Frasch Stammbaum von Hermann Frasch reicht bis ins Jahr 1711

Maria Fassbender berichtete am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, im Freien Adelssitz Oberrot über die Familie und Vorfahren von Hermann Frasch.
Maria Fassbender berichtete am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, im Freien Adelssitz Oberrot über die Familie und Vorfahren von Hermann Frasch. © Foto: Werner Schmidt
Oberrot / WERNER SCHMIDT 14.09.2016
Maria Fassbender nutzte den Tag des offenen Denkmals, um im Freien Adelssitz Oberrot auf den berühmten Sohn des Dorfes hinzuweisen: Hermann Frasch.

Bei ihm trifft zu, was man von Amerika einst sagte: dass der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär erfolgreich absolviert werden könne. Allerdings begann Hermann Frasch seinen Aufstieg zum „Schwefelkönig von Louisiana“ als Apothekerlehrling. Und eine der Erfindungen des am 25. Dezember 1851 in Oberrot geborenen Chemikers wird noch heute verwendet.

Hermann Frasch wanderte als 17-Jähriger in die USA aus, bildete sich selbst zum Chemiker aus und entwickelte im Lauf seiner Karriere einige Verfahren, die insbesondere die Mitte des 19. Jahrhunderts beginnende Nutzung des Erdöls beschleunigten. Was seinen Ruf als „Schwefelkönig“ begründete, war ein äußerst effektives Verfahren zur Schwefelgewinnung, das bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts eingesetzt wurde. Wohlhabend allerdings wurde er durch das von ihm entwickelte Verfahren zur Raffination von Paraffin-Wachs.

Daraus entstand 1884 das in Paraffinwachs getränkte Papier, das noch heute bei der Verpackung von Milchprodukten zum Einsatz kommt. Der Sohn des Gaildorfer Bürgermeisters starb 1914 in Paris, schenkte aber seiner Heimatstadt Gaildorf 1906 eine Kultur- und Sporthalle, die allerdings im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombenangriff zerstört wurde.

Alle fünf Jahre 250.000 Dollar für die Forschung

Als Frasch starb, hinterließ er seiner zweiten Frau Elisabeth und seiner Tochter Frieda mehr als fünf Millionen Dollar in Aktien und Bargeld. Über den Sohn Georg Perkin berichtete Maria Fassbender lediglich, dass er ein „sensibler, hochintelligenter Mann“ gewesen sei, ruhelos und sich abgesondert habe: „Er hatte während seiner Ausbildung keine Bindung zur Familie und auch zu späterer Zeit keine Kontakte.“ Elisabeth, eine Frau aus einer angesehenen Clevelander Familie, die er zwei Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau Romalda – sie starb im November 1888 – geehelicht hatte, gründete im Todesjahr ihres Mannes eine „Hermann-Frasch-Stiftung“, die bis heute im Fünf-Jahres-Rhythmus jeweils 250.000 Dollar an Universitäten für herausragende Forschungen für Studenten in der Chemie ausschüttet.

Überhaupt spielten die Frauen im Stammbaum der Frasch-Familie eine tragende wie tragische Rolle. Maria Fassbender verfolgte den Stammbau des berühmten Oberroters zurück bis 1711. Damals erwarb der aus Heiningen bei Göppingen stammende Urgroßvater Hermanns in Schorndorf das Bürgerrecht und heiratete Katharina Barbara Krämer. Aus der Ehe ist nur ein Kind bekannt: Johann Friedrich, am 2. April in Schorndorf geborener Großvater von Hermann. Dieser ehelichte 28-jährig Jakobina Rosina Mahle, die im Alter von 33 Jahren bei der Geburt ihres siebten Kindes im Kindbett starb. Nur zwei der Kinder überlebten.

Jakobina Dorothea Sauter war die zweite Frau von Johann Friedrich, mit der er zehn Kinder hatte – darunter zweimal Zwillinge. Von diesen zehn Kindern erreichten nur vier das Erwachsenenalter. Darunter war Georg Johannes, Hermanns Vater, der sich für eine Verwaltungslaufbahn entschied und mit 29 Jahren 1840 die fünf Jahre jüngere Johanna Wilhelmine Majer in Steinenberg bei Schorndorf heiratete. Sie sollte aber nicht die Mutter von Hermann werden. Vier Jahre später zog die Familie, zu der inzwischen zwei kleine Kinder gehörten, nach Oberrot, wo Georg Johannes als Schultheiß, Ratsschreiber und Verwaltungsaktuar seinem Vorgänger Jäger nachfolgte. Der, so berichtete Maria Fassbender, war zuvor nach Amerika geflohen, weil man ihn hier wegen Unterschlagung und Fälschungen am Unterpfandbuch suchte.

Bei der Geburt ihres sechsten Kindes starb Johanna Wilhelmine im Februar 1848. Sie wurde 32 Jahre alt. Georg Johannes heiratete ein zweites Mal. Auch die Mutter von Hermann Frasch, Heinericke Katharina Bauer, stammte aus Steinenberg. Das erste Kind kam 1850 zur Welt, starb aber zwei Tage später. Ein Jahr darauf erblickte Hermann das Licht der Welt, am 13. August 1854 seine Schwester Martha. Im gleichen Jahr zog die Familie nach Gaildorf. Hier war der  Vater des späteren „Schwefelkönigs von Louisiana“ zum Stadtschultheiß ernannt worden.

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