Vor Großprojekten scheuen Gemeinden in Corona-Zeiten eher zurück. Doch der Förderbescheid für den Neubau des Regenüberlaufbeckens in der Sulzbacher Eisbachstraße kam unerwartet schnell. „Jetzt müssen wir es durchziehen, es gibt dazu keine Alternative“, sagte Bürgermeister Markus Bock. Die Räte sahen es genauso.

Das Bauwerk, um das es geht, ist schon lange nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik. Es hat noch mechanische Schieber und nur eine niedrige Überlaufschwelle. Die funktioniert, solange es nicht zu sehr regnet. Bei Starkregen jedoch werden Dinge, die die Anwohner lieber nicht sehen möchten, aus der Kanalisation in den Eisbach geschwemmt. Die Diskussion um einen Neubau hat Tradition, das bestätigte auch Gemeinderat Wolfgang Hägele: „Ich bin seit 26 Jahren Gemeinderat. Und seither wird das immer wieder diskutiert. Ich bin froh, dass das jetzt endlich in Angriff genommen wird.“ Dem stimmte auch Bock zu: „So ein Bauwerk ist ja eigentlich auch unpopulär: Es kostet einen Haufen Geld – und wenn es fertig ist, dann sieht man nix davon.“
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Anwohner zeigen sich kooperativ

Froh ist die Gemeinde auch, dass die Anwohner sehr kooperativ sind – vor allem der Eigentümer des Grundstücks, auf dem das Bauwerk entstehen soll. Denn der, so der Schultes, „hat ein gutes Dreivierteljahr eine Riesenbaustelle vor seinem Haus – das macht auch nicht jeder mit“. Dieses Dreivierteljahr wird auch für die übrigen Anwohner nicht einfach, denn ohne Straßensperrung geht es nicht. Allerdings haben Bauhof, Planungsbüro und Verwaltung bei einer Begehung vor Ort eine bessere Lösung gefunden als die bislang geplante „Variante Süd“, die ohne vollständige Sperrung der Eisbachstraße für mehrere Wochen nicht möglich gewesen wäre.

Die nun beschlossene „Variante Nord“ sieht einen Neubau des Regenüberlaufbeckens direkt an der Abzweigung zum Bärenberg vor. Das ermöglicht es, den Großteil der Bauzeit mit einer nur halbseitigen Sperrung der Eisbachstraße auszukommen. Außerdem kann bei dieser Variante das alte Regenüberlaufbecken so lange in Betrieb bleiben, bis das neue fertig ist, was ein zusätzlicher Schutz bei Hochwasser ist. Danach wird das alte Becken mit Beton verfüllt – zum Schutz vor Ungeziefer und damit der Boden nicht irgendwann einbricht. Von den Kosten her, so Bock, liegen beide Varianten etwa gleich.

Kein neues Verfahren nötig

Zwar hat der Gemeinderat die Variante Süd bereits per Beschluss freigegeben. Das Landratsamt hat der Gemeinde jedoch mitgeteilt, dass kein neues Verfahren nötig ist, da sich die neue Variante auf dem gleichen Grundstück befindet. Man solle nur die aktualisierte Planung vorlegen und den Förderbescheid nachreichen.

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Der hat es in sich: „Mit 525.400 Euro haben wir annähernd die beantragte Summe vom Land erhalten“, freute sich Bürgermeister Bock. Das entspreche einer Förderquote von 63,7 Prozent der förderfähigen Kosten beziehungsweise von 61 Prozent der Gesamtkosten. Insgesamt werden die Kosten für das Projekt auf rund 862.000 Euro geschätzt. Entsprechende Mittel hat die Gemeinde in den Haushalt 2020 eingestellt.

„Wir sind also unter Zugzwang und müssen das machen“, so der Schultes, „ansonsten kann es uns passieren, dass wir in ein oder zwei Jahren gezwungen sind, den Bau ohne Zuschüsse zu bewältigen.“ Auch das Landratsamt dränge auf baldigen Baubeginn. Das sahen auch die Räte so.
Einstimmig erteilten die Räte deshalb die Baufreigabe für die neue Variante Nord. Damit können die Arbeiten ausgeschrieben werden, sodass noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden kann.