Dicht an dicht stehen die Menschen in der Innenstadt, um den letzten Höhepunkt des 83. Gaildorfer Pferdemarkts mitzuverfolgen: den bunten und – wie es die Tradition verlangt – auch satirisch frechen Festumzug. In mehreren Reihen säumen Besucher aus allen Teilen des Landes den Innenstadtring und die Bahnhofstraße hinaus bis zur Feuerwache.

Das „typische“ Wetter

Die Regentropfen und Schneeflocken, die am Wochenende und auch gestern Vormittag manchem Händler des Krämermarkts noch Sorgenfalten beschert hatten, sind in diesen spannenden Minuten vergessen. Sogar der böige Wind lässt nach, und immer wieder lugt die Sonne durch eine der wenigen Wolkenlücken. Kurz: Es herrscht „typisches Pferdemarktwetter“, das es eigentlich gar nicht gibt und sich dennoch Jahr für Jahr wiederholt.

Für Begeisterung in den Reihen der gestrengen Jury hatten bereits am frühen Vormittag auf der Kocherwiese die 74 aufgetriebenen Stuten gesorgt. Trotz der noch nasskalten Witterung besonders überzeugend im Ring und zu Siegerinnen gekürt: das Kleinpferd „Gratia II“ von Hubert Schmid aus Schwäbisch Gmünd, das Kaltblut „Berta“ von Peter Müller aus Alfdorf und auch das edle Warmblut von Anja Riegger aus Abtsgmünd, das auf den sperrigen Namen „Kam Sah und Siegte R“ hört.

Als Erfolg darf Rathauschef Frank Zimmermann das Fest der Feste im Limpurger Land verbuchen. Die Stadt ist rappelvoll mit Menschen, die sich das Ereignis nicht entgehen lassen wollen.

Geballte Prominenz

Das mag ihm Motivation genug gewesen sein, um mit seiner Rede – auch hier verlangt die Pferdemarkttradition Lästerliches – zum offiziellen Empfang vor geballter Prominenz aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens vom Leder zu ziehen.

Einer, der an diesem Tag mit der Arbeit der vielen Beteiligten zufrieden sein darf, ist Martin Zecha, Vorsitzender des Pferdemarktausschusses. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern ist ihm ein Programm gelungen, das zu begeistern versteht. Das Niveau der Themenwagen im auf 50 Minuten verkürzten Umzug beeindruckt offensichtlich, wie der Szenenapplaus belegt.

Und der stattliche Anteil der Gespanne. Die haben es Polizeihauptkommissar Thomas Just angetan. Der Leiter des Polizeipostens Gaildorf, neben Dutzenden von Feuerwehrleuten und Rotkreuz-Helfern mit etwa 20 Kräften im Einsatz, äußert sich am Ende begeistert: „Ein wirklich schöner Umzug.“

Was er besonders gern in Erinnerung behalten wird: Dieser Pferdemarkt sei „absolut unauffällig“ – weil „nichts passiert ist“. Bis zum frühen Abend keine Diebstähle an den Ständen, keine Sachbeschädigungen, keine Unfälle, keine Vermissten. So ruhig, bilanziert Just, sei noch nie ein Pferdemarkt über die Bühne gegangen.

Schwierige Schätzung

Was nun die Zahl der Zuschauer anbelangt, die kaum verlässlich zu ermitteln ist, gehen die Schätzungen auseinander. Polizeichef Just meint, es seien mehr als 10 000 gewesen, aus dem Pferdemarktausschuss ist von 20 000 die Rede. Die richtige Zahl liegt irgendwo dazwischen.

Das könnte dich auch interessieren:

Bildergalerie Pferdemarkt: der Umzug