorf
Familienstand: verheiratet (zwei Kinder)
Beruf: Unternehmer
Hobbys: Schach, engagiert in der katholischen Kirche
Bisherige Stationen: Spieler beim TSV Gaildorf von 1987 bis 2015; seit 1996 Trainer verschiedener Vereine, seit Dezember 2009 hauptamtlich
Größte sportliche Erfolge: Trainer in der 2. und 3. Bundesliga bei der Neckarsulmer Sport-Union; der von ihm trainierte Tobias Tran wurde 2019 deutscher U-18-Meister im Doppel