Demokratie Stadt will mit Jugendlichen weiter im Gespräch bleiben

Cornelia Kaufhold 07.07.2018

Nach gut eineinhalb Sitzungsstunden kommen im Gemeinderat junge Leute zu Wort. „Wir wollen eine Rutsche im Freibad“, sagt der Junge im sonnengelben T-Shirt und lacht in die Kamera. Sein Nebenmann wiederholt diesen Wunsch. Über Monate hinweg hat Dafina Hashani Kinder und Jugendliche in Gaildorf nach ihren Wünschen und Bedürfnissen befragt und den Film gedreht. Die Studentin suchte das Gespräch mit ihnen in Schulen, Vereinen, Jugendgruppen und bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Jugend-Euro-Cup und dem Pferdemarkt. Die Gemeinderäte lauschen aufmerksam.

Hashani studiert an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg Soziale Arbeit, hat das Projekt von Jugendreferentin Pia Dahlinger begleitet und in einem 35-seitigen Referat dokumentiert.

Mobilität großes Thema

Mobilität, längere Öffnungszeiten der Tiefgarage, Treffpunkte und vor allem ein Jugendhaus, das sind jugendrelevante Themen in Gaildorf.  Die Umfrage unter dem Titel „speakers’ box“ ist Bestandteil der Jugendbeteiligung, dem gesetzlich verankerten Recht junger Leute auf Mitsprache bei Entscheidungen, die ihr Leben berühren. „Die Jugendlichen haben super mitgemacht“, berichtet die Studentin. Mobilität sei für sie ein großes Thema. Sie formulieren Verbesserungsvorschläge für den Schulbetrieb und fragen nach Informationen über Ausbildungsstellen und Jobs und darüber „was in Gaildorf geht“.

Mit den vorliegenden Ergebnissen „kann man was anfangen“, findet Pia Dahlinger und berichtet vom Jugendforum. Über 100 Schülerinnen und Schüler, eingeteilt in Themengruppen, entwickeln Ideen, erhalten eine Stimme und sollen dabei gehört und ernst genommen werden, schreibt Dafina Hashani in ihrer Arbeit.

45 Minuten haben Besucher zum Schluss des Forums Zeit, mit den Jugendlichen der Gaildorfer Schulen ins Gespräch zu kommen, darunter Gemeinderäte, Bürgermeister Zimmermann, Referatsleiter und etliche andere Verwaltungsangestellte. „Nach dem Forum waren die Jugendlichen anders positioniert. Sie haben gemerkt, sie werden gehört“, stellt Dietmar Winter fest. „Spannend“ fand beispielsweise Gemeinderätin Margarete John das Jugendforum. Die 45 zur Verfügung stehenden Minuten seien allerdings viel zu kurz gewesen. „Ich konnte nur einen Teil der Flipcharts anschauen.“ Ihrem Ratskollegen Matthias Rebel haben die Gespräche mit den Jugendlichen Spaß gemacht. „Es waren ein paar konkrete, umsetzbare Vorschläge dabei. Wie transportieren wir, wie es umgesetzt wurde und wie kommunizieren wir, dass manche Dinge nicht gehen?“, fragt er. Dietmar Winter regt „eine Art Newsletter“ an.

Zweites Forum im Frühjahr

Nach dem Jugendforum im März bleiben einige Gemeinderäte und Bürgermeister Zimmermann mit Jugendlichen in Kontakt. Pia Dahlinger gibt dem Gremium Einblicke in die Arbeit der verschiedenen Gruppen und kündigt ein zweites Jugendforum im nächsten Frühjahr an. Ihr Resümee: „Es ist schon unglaublich viel passiert.“

In sechs Arbeitsgruppen im Austausch

Forumsgruppe Feste und Partys: Es gab zwei Treffen. Jugendliche wünschen nicht nur Partys, sondern auch Veranstaltungen, die als Gemeinschaftserlebnis das jugendkulturelle Leben der Stadt erweitern.

Forumsgruppe Jugendhaus: Pia Dahlinger erwähnt, dass sie ein geeignetes Gebäude gefunden hat. Der Vermieter sei mit der Nutzung als Jugendhaus einverstanden. Das Projekt ist noch nicht spruchreif.

„Sport, Sportplatz, Skatepark und American Football“: Beim Jugendforum haben mehrere Gruppen Sport als Freizeitaktivität außerhalb des Vereins zum Thema gemacht. Für Freitag, 27. Juli, ist ein Jugendsporttag an den Sportanlagen in Gaildorf geplant. Zudem treffen sich die Arbeitsgruppen Mensa, Nahverkehr, Freibad und Chillplätze. ka

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