Datenübertragung Technik aus Backnang ist im All

Die vier S-Net-Satelliten in ihren Auswurfcontainern. Sie wurden am 1. Februar vom Weltraumbahnhof Wostotschny gestartet. Auch das Team des Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation (DeSK) aus Backnang war vor Ort.
Die vier S-Net-Satelliten in ihren Auswurfcontainern. Sie wurden am 1. Februar vom Weltraumbahnhof Wostotschny gestartet. Auch das Team des Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation (DeSK) aus Backnang war vor Ort. © Foto: Privatfoto
Backnang / swp 22.02.2018

Mehrere am Institut für Luft- und Raumfahrt (ILR) der Technischen Universität Berlin (TUB) entwickelten und gebauten sogenannten S-Net-Nanosatelliten sind am 1. Februar mit einer russischen Soyuz-Rakete und den Erdbeobachtungssatelliten Kanopus III und IV um 3.07 Uhr unserer Zeit erfolgreich vom Weltraumbahnhof Wostotschny gestartet.

Die S-Net-Mission besteht aus vier Nanosatelliten, die das Schwarmverhalten dieses Satellitennetzwerks prüfen und die Kommunikation der „Würfel“ untereinander über die S-Band-Frequenz testen werden. Die Missionsdauer ist für ungefähr ein Jahr angesetzt. Die TUB kann inzwischen auf eine beachtliche Historie von Kleinsatellitenprojekten zurückblicken: So sind die S-Net-Satelliten die Nummern 13 bis 16, welche von der TUB in etwa 585 Kilometer Entfernung über der Erde umherkreisen.

Daten für autonomes Fahren

Hintergrund für diese Mission ist der stetig steigende Bedarf an höheren Datenmengen. Innovative Ansätze sollen mit Kleinsatelliten entwickelt werden mit dem Ziel, ein weltumspannendes Netz zu bilden, um Technologieentwicklungen wie Internet of Things, autonomes Fahren oder Big Data zu unterstützen.

Das Team des Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation (DeSK) aus Backnang war – als Unterauftragnehmer – zur Unterstützung ebenfalls vor Ort. Ab Ende März 2018 können Besucher des DeSK-Showrooms die Aktivitäten der S-Net-Satelliten über eine UHF-Bodenstation dort live mitverfolgen.

Als kurz nach dem Start der Ausstoß der Satelliten erfolgte, haben die involvierten Akteure erneut den Atem angehalten, denn die Genauigkeit beim Auswurfvorgang war ein essenzieller Aspekt für die Mission. Die vier Satelliten mussten genau in einem Abstand von zehn Sekunden zueinander ausgesetzt werden, damit getestet werden kann, wie lange diese – trotz zunehmender Entfernung – den Kontakt zueinander halten können. Die Nanosatelliten verfügen über keinen eigenen Antrieb. Dafür werden diese über sogenannte Reaktionsräder, welche sich im Inneren befinden, stabilisiert.

Der ganz große Jubel brach schließlich aus, als um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit der Kontakt zu allen Satelliten über die Bodenstation der TUB erfolgt ist.

Im Laufe der nächsten Monate wird nun die Kommunikation zwischen den Kleinsatelliten getestet. Bislang ist es so, dass Satelliten im niedrigen Erdorbit Daten sammeln und diese jeweils beim Überflug über eine Bodenstation zur Erde senden. Dabei können zwischen den Aufnahmen und der Übersendung der Daten mehrere Stunden vergehen.

Ziel des Vorhabens ist es, die Kommunikation zwischen den Nanosatelliten über das S-Band (Frequenzband bei 2,2 GHz) zu prüfen, damit die Satelliten Daten untereinander austauschen können, jedoch ausschließlich einer der Nanosatelliten die gesammelten Daten im Anschluss an die Bodenstation senden kann.

Das S-Link-Funkgerät ist gekennzeichnet durch Verwendung der S-Band-Frequenzen und moderner Übertragungsverfahren. Das Gerät erreicht Datenraten von etwa 100 Kilobit pro Sekunde bei Entfernungen bis maximal 400 Kilometer. Eine Datenrate von 100 Kilobit pro Sekunde entspricht etwa drei bedruckten DIN-A4-Seiten. Dies stelle für Nanosatelliten eine neue Größenordnung dar, teilen die Wissenschaftler mit.

Deutsches Zentrum für Satelliten-Kommunikation e.V. (DeSK)

Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Hochschulen aus dem Bereich der Satellitenkommunikation haben sich im Jahr 2008 im Deutschen Zentrum für Satelliten-Kommunikation e.V. (DeSK) zusammengeschlossen.

Ziel des DeSK ist es, die 35 Mitglieder zur Erweiterung der Geschäftsbeziehungen zusammenzuführen sowie zu einem schlagkräftigen Netzwerk zu bündeln und dabei Synergien zu erzeugen. Außerdem werden gemeinsame Aktivitäten zur Fachkräftegewinnung durchgeführt. Ferner obliegt dem DeSK der Betrieb eines Showrooms zum Thema ‚Satellitenkommunikation‘. Als Teil der Kompetenzzentren Initiative der Region Stuttgart wird das DeSK von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) gefördert.

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