Gaildorfer Kanzleistraße Stadträte wollen Konzept „reifen“ lassen

Es herrscht „normaler“ Verkehr auf der Kanzleistraße in Gaildorf, die am Ende auf eine Spur verengt werden soll. Im Gespräch ist aber auch die komplette Einspurigkeit.
Es herrscht „normaler“ Verkehr auf der Kanzleistraße in Gaildorf, die am Ende auf eine Spur verengt werden soll. Im Gespräch ist aber auch die komplette Einspurigkeit. © Foto: Klaus Michael Oßwald
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 07.12.2018
Offene Fragen zur einspurigen Lösung: Die Debatte im Technischen Ausschuss des Gaildorfer Gemeinderats führt noch nicht zu einem Beschluss in Sachen Kanzleistraße. Weitere Untersuchungen folgen.

Verzwickt ist die Situation in der Gaildorfer Kanzleistraße: Der zwei Fahrspuren kreuzende Fußgängerüberweg, vor mehr als 40 Jahren angelegt, entspricht nicht der momentanen Rechtslage. Das Landratsamt will deshalb, wie berichtet, vor dem Zebrastreifen die Einbahnstraße auf eine Spur verengen lassen. Die Behörde beruft sich auf Informationen der Polizei, wonach dieser Bereich Unfallschwerpunkt sei.

Kritik an Kommunikation

Die behördliche Anordnung sorgte innerhalb der Bevölkerung wie auch im Gemeinderat für Ärger. Nicht allein der angekündigten Maßnahme wegen; denn dass etwas getan werden muss, betonen inzwischen auch Kritiker. Es geht vielmehr um die Art und Weise, wie die Verkehrsbehörde beim Landratsamt das Thema kommuniziert: Einer Bitte der Stadt um ein Gespräch im Gemeinderat ist nicht entsprochen worden.

Darum ging es am Mittwochabend in der Sitzung des Technischen Ausschusses nur am Rande. Vielmehr wollten Stadtverwaltung und Verbandsbauamt darüber informieren, wie die Rechtslage und städtebauliche Belange berücksichtigt werden können.

Verbandsbaumeister Manfred Sonner schickt seinen Erläuterungen voraus, dass ein Überweg über zwei Spuren „schlicht und einfach nicht erlaubt“ sei. Zwei durchgehend einspurige Alternativen stellt er zur Debatte, jeweils in Richtung Süden betrachtet. Variante 1: links des Gehwegs ein Radweg (der an der Einmündung der Schulstraße beginnt), die Parkplätze links der dann 4,30 Meter breiten Fahrbahn belassen. Bauliche Maßnahmen wären nicht nötig, nur Markierungen.

Rückstau befürchtet

Auf einem Vorschlag der Zukunftswerkstatt aus dem Jahr 2015 fußt Variante 2: Die Parkplätze auf Polizeiseite ebenfalls streichen, Radweg anlegen und links neben dem nur 3,50 Meter breiten Fahrstreifen Parkflächen für „Schrägparker“ anlegen. Die Zahl der Parkplätze entspräche nach dem Wegfall auf der rechten Seite dem gegenwärtigen Bestand, wie Heiderose Gölz von der Zukunftswerkstatt erläutert. Die Architektin hatte einen entsprechenden Plan ausgearbeitet.

Als problematisch erachten Sprecher der Ratsfraktionen beide Varianten. Ein- und Ausparken könnten für Rückstaus sorgen. Wie sich das Ganze auf den „Verkehrsabfluss“ auswirke, sei unklar, bemerkt FWV-Fraktionschef Heinrich Reh. Den Vorschlag des Landratsamts, nur die Zweispurigkeit zu verkürzen, bewertet er skeptisch. Dann nämlich versuchten überholende Autofahrer auf noch kürzerer Strecke an anderen Fahrzeugen vorbeizukommen. Zweispurig werde die Straße ohnehin nicht oft befahren.

So sieht es auch CDU-Stadtrat Rainer Baumann. Oft komme es zu Beinahe-Unfällen, etwa wenn Busse von Autos überholt würden. Dass man „etwas machen“ müsse, sehe er „fast ein“. Er plädiert jedoch dafür, die Parkplätze auf der rechten Seite – wo auch das neue Bürgerbüro angesiedelt ist – zu belassen.

Das Schrägparken auf der linken Seite lehnt er ab, weil dann – was Heiderose Gölz anders sieht – kein Platz mehr sei für Lastwagen, die den Drogeriemarkt belieferten. Das, so Baumann, „ist eventuell dann eine Lösung, wenn wir die Umgehungsstraße haben“. Im Moment jedenfalls „sind wir noch nicht reif für eine Gestaltung der Kanzleistraße“. Er bitte inständig darum, jeden Parkplatz dort zu erhalten, denn „wir haben keinen blühenden Einzelhandel mehr in der Stadt“. Baumann bringt spontan eine dritte mögliche Variante ins Spiel: Tempo 30, kein Schrägparken – und dann alles „so lassen wie bisher“.

Ohne Ergebnis

FWV-Stadtrat Frank Stettner sieht es ähnlich: Er rät dazu, „das umzusetzen, was man muss“ – und sich dann gemeinsam mit Bürgern und der Zukunftswerkstatt Gedanken über die Gestaltung zu machen. Denn das Ganze „muss reifen“. Dann aber, wirft Bürgermeister Frank Zimmermann ein, „hätten wir keinen Radweg“. Was SPD-Fraktionschefin Margarete John gar nicht gefällt: Für sie sei der Radweg wichtiger als die Zweistreifigkeit der Straße. Die Planung der Zukunftswerkstatt habe zwar „Charme, aber auch Nachteile“. Sie sehe ein, dass die Vorschläge insgesamt noch nicht ausgereift seien.

Heinrich Reh plädiert dafür, dass das Landratsamt einen Plan vorlegt, „aus dem wir ersehen können, was passiert“. Dann könne die Geschichte weiterentwickelt werden. Auf jeden Fall müsse darauf geachtet werden, dass mit Blick auf die frühere „Germania“ durch entsprechende Maßnahmen nicht ein ganzes Grundstück  vom Straßenverkehr abgehängt werde. Rehs Antrag wird einstimmig angenommen.

Alle Überwege untersuchen

Und schließlich rät er dringend dazu, sämtliche Zebrastreifen in der Innenstadt anzuschauen. Denn die Zweispurigkeit sei auch bei der Post gegeben. Es sei also „schon noch einiges zu tun. Es macht keinen Sinn, jetzt mit Gewalt etwas durchzudrücken.“

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Zukunftswerkstatt: Einspurigkeit würde für Klarheit sorgen

Der Vorschlag – in der Diskussion im Ausschuss Variante 2 – der Zukunftswerkstatt sieht eine einspurige Kanzleistraße vor, rechts nur Gehweg und Radweg, links davon Parkplätze für „Schrägparker“. Laut Gabi Schagemann von der Zukunftswerkstatt würde die Einspurigkeit von Anfang an mehr Klarheit schaffen. Radfahrer wären integriert, die Parkplätze auf der richtigen Seite angelegt. Damit gäbe es weniger kreuzende Fußgänger. Die Anzahl von Parkplätzen ändere sich nicht. Insgesamt, so Schagemann, wäre mit dem Konzept – das die Zukunftswerkstatt bereits 2015 erarbeitet hat – der „Autobahn-Charakter“ der Straße und damit die Hektik herausgenommen. Und der von der Polizei definierte Unfallschwerpunkt würde nicht vom oberen Zebrastreifen auf die Höhe der Einfädel-Situation verlagert.

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