Gaildorf Therapiebad schließt zum Jahresende

Der Physiotherapeut Matthias Adamietz leitet die Bewegungsgymnastik der Rheuma-Liga im Therapiebad.
Der Physiotherapeut Matthias Adamietz leitet die Bewegungsgymnastik der Rheuma-Liga im Therapiebad. © Foto: ka
Gaildorf / Von Cornelia Kaufhold 12.06.2018
60 bis 80 Personen nutzen das Hallenbad bei Pückler in Gaildorf wöchentlich. Damit ist bald Schluss: Für die Technik gibt’s keine Ersatzteile mehr.

Die Fakten sind bekannt und schlagen dennoch Wellen. Ein Wagen beim Pferdemarktumzug im Februar brachte das Malheur auf den Punkt. „Aus die Maus, dem Rebel gehen die Ersatzteile aus“, reimte der Pferdemarktausschuss, der den Wagen gestaltet hatte. Seine Empfehlung, ein Rebel’sches Gesundheitsbecken im Unterbecken des Naturstromspeichers, wird sich nicht umsetzen lassen. „Wir sind auf der Suche nach Ausweichmöglichkeiten“, sagt Mathias Adamietz. „Aber das wird schwierig.“

Ausweichen nach Michelbach

Seit 20 Jahren leitet der Physiotherapeut die Wassergymnastik der Rheuma-Liga. „Für die Rheumapatienten sind der Auftrieb im Wasser und die Wärme sehr wichtig. Außen können sie sich nicht bewegen, aber im warmen Wasser sehr wohl“, erklärt er. Adamietz wird sich um die Nutzung eines Bades im Umkreis in Michelbach, Bühlerzell oder Bühlertann bemühen. Auch Angelika Meixner von der VHS-Außenstelle Gaildorf klärt momentan mit den Dozenten ab, inwieweit sie bei Zeiten und Orten flexibel sind.

Bereits im Oktober hat Matthias Rebel, Geschäftsführer der „Graf von Pückler und Limpurg‘sche Wohltätigkeitsstiftung“, die Schließung des Therapiebads angekündigt. An dessen Stelle plant die Graf-Pückler-Stiftung einen großen Gymnastikraum. 1,2 Millionen Euro will sie in die Sanierung der Gebäudehülle investieren, in das Dach, die Fenster, Türen und die Außenwand. Auch die vier Wohnungen im Gebäude sollen modernisiert werden. „Wir wollen mit der Gebäudehülle möglichst in diesem Jahr anfangen. Das hängt auch noch von Finanzierungs- und Förderzusagen ab, und den Rest peu à peu erledigen. Was den Betrieb des Bades betrifft, so hoffen wir, dass dieser noch möglichst lange im vorhandenen Umfang aufrechterhalten werden kann“, erklärt Rebel. Dies hänge allerdings davon ab, ob die Badewassertechnik weiter funktionsfähig bleibt.

Pückler stoße bei der Technik an Grenzen. Einen defekten Ozonerzeuger konnte man durch einen noch vorhandenen, anderen Ozon­erzeuger ersetzen. Würde ein weiterer seinen Dienst quittieren, „müssten wir das Bad schließen, weil wir dann keinen Ersatz mehr haben und im Rahmen der von uns verbauten veralteten Technik auch keinen mehr bekommen. Das kann morgen, aber auch erst in zwei Jahren sein“, so Rebel. Mitte letzten Jahres sei die Produktion dieser Ozon­erzeuger eingestellt worden. Auch die Filterpumpen werden nicht mehr hergestellt.

Spärlich besucht

Ingrid Eschler ärgert sich über Rebels Ankündigung, das Therapiebad zu schließen. Die Unterroterin besucht den Aqua-Fit-Kurs der VHS, der im Therapiebad stattfindet und meint, die Graf-Pückler-Stiftung sei als Mitglied der Diakonie quasi verpflichtet, „etwas für die Allgemeinheit zu tun und in das Bad zu investieren“. Die Badewassertechnik umzurüsten, kostet „ganz grob je nach Aufwand zwischen 150.000 bis 250.000 Euro“, sagt Rebel. Auch die Wasseraufbereitung müsste geändert und von Brom auf Chlor umgestellt werden. „Da sind wir locker bei einer halben Million Euro insgesamt, und das steht in keinem Verhältnis zum Nutzen des Bades.“ Ohnehin habe die  Stiftung in den letzten 15 Jahren jährlich 30.000 Euro Betriebszuschuss gewährt. Die 120 Bewohner und 100 Mitarbeiter der Pückler’schen Pflegeeinrichtungen können das Bad kostenlos nutzen. Dieses Angebot, sagt der Geschäftsführer, werde nur spärlich genutzt. „Da kommen je nach Lust und Laune drei bis sechs Personen.“ Die Schließung des Bades stelle für die Bewohner und Mitarbeiter keine Härte dar.

Aus für Aqua-Fit-Kurs

Die Leiterin der VHS-Außenstelle hat auch das Gespräch mit Bürgermeister Frank Zimmermann gesucht. „Er konnte mir auch nicht wirklich weiterhelfen“, berichtet Angelika Meixner. „Das Lehrschwimmbecken ist von der Schule und den Vereinen belegt“, erklärt sie. Es wird ohnehin ab dem Sommer geschlossen sein. Wie Dr. Daniel Kuhn von der Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt, steht eine größere Sanierung des Lehrschwimmbeckens an und werde dann für einige Wochen nicht zur Verfügung stehen. „Bei den Planungen ab dem ersten Halbjahr 2019 könnte die VHS mit ihren Veranstaltungen berücksichtigt werden, sofern freie Plätze vorhanden sind“, teilt Kuhn mit.

Angelika Meixner will am Ball bleiben und schauen, „ob’s irgendwo eine Lücke gibt, in die wir reinschlupfen können“. Wenn nicht, wird das VHS-Programm um die sportlichen Angebote Aqua-Fit und Aqua-Zumba ärmer.

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