Gaildorf Jubiläum: Sternstunde im Sonnensaal

Diese im Jahr 1898 versandte Ansichtskarte (Ausschnitt) zeigt den damaligen Gasthof „Zur Sonne“. In dem Gebäude ist vor 70 Jahren das Kino „Sonnenlichtspiele“ eingerichtet worden.
Diese im Jahr 1898 versandte Ansichtskarte (Ausschnitt) zeigt den damaligen Gasthof „Zur Sonne“. In dem Gebäude ist vor 70 Jahren das Kino „Sonnenlichtspiele“ eingerichtet worden. © Foto: Archiv
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 19.07.2018
Vor 70 Jahren: Gaildorfs Kino wird von der „Post-Krone“ in den ehemaligen Gasthof „Sonne“ verlegt und in „Sonnenlichtspiele“ umbenannt.

Mitten im heißen Sommer 1948 hatte die damals 26-jährige Emma Mack eine Idee. Und deswegen – im Zeitraffer betrachtet – heißt der Gaildorfer Kinoverein heute „Sonnenlichtspiele“. Denn Emma Mack, die später den für Süddeutschland zuständigen Regionalleiter der Union-Filmverleih, Heiner Langanke, heiratete, hatte damals ihr erst ein Jahr altes Kino vom Gasthof „Post-Krone“ am Marktplatz in das bereits 1916 aufgegebene und seither anderweitig genutzte Gasthaus „Zur Sonne“ in der Karlstraße verlegt.

Im alten Tanz- und Festsaal

Aus dem „Union-Theater Gaildorf“ waren in Anlehnung an den früheren Namen des neuen Domizils die „Sonnenlichtspiele Gaildorf“ geworden. Über die Geburtsstunde „ihres“ Lichtspielhauses vor nunmehr 70 Jahren nachzudenken, haben die Ehrenamtlichen des Kinovereins in diesen Tagen kaum Gelegenheit: Der harte Kern des Teams ist vor der Sommerpause mit Mann und Maus damit beschäftigt, das inzwischen elfte Kinofestival unter freiem Himmel zu stemmen.

Zurück zum Sommer 1948. Emma Mack hatte den Mietvertrag für die Nutzung des Untergeschosses der „Sonne“ in der Tasche. Nun ließ sie den früheren Tanz- und Festsaal, der noch vor dem Krieg durch Trennwände aufgeteilt war, um Büroräume für den Oberamtsbaumeister, das Jugendamt und den Oberamtsgeometer einzurichten, in seiner ursprünglichen Dimension wiederherstellen.

Verein schafft die Rettung

Nach wenigen Wochen des Umbaus nahmen die neuen Sonnenlichtspiele am 18. September 1948 den Betrieb auf. Premiere wurde mit der Operettenverfilmung „Opernball“ aus dem Jahr 1939 gefeiert. Mit dem Tod von Emma (1994) und Heiner Langanke (2002) drohte dem kleinen, aber feinen Kino das Aus.

Dann kam der Sommer 2003. Die Rettung nahte: Ein schnell aus der Taufe gehobener Verein erklärte sich bereit, das Kino weiterzuführen. Als Zeichen ihrer Entschlossenheit firmiert die Gruppe unter dem Namen, den einst, 1948, Emma Mack kreiert hatte: „Sonnenlichtspiele“.

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