Rosengarten Steffi rennt durch Hohenlohe

Steffi Saul und Ingolf Löhne machen während des Spendenlaufs eine Pause auf einer Bank in der Ortsmitte von Rieden. Sie laufen eine 300 Kilometer lange Strecke.
Steffi Saul und Ingolf Löhne machen während des Spendenlaufs eine Pause auf einer Bank in der Ortsmitte von Rieden. Sie laufen eine 300 Kilometer lange Strecke. © Foto: Guido Seyerle
Rosengarten / Guido Seyerle 10.11.2018
Die Welzheimer Ausdauerathletin absolviert auf einem Rundkurs in fünf Tagen 301 Kilometer. Vor Rosengarten verirrt sie sich in eine umzäunte Kläranlage.

Wen man nachts so alles auf der Straße treffen kann! Beim Abendspaziergang kurz nach 22.30 Uhr bleibt Mischlingshündin Cindy plötzlich ruckartig stehen, ihre Nackenhaare stellen sich auf. In der Dunkelheit rennt eine Person auf die Gassigeher zu. Eine weit entfernte Straßenlaterne lässt Sicherheitsstreifen auf ihrer Jacke reflektieren, auf dem Rücken hat sie irgendetwas Schweres hängen. Beim Näherkommen wird deutlich: Das ist eine Frau in Feuerwehrkleidung, auf ihrem Rücken trägt sie eine Sauerstoffflasche. Die Frage an die nächtlichen Spaziergänger überrascht: „Ist da hinten das Freibad?“ Antwort: „Ja, warum?“ „Dort soll es eine Verpflegungsstation für uns geben.“

Nach einem zweiminütigen Gespräch wird klar: Das ist Steffi, die für einen Spendenlauf rennt. Weit hinter ihr taucht eine zweite Person auf, sie hat keine Schutzkleidung an, dafür ist eine rote Pappnase zu erkennen. Es ist Ingolf, der sich „Mediclown“ nennt. Wo soll es für die beiden hingehen? Steffi, die Anführerin, weiß es nicht. Ihr Display auf dem Handy ist aufgrund der Feuchtigkeit angelaufen. Sie kann weder die vorab abgespeicherte Route nachverfolgen noch irgendjemanden anrufen. Kurz vor dem Freibad in Rieden fragt sie: „Und wo geht es weiter nach Geifertshofen?“ Die Verpflegungsstation befindet sich jedenfalls nicht in dem Rosengartener Teilort. Der nächtliche Spaziergänger holt den beiden daheim einen Schokoriegel, den die Spendenläufer gerne annehmen. „Irgendwie hat es doch noch geklappt, dass wir unsere Begleitungscrew erreicht haben. Sie kam dann mit dem Wohnmobil angefahren und hat uns mit Spaghetti und heißen Getränken versorgt“, erzählt die Welzheimerin Steffi Saul.

Die Bürokauffrau ist es gewohnt, schnell große Strecken zu Fuß zurückzulegen. Sie lief bereits Ultramarathons zwischen 80 und 660 Kilometer. „Ich bin immer im Training. Obwohl ich Laufen früher gehasst habe.“ Doch nach der Geburt ihrer Kinder bekam sie Lust am Sport und am Laufen. Dort hat sie ihren Begleiter Ingolf Löhne (54) aus Dresden, Bauingenieur und Mediclown, kennengelernt. Es ist nicht ihr erster Spendenlauf. 2013 war die Ausdauerathletin für das Kinderkrankenhaus Olgäle in Stuttgart aktiv. „Meine Großeltern sind beide an Krebs gestorben, auch in der Schule gab es schwere Erkrankungen. Ich wollte etwas Gutes tun und möglichst viele Leute damit erreichen.“ Es folgte ein Weltrekord in voller Feuerwehrausrüstung, innerhalb von 39 Stunden legte die Welzheimerin auf einem Rundkurs 150,6 Kilometer zurück, die Bestleistung lag bis dorthin bei 100 Kilometern.

Beim Training kam teffi mit der Hohenloher Landschaft in Kontakt: „Ich bin oft in diese Richtung gelaufen, es ist herrlich ländlich.“ So hat sie nun auch ihre Aktion in der vergangenen Woche erlebt. Und: „Sogar nachts standen Menschen am Straßenrand. Andere kamen aus ihren Häusern und befragten uns.“ Der vermeintliche Verpflegungspunkt in Rieden sei ihr Fehler gewesen: „Ich hatte den Plan anders im Kopf. Tatsächlich war er in Hirschfelden.“ Kurz danach haben die zwei Extremläufer den Streckenverlauf verändert: „Es  ging nur den Berg hoch, durch Bachläufe und über Bäume.“ Sie hatten ihre Strecke vorab im Internet getrackt. „Das war zu willkürlich. Einmal kamen wir über einen Bachlauf hoch und standen in einer umzäunten Kläranlage.“

5000 Euro erlaufen

Steffi hat danach mit einem Ersatzhandy ihren Freund angerufen. „Danach sind wir auf befestigten Wegen weitergewandert.“ Zwei- bis dreimal sei der Punkt gekommen, an dem sie erschöpft war: „Doch durch meine Lauferfahrung habe ich gewusst: Schlaf mal zehn Minuten, dann sieht die Welt anders aus.“ In fünf Tagen wurde insgesamt nur sechs Stunden geschlafen. Rund 5000 Euro kamen bisher für die DKMS („Wir besiegen den Blutkrebs“) zusammen.

An Erfahrung nehmen die beiden Spendenläufer mit: Am besten ein Outdoorhandy verwenden oder das Handy in eine Plastiktüte packen. Nach einem Jahr Training weiß Stefanie noch nicht, welches Projekt sie als Nächstes angehen wird. „Aber mir wird bestimmt ein Extremlauf einfallen.“

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