In den USA und mittlerweile auch in Deutschland erleben sogenannte Tiny-Houses einen regelrechten Hype. Die Handwerksmeister Markus Mayer aus Uttenhofen und Frank Kuhn aus Gaildorf haben den Trend aus persönlichem Interesse aufgegriffen. Jeder von ihnen baut sich derzeit sein minimalistisches Wohndomizil für den Urlaub. Gemeinsam bündeln sie ihr Wissen aus Zimmer- und Heizungsbau.

Michelfeld

Auf die Frage, welcher der beiden auf die Idee kam, solch ein Projekt in Angriff zu nehmen, blickt Heizungsbaumeister Frank Kuhn auf Mayer und meint: „Er ist schuld!“ Das Gelächter am Tisch ist ansteckend. Sofort ist erkennbar: Hier sind zwei Gleichgesinnte mit viel Enthusiasmus und Freude bei der Sache. „Ich war letztes Jahr mit meiner Frau auf der Messe ,New Housing’ in Karlsruhe“, holt der 56-Jährige aus. Es sei ein spezieller Event für Tiny-Houses. „Wir befassen uns schon länger mit dem Gedanken, uns für den Ruhestand zu verkleinern“, klärt Kuhn auf. Im Moment bewohne er mit seiner Frau ein großes Haus mit einem stattlichen Grundstück. Auch der Gedanke, ein Tiny-House als Zuflucht in einem südlich gelegenen Land aufzustellen, lässt den Abenteurer nicht los.

Passionierter Dauercamper

Markus Mayer ist mit seiner vierköpfigen Familie schon lange ein Dauercamper. Der Wohnwagen steht in Österreich. Als ihn der Mini-Haus-Virus infiziert hatte, besichtigte der Zimmerermeister neugierig einen Hersteller. „Natürlich inkognito“, sagt er lachend. Dann dachte er sich: „Was die können, können wir schon lange.“ Nach seiner Rückkehr sprach der Inhaber der Zimmerei Mayer Frank Kuhn an. Die beiden vereinbarten, zusammenzusitzen. Das tun sie heute auch, doch meistens nach der Arbeit am Tiny-House bei einem lockeren Gespräch. Mittlerweile ist nämlich Halbzeit an der Tiny-House-Baustelle. Die Außenhaut steht, der Innenausbau wartet.

Spezieller Anhänger nötig

Anfang Januar hat das Duo zwei spezielle Hänger, auf denen die Mini-Häuser aufgebaut werden, aus Holland geholt und mit dem Aufbau begonnen. Mayer hat eine zweite Ebene in sein Objekt eingezogen, um Raum zum Schlafen zu schaffen. Alles auf einer Ebene möchte sein Mitstreiter. So entstanden zwei verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Dachvarianten, die derzeit an der B 19 in Uttenhofen zu bewundern sind. „Es sind schon viele Leute darauf aufmerksam geworden, die bei uns halt gemacht und nachgefragt haben“, erzählt Markus Mayer. Vor allem Rentner seien es gewesen. Dabei eigne sich das Mini-Haus auch gut für Studenten, so der Zimmerermeister.

Maße und Gewicht essenziell

Die Herausforderung beim Bau der Tiny-Houses seien die Maße und das Gewicht für die Straßenverkehrsordnung. 2,55 Meter breit dürfen sie sein. Die Länge beträgt entsprechend des Anhängers zehn Meter, kann aber variieren. Höhenmäßig ist bei vier Metern Schluss. Maximal 3,5 Tonnen schwer dürfen die rollenden Wohnungen sein. 2,6 Tonnen haben die Bauexperten bereits mit ihren Prototypen auf der Waage. Mayers Version hat mit der zweiten Ebene 28 Quadratmeter Wohnfläche, die von Kuhn 20.

Beim Innenausbau zählt nun jedes Kilogramm. Jeder von ihnen hat da wieder seine eigenen Vorstellungen. In beiden Varianten ist ein großer Raum mit Wohn-/Esszimmer und offener Küche. Darüber hinaus gibt es ein Badezimmer und einen kleinen Technikraum. Die Mayers schlafen in der zweiten Ebene, während Kuhns im Wohnbereich ein Hubbett haben werden, das aus der Decke gelassen wird.

Komfort auf engstem Raum

An Komfort wird es den mobilen Häusern nicht fehlen: „In diese Modelle bauen wir ein Gasbrennwertgerät mit Warmwasserbereitung und Fußbodenheizung mit separaten Heizkreisen ein“, erklärt der Heizungsfachmann. Dadurch seien die Tiny-Houses auch das ganze Jahr über bewohnbar. Kuhns Variante hat sogar noch einen Terrassenanbau, der während der Fahrt hochgeklappt ist. Da Mayer in seiner Zimmerei auch eine Schreinerei integriert hat, werden selbst die Möbel maßgerecht gefertigt. „Ich bin jetzt halb Zimmermann, halb Flaschner“, meint der Uttenhofener vergnügt.

Das Duo schätzt, dass es in den Bau der Objekte jeweils rund 250 bis 350 Arbeitsstunden investiert. „Sollte die Resonanz so gut bleiben, können wir uns vorstellen, die Tiny-Houses ins Programm zu nehmen“, kündigt Frank Kuhn an.

Das Tiny-House als Wohnalternative


Wer sich für ein Tiny-House interessiert, muss mit einem Kaufpreis je nach Ausstattung von 70 000 bis 90 000 Euro rechnen.

Ist das Tiny-House auf einem Anhänger mit Rädern gebaut und soll nicht dauerhaft an einer Stelle stehen, gilt es als Wohnwagen: Es muss also als solcher versichert sein und hat regelmäßige TÜV-Checks zu bestehen.

Ist ein Grundstück vorhanden, muss ein normaler Bauantrag gestellt werden. Ein Energieausweis ist nicht notwendig, da die Wohnfläche unter 50 Quadratmetern liegt. coja