Zwei Bälkchen zeigt das Mobiltelefon an, im Landgasthaus Frankenberg am Golfplatz, und das, finden zumindest einige der etwa 30 Besucher, ist zu wenig: Gespräche kommen entweder gar nicht zustande oder reißen ab. Andere könnten prima damit leben und sehen die Pläne der Telekom daher eher skeptisch. „Wozu soll ich im Wald telefonieren können“, fragt eine Anwohnerin.

Politische Vorgabe

Die Deutsche Telekom Technik GmbH investiert in die Fläche, um die Übertragungsraten zu verbessern und wo möglich, auch Funklöcher zu schließen. Von sich aus würde sie das schon aus wirtschaftlichen Gründen eher nicht tun. Es gibt aber eine politische Vorgabe: 98 Prozent der deutschen Haushalte sollen über zeitgemäße Mobilfunkverbindungen verfügen können, erklärt Ingo Reinhardt, man wolle „gleichwertige Lebensverhältnisse“ schaffen. Als „kommunaler Ansprechpartner“ tourt Reinhardt derzeit durch die Gemeinden, um über die Ausbaupläne zu informieren.

In den großen Städten ist die verlangte Verfügbarkeit längst gegeben, wie eine Karte von Stuttgart zeigt, die Reinhardt an die Wand projiziert und die ein dichtes Netz von Mobilfunkmasten zeigt. Im und über dem Rottal aber sieht das Unternehmen Handlungsbedarf. Zwei Antennenanlagen sollen Abhilfe schaffen: eine bei Konhalden, wobei ein geeigneter Standort noch nicht gefunden ist, eine beim Stiershof, wo es bereits einen Funkmast gibt, der allerdings für den Behördenfunk reserviert ist.

Der öffentlich-rechtliche Vertrag gilt nach wie vor, steht jetzt aber zur Debatte. Die Telekom will den Mast für LTE- und GSM-Angebote nutzen und hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Long-Term-Evolution-Verbindungen dienen vor allem dem Datentransfer, das GSM-Netz der Sprachübertragung. GSM sendet niedrigfrequenter als LTE, reicht also weiter.

Begrenzte Reichweite

Abgedeckt werden sollen Frankenberg, Hohenhardtsweiler, Seehölzle, Stiershof und Stiersbach. Es gehe vor allem um eine Verbesserung, macht Reinhardt deutlich. Das Optimum, flächendeckende LTE-Geschwindigkeiten, erreiche man damit nicht. Die Reichweite der drei Antennen, die für eine 360-Grad-Abdeckung installiert werden müssten, sei begrenzt: Je weiter man sich davon entferne, umso geringer seien die Übertragungsraten.

Die Befürchtung der Anwohner, die Telekom wolle durch die Hintertür eine 5G-Versorgung aufbauen, damit sich der teure Breitbandausbau erübrigt, sei daher auch unbegründet: Eine Antenne reiche dafür bei Weitem nicht aus.

Die Strahlenbelastung, versichert Reinhardt, werde sich stets weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte bewegen. Der Standort werde von der Bundesnetzagentur überprüft, genehmigt und auch kontrolliert. Sie errechne einen Gesamtemissionswert, der außerhalb eines festgesetzten Sicherheitsabstandes nicht überschritten werden dürfe.

„Fakten auf den Tisch!“

Die Frage der Belastung treibt die Besucher dennoch um. Weil noch nicht geklärt ist, wie die neuen Antennen ans Netz angeschlossen werden, befürchten einige Besucher eine zusätzliche Bestrahlung, etwa wenn die Telekom sich für einen Richtfunkanschluss entscheidet. Diese Anschlussfrage sollte geklärt werden, ehe der Gemeinderat entscheidet, wird gefordert: „Die Fakten auf den Tisch!“

Ein Richtfunkanschluss habe auf die Gesamtemission keinen Einfluss, sagt Reinhardt. Er verweist auch auf die von der Weltgesundheitsorganisation WHO definierten Grenzwerte und auf den Stand der Forschung, auf Tausende Studien, die außerhalb der Sicherheitsbereiche keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Schädlichkeit von Mobilfunk erbracht hätten.

Die Debatte, die anderswo heftig geführt wird, verläuft in Frankenberg allerdings recht moderat. „Ob die Grenzwerte richtig sind, oder falsch, können wir beide hier nicht beurteilen“, sagt ein Besucher zu Reinhardt. „Würde ich zweifeln, würde ich meine Familie dem nicht aussetzen“, erwidert der. Die Behauptung, die Wissenschaft könne irgendwie „unterwandert“ sein, bleibt unbeantwortet stehen.

Der Antrag der Telekom auf Nutzung des bestehenden Mastes in Stiershof wird am Mittwoch, 24. April, im Oberroter Gemeinderat behandelt. Der Gemeinderat, erläutert Bürgermeister Daniel Bullinger, könne zustimmen oder einen Alternativ-Standort vorschlagen. Lehne er ab, könne die Telekom sich nach einem privaten Grundstück umschauen. Stimme er zu, könne er seinen Einfluss per öffentlich-rechtlichem Vertrag sichern. Heißt: Sollte die Telekom wieder aufrüsten wollen, müsste sie vorher fragen.

Das könnte dich auch interessieren: