Infrastruktur Straßenbau kollidiert nicht mit der „kleinen Gartenschau“

Der Kocherdamm zwischen der Gaildorfer Innenstadt und dem Hallengelände. Hier wird der zweite Abschnitt der Umgehungsstraße geplant. Ob unter- oder oberirdisch, soll sich bis Ende nächsten Jahres entscheiden.
Der Kocherdamm zwischen der Gaildorfer Innenstadt und dem Hallengelände. Hier wird der zweite Abschnitt der Umgehungsstraße geplant. Ob unter- oder oberirdisch, soll sich bis Ende nächsten Jahres entscheiden. © Foto: Richard Färber
Gaildorf / Richard Färber 13.04.2018

Voraussichtlich bis Herbst nächsten Jahres wird es noch dauern, bis die Vorplanung für den zweiten Abschnitt der künftigen Gaildorfer Ortsumfahrung abgeschlossen ist. Das hat das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg auf Anfrage unserer Zeitung in dieser Woche mitgeteilt. Besagter zweiter Abschnitt führt von einer künftigen Kreuzung in der Schloss-Straße entlang am Kocher und weiter nach Westen in Richtung Kleinaltdorf. Im Bundesverkehrswegeplan ist eine „gedeckelte“ Variante angemeldet, eine Tunneltrasse, die neben dem Damm verlaufen soll. Dies ist auch die Variante der Wahl für die Stadt, weil sie sich dadurch Entwicklungsspielräume erhält.

Der Weg zur Vorzugsvariante

Im Sommer letzten Jahres wurde dann bekannt, dass im Rahmen der Vorplanung eine Machbarkeitsstudie für einen oberirdischen Trassenverlauf in Auftrag gegeben wurde. Die Untersuchung von Alternativtrassen sei nicht ungewöhnlich, teilte das Ministerium seinerzeit mit, in späteren Rechtsverfahren seien im Regelfall sowieso alle denkbaren Alternativlösungen unter- und gegeneinander abzuwägen (wir haben berichtet).

Heißt: Beide Trassenvarianten werden in die Vorplanung eingehen, die dann in die Entwurfsplanung, die Genehmigungsplanung und schließlich in die „Aufstellung des Feststellungsentwurfes“ münden wird. Und erst wenn dieser Entwurf in trockenen Tüchern ist, ist auch „das Baurecht hergestellt“, sprich: Die Baufahrzeuge können rollen. Fünf bis sechs Jahre wird allein diese Planungsphase dauern.

Das Ministerium hat auch den weiteren Ablauf der Vorplanung skizziert. Danach wird es, „wenn alle Varianten hinreichend vertieft untersucht“ sind, ein Projektgespräch zwischen Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur BMVI geben. Dabei werden die untersuchten Varianten verglichen. Aus diesem Vergleich sollte dann eine Vorzugsvariante hervorgehen.

Die Wirtschaftlichkeit spiele in der Abwägung eine Rolle, teilt das Ministerium mit. Aber nicht nur: Man werde auch die „raumstrukturellen Wirkungen“ berücksichtigen, die städtebaulichen Aspekte also, die auch von der Stadt Gaildorf ins Feld geführt werden. Hinzu kommt die „verkehrliche Beurteilung“, in der die Be- und Entlastungseffekte der Trasse abgewogen werden. Weitere Kriterien sind die entwurfs- und sicherheitstechnische Beurteilung und schließlich wird es auch noch um die Umweltverträglichkeit gehen, die Auswirkungen der neuen Straße auf die Natur, die zu erwartenden Lärmemissionen und die Luftschadstoffe.

Die Öffentlichkeit soll früh einbezogen werden. Nach dem Projektgespräch würden die untersuchten Varianten vorgestellt, teilt das Ministerium mit, dann werde auch die Öffentlichkeit Gelegenheit erhalten, sich zu äußern, die Stellungnahmen fließen dann in die endgültige Entscheidung ein.

Die Grünprojekt-Bewerbung

Der Zeitplan ist auch für die Stadt von größtem Interesse. Sie hat sich, wie berichtet, für das „Grünprojekt“, die „kleine Gartenschau“ beworben, die alle zwei Jahre stattfindet. Die Bewerbung gilt für die Grünprojekt-Jahre 2027 und 2029, und deshalb hat sich Bürgermeister Frank Zimmermann zwischenzeitlich auch beim Regierungspräsidium versichern lassen, dass es keinen Terminkonflikt geben wird. Der zuständige Referatsleiter habe versichert, dass der Zeitplan „bis 2027“ eingehalten werde.

Diese Information ist wichtig: Noch im April kommt eine Kommission nach Gaildorf, um sich das Grünprojekt erläutern zu lassen. Die Stadt, so Zimmermann, erhalte dann die Gelegenheit, sich, ihre Partner und ihre Pläne vorzustellen und der Kommission klarzumachen, dass man dieses Grünprojekt nicht nur haben wolle, sondern dass man es auch realisieren könne.

Trasse führt zwei Mal über den Kocher

Planung Etwa 17 Millionen Euro wird die Umgehungsstraße für Gaildorf kosten. Der erste Abschnitt soll von der Gaildorfer Ortsausfahrt in
Richtung Münster schwenken,
vor der Kocherbrücke die B 19 kreuzen und dann durch die Eschenau und über eine neue Kocherbrücke bis zur Schloss-Straße führen. Von dort
soll’s auf oder unter dem Kocherdamm weiter nach Westen gehen. Auf Höhe des ehemaligen Jugendzentrums soll die Straße dann erneut den Kocher queren und in die Bahnhof­straße münden. rif

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