Gaildorf Tempo 10, Schleichweg dicht

Was anmutet wie eine nächtliche Mahnwache vor dem Dorfheim in Münster, ist ein konstruktives Gespräch zwischen Gaildorfs Stadtverwaltung und Stadträten des Technischen Ausschusses mit Bürgern über eine Verkehrsentlastung des Ortes.
Was anmutet wie eine nächtliche Mahnwache vor dem Dorfheim in Münster, ist ein konstruktives Gespräch zwischen Gaildorfs Stadtverwaltung und Stadträten des Technischen Ausschusses mit Bürgern über eine Verkehrsentlastung des Ortes. © Foto: Klaus Michael Oßwald
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 09.11.2018
Mit einem Maßnahmenbündel soll die Dorfstraße im Gaildorfer Teilort Münster sicherer werden. Bürger begrüßen das und hoffen auf Entlastung.

Als „Hilferuf“ wollten Christiane Bölhoff, Bernd Wettemann und eine ganze Reihe von Anwohnern der Dorfstraße im Gaildorfer Teilort Münster ihre Initiative verstanden wissen. Dieser Hilferuf, der den Wunsch nach einer spürbaren Verkehrsberuhigung beinhaltet, ist nun gehört worden. Während eines Ortstermins am Mittwochabend verständigten sich Vertreter der Stadtverwaltung und der Technische Ausschuss des Gemeinderats auf ein Maßnahmenbündel, das möglichst rasch die Situation im hinteren Teil der Dorfstraße entschärfen soll.

„Zeigen uns den Stinkefinger“

Zuvor hatten einige Bürger auf Missstände hingewiesen, die für Fußgänger und Radfahrer unerträglich seien. Immer wieder komme es in den Kurvenbereichen ohne Gehwege zu gefährlichen Situationen, auch weil sich viele Autofahrer nicht an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde hielten: „Vor dem Dorfheim wird beschleunigt“ – und wenn Raser auf ihr Tun aufmerksam gemacht würden, „dann zeigen sie uns den Stinkefinger“.

Zudem verschärfe der – nicht erlaubte! – Durchgangsverkehr in Richtung Gaildorf die Lage. Beinahe-Unfälle sorgten immer wieder für Aufregung. Damit solle Schluss sein. Die Bürger, die einen Antrag auf Verkehrsberuhigung nebst Unterschriftenliste der Stadtverwaltung übermittelt und auch in der September-Sitzung des Bezirksbeirats Unterrot auf ihre Sorgen hingewiesen hatten, ließen nicht locker.

Raimund Horbas, Leiter des städtischen Ordnungsamts, erinnerte an einen Vor-Ort-Termin mit der Verkehrspolizei und an vielfältige Überlegungen, wie das Problem gelöst werden könnte. Für eine totale Verkehrsberuhigung an diesem nicht als Unfallschwerpunkt ausgewiesenen Bereich seien umfangreiche bauliche Veränderungen nötig.

Zusätzlichen Verkehr verhindern

Auf der anderen Seite, gab Horbas zu bedenken, werde dadurch nur eine Verkehrssicherheit suggeriert, „die nicht gegeben ist“.

FWV-Fraktionschef Heinrich Reh nannte die 2012 eingeführte Tempo-10-Regelung in der Brunnengasse, die „eine gewisse Wirkung“ gezeigt habe. Vorstellbar wäre eine solche Lösung auch auf der S-Linie der Dorfstraße. Gleichwohl beobachtet er seit geraumer Zeit den Durchgangsverkehr von der Winzenweiler Steige ins Kochertal. Das, so Reh, sei „zusätzlicher Verkehr, der hier nicht hingehört“. Wichtig sei eine Lösung, um das zu unterbinden. So sah es auch Martin Frey (SPD): „Die einzige Lösung: Hier zumachen!“ Zumal ja diese Strecke Kindern auch als Schulweg diene. Und wer dennoch dort fahren müsse, könne einen Schlüssel für die Schranke bekommen.

Allerdings, warnte CDU-Stadtrat Rainer Baumann, dürfe man die Belange der Landwirte nicht ausblenden. Für sie dürften keine Nachteile entstehen. Auch er sprach von Beobachtungen, wonach Autofahrer verstärkt diesen Weg nutzten, „auch Münsteraner“. Sein Rat: Die Situation müsse überwacht werden, und Bürger sollten vor Anzeigen nicht zurückschrecken. Günther Kubin (CDU) mahnte ebenfalls dazu, die Auswirkungen auf Landwirte so gering wie möglich zu halten. Der Durchgang solle geschlossen oder mit einem Hindernis versehen werden – nebst Appell: „Leute, ihr fahrt hier ins Dorf rein!“

Die diskutierte Variante, allein das Tempo auf zehn Stundenkilometer zu drosseln, stieß in den Reihen der Bürger auf wenig Gegenliebe: „Nur das bringt nichts. Wenn du dich daran hältst, dann fährt dir einer hinten drauf.“ Bürgermeister Frank Zimmermann fasste schließlich das sich nun abzeichnende Maßnahmen-Bündel zusammen: Tempo 10 mit Hinweistafeln und Straßenmarkierung, verstärkte Kontrollen und eine Sperrung der Weinhalde.

Beifall für Vorschlag

Zustimmendes Nicken in den Reihen der Bürger. Auf Vorschlag von FWV-Stadtrat Ulrich Stahl soll nun die Sperrung auf Gaildorfer Seite, also am Rand der Hagersiedlung, erfolgen – „dann können die Landwirte fahren, aber die Straße ist zu“. Für Ratsmitglied Baumann „eine gute Idee“. Die nun „so schnell wie möglich umgesetzt wird“, wie Bürgermeister Zimmermann unter Beifall ankündigte.

In Sorge wegen Neubau der Kocherbrücke

Besonders zur Sommerzeit nutzen viele Autofahrer die verbotene Abkürzung zwischen Gaildorf und Münster über die Weinhalde, um ins Freibad auf dem Kieselberg zu gelangen, klagten einige Bürger während des Ortstermins mit Stadtverwaltung und Stadträten am Mittwochabend. Schon jetzt wächst unter ihnen die Sorge, durch den angekündigten Neubau der Kocherbrücke bei Münster nebst Vollsperrung der Bundesstraße 19 könnte sich die Situation im Ort erheblich verschärfen. Verwaltung wie Ausschuss sind sich einig, dass bis dahin auf jeden Fall der Schleichweg gesperrt werden muss. kmo

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel