Ein Hörerlebnis der Extraklasse boten das von Matthias Baur geleitete Kammerorchester und Perkussionistin Mirijam Wallau. Mit der schwungvollen, klangschönen Interpretation des Konzerts für Marimba und Streicher überzeugten Musiker und Solistin auch Komponist Eckhard Kopetzki.

Der 1956 geborene Perkussionist, der in der Nähe von Nürnberg lebt, kam auf Einladung des Dirigenten zum Konzert des Kammerorchesters der Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land in die Murrhardter Festhalle. Die Aufführung seines der Marimba-Virtuosin Katarzyna Mycka gewidmeten Werks, das den Höhepunkt des Abends darstellte, bereitete Kopetzki viel Freude. „Mirijams Interpretation hat meine Intention getroffen“, erklärte der Komponist. Voller Hingabe und Spielfreude gestaltete die Studentin der Musikhochschule Frankfurt den hochvirtuosen Marimbapart und demonstrierte dabei ihre brillante Spielkultur auf technisch-musikalischem Topniveau.

Klangfarbenreiches Panorama

Als „Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen“ mit traditionell aufbereiteten modernen Elementen umschrieb Kopetzki das Konzert mit vier Sätzen. Dazu inspirierten ihn auch Werke moderner Komponisten wie Béla Bartók oder Olivier Messiaen. Kammerorchester und Solistin entfalteten ein faszinierend klangfarbenreiches Panorama aus fantasievollen und innovativen musikalischen Ideen, wobei die unterschiedlichen Klangfarben von Streicher und Marimba dank des präzise aufeinander abgestimmten Zusammenwirkens bestens miteinander harmonierten.

Die große Vielfalt verschiedenartiger Motive und Figuren, Melodien, Harmonien und Rhythmen stellte enorm hohe Anforderungen an die Musiker des Kammerorchesters, die diese in Bestform mit Bravour meisterten. Bezaubernd schön wirkten einige Passagen, in denen Konzertmeisterin Sandra Stock eine liedhafte Melodie in anmutiger Kantilene darbot, die Mirijam Wallau mit dezenten Begleitfiguren untermalte. Zudem gab es stimmungsvolle Interaktionen zwischen anderen Streichern und der Marimba. Mitreißend erklangen tänzerische und jazzige Rhythmen, heitere folkloristische Klänge, verträumte, aber auch spannungsvolle Passagen mit atonalen und chromatischen Elementen, die an Filmmusik erinnerten. Kurzum: Die Aufführung von Kopetzkis Konzert war Spitzenklasse.

Ein abwechslungsreiches Hörvergnügen bot auch die „Serenata notturna“ für zwei kleine Orchester in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791, Köchelverzeichnis 239). Die heitere höfische Festmusik mit verschiedenen Instrumentenkombinationen und Klangformen, reizvollen Melodien und Harmonien bestand aus einem pompösen Marsch, einem eleganten Menuett und einem verspielten Rondo. Darin interagierte ein solistisches Streichquartett mit dem Kontrabass und dem Streichorchester mit Pauken, die Mirijam Wallau souverän einsetzte.

Rhythmus erinnert an Walzer

Bezaubernd stimmungsvolle, atmosphärisch schwebende Melodie- und Klangbögen, die typisch sind für die skandinavische Tonsprache, entfalteten sich in zwei Tonschöpfungen des finnischen Komponisten Jean Sibelius (1865 bis 1957). Sehr feierlich und zeremoniell, wie eine Hymne oder ein geistliches Werk, klang das „Andante festivo“ für Streicher und Pauken, das die Musiker des Kammerorchesters mit großem Einfühlungsvermögen in vollendeter Anmut gestalteten. Den Schlusspunkt setzten die von Mirijam Wallau gespielten Pauken mit einem prachtvollen Wirbel.

Aus seinen Impromptus für Klavier Opus 5 Nummer 5 und 6 schuf Sibelius ein vielschichtiges Impromptu für Streichorchester. Den Rahmen bildeten wunderschöne weite und sanfte, etwas melancholisch und sehnsuchtsvoll klingende facettenreiche Klangbögen und volksliedhafte Melodien. Im Zentrum stand ein vor Lebensfreude sprühender Tanz, dessen Rhythmus an einen Walzer erinnerte.

Mit starkem, rhythmischem Applaus dankten die zahlreichen Zuhörer der Solistin Mirijam Wallau und den Mitgliedern des Kammerorchesters für die hochkarätigen Darbietungen und signalisierten den Wunsch nach einer Zugabe. So bot die Perkussionistin noch das melodische, romantisch wirkende Marimba-Solostück „Il canto del gondolieri“ (der Gesang der Gondolieri) vom 1962 geborenen deutsch-serbischen Perkussionisten Nebojša Jovan Živkovic dar, in dem feine Tremolofiguren die Wellenbewegungen in den Kanälen von Venedig illustrierten.