Es wimmelt gerade nicht so in Gaildorf: Die Corona-­Pandemie hat das öffentliche Leben ziemlich ausgedörrt: Veranstaltungen wie Gaildorf chillt, das Floßfest, der Gaildorfer Samstag und das Motocross entfielen oder sind abgesagt, und damit fehlt’s auch an Szenerien und Personen für das erste Gaildorfer Wimmelbuch.
Die Stadtmalerin soll es fertigen: Tina Krehan, in Stuttgart lebende Diplom-Grafikdesignerin und Illustratorin, hat das 20. Stipendium erhalten. Sie wurde bewusst ausgewählt, weil das Atelier im Alten Schloss heuer nicht zur Verfügung steht; ihr genüge zum Arbeiten ein Schreibtisch, sagt sie, und der dürfe gerne auch im Freien stehen.
Wimmelbücher sind eine Spezialität Krehans: Sie zeichnet konkrete Örtlichkeiten, wimmelnd vor Details und Menschen, die sie mit wenigen Strichen erkennbar porträtieren kann. Mögliche Modelle fehlen allerdings gerade im Ortsbild, und weil auch die Veranstaltungen entfallen sind, bei denen die Stadtmalerin Kontakte knüpfen wollte, gibt’s jetzt ein kleines Problem: Wie kann das Wimmelbuch bevölkert werden?
„Am Schluss“, sagt Rathaussprecher Dr. Daniel Kuhn. Auch wenn die Stadtmalerin nicht in der Öffentlichkeit auftreten konnte, sei sie hin und wieder in Gaildorf gewesen und habe sich mit den Örtlichkeiten vertraut gemacht. Die Kulissen, das Stadtbild und mögliche Szenerien sollen nun vorab entstehen, die Menschen werden zuletzt hineingezeichnet. Krehan arbeite jetzt zu Hause, sagt Kuhn, sie werde aber noch im September im Gaildorfer Gemeinderat erscheinen und über ihre Fortschritte berichten.
Bei welchen Gelegenheiten sie ihre Modelle treffen kann, bleibt ungewiss. Fünf Doppelseiten sind vorgesehen, auf denen sich rund 300 Personen tummeln sollen. Kuhn sieht’s gelassen: Das Wimmelbuch müsse ja nicht in diesem Jahr fertiggestellt werden.
Es kann also durchaus sein, dass auch der Pferdemarkt noch Eingang findet. Den letzten, kurz vor Ausbruch der Pandemie, hat Krehan nämlich verpasst: Wegen des Orkans Sabine war ihr Zug gestrichen worden.

Hengstfeld