Gschwend Spurensuche im Reischerwald

Der pensionierte Lehrer Karl-Heinz Wüstner referiert im Heimatmuseum Horlachen.
Der pensionierte Lehrer Karl-Heinz Wüstner referiert im Heimatmuseum Horlachen. © Foto: Wolfgang Pfister
Gschwend / Wolfgang Pfister 04.09.2018
Karl-Heinz Wüstner gibt im Heimatmuseum Horlachen einen Einblick in seine Forschung zu bemalten Möbeln

Karl-Heinz Wüstner aus Ilshofen ist pensionierter Lehrer und hat sich einen ausgezeichneten Ruf als Experte für bemalte Möbel erworben. Am Sonntag war er als Referent im Heimatmuseum Horlachen zu Gast. Die laufende Sonderausstellung beschäftigt sich mit bemalten Möbeln aus dem Schwäbischen Wald.

Wüstner war bei seinen Recherchen auf den Reischerwald im Raum Gschwend und auf eine Schreinerfamilie Stegmayer gestoßen. Der Reischerwald, hatte Heimatvereins-Vorsitzender Eberhard Zimmer herausgefunden, ist das heutige Hohenreusch, ein Teilort von Gschwend. Die Familie Stegmayer und deren Nachkommen verheirateten sich in umliegenden Ortschaften. So tauchte der Name Stegmayer später in Gaildorf und Sulzbach am Kocher auf. Weibliche Familienmitglieder heirateten in Schreinerfamilien namens Wahl, Grau oder Walther. Die Schreinerei Wörner, welche heute in Fichtenberg ansässig ist, hat ihren Ursprung ebenfalls im Hohenreusch und geht auf den „hochfürstlich württembergischen Untertanen“ Johann Peter Wörner zurück, geboren im späten 17. Jahrhundert.

Karl-Heinz Wüstner traf auf zahlreiche interessierte Museumsbesucher, die sich für seine umfangreichen Nachforschungen auf dem Gebiet Möbelmalerei interessierten. Bei diesen Untersuchungen fand er Namen und Wohnorte der einstigen Möbelbesitzer. Daraus konnte er Hinweise ableiten auf diejenige Schreinerfamilie, welche die Schränke und Truhen gefertigt hatte. Jeder Meister hatte seine eigenen, besonderen Motive, die in seinen Möbeln wiederkehrten und so zu seinen Markenzeichen wurden. Typische Motive stellten Blüten, Tulpen, Akanthusblätter, Girlanden oder Granatäpfel dar, teilweise tauchten geometrische Formen wie Dreiecke oder Rauten auf. Die nachfolgende Schreinergeneration übernahm die Motive oftmals und variierte diese auf zeitgenössische Formen und Farben. Die Grundstoffe der Farben waren auf mineralischer oder pflanzlicher Basis, welche mit Kasein oder Leinöl angerührt wurden.

Geschummelt wurde auch

Auch religiöse Motive finden sich in den Malereien. Hier zeigen sich konfessionelle Unterschiede, je nachdem, ob der Auftraggeber katholisch oder evangelisch war. In herrschaftlichen Häusern wurden Möbel aus edleren Hölzern wie Eiche oder Nussbaum gefertigt, dazu kamen kunstvolle Intarsienarbeiten mit Ebenholz oder Elfenbein. Diese Eleganz suchten die Schreinermeister, welche ihre Möbel meist aus Weichholz wie Tanne oder Fichte fertigten, ihren Kunden weiterzugeben und bemalten Teile der Möbel mit Nachbildungen von Marmor oder Wurzelholz. Geschummelt wurde auch, wie Karl-Heinz Wüstner an einem Beispielfoto zeigte. Von den Schubladen, welche links und rechts einer Schranktüre zu sehen waren, waren nur zwei Stück echt, die restlichen aufgemalt.

Wüstner erhielt für seinen spannenden Vortrag kräftigen Applaus und stellte sich anschließend zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Die Sonderausstellung über die Möbel aus dem Schwäbischen Wald ist nochmals an den Sonntagen 7. Oktober und 4. November zu sehen.

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