Fichtenberg / red  Uhr
Helmut Stroh, langjähriger Leiter der Fichtenberger Schule, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Unter seiner Regie wurden neue pädagogische Konzepte erprobt und eingeführt.

Die Schule, die Sie kennen, gibt’s nicht mehr“, hat Helmut Stroh anlässlich eines Pressetermins in der Fichtenberger Grund-, Haupt- und Werkrealschule, die heute eine Grund- und Werkrealschule ist, einmal gesagt. Zwei ehemalige Schülerinnen saßen bei ihm im Rektorenzimmer, sie steckten im Berufsvorbereitungsjahr und erinnerten sich voller Wehmut an ihre Schulzeit unterm Viechberg.

Und unter Helmut Stroh. Mehr als 40 Jahre lang hatte er die Fichtenberger Schule geleitet, als er am 28. Juli 2004 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Tränen flossen, nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern. Der damalige Hausmeister Hermann Schrof fasste zusammen, was alle empfanden: „Helmut Stroh hat Spuren hinterlassen, in den Herzen und in den Köpfen, die niemand verwischen kann!“ Am 27. Oktober ist Helmut Stroh gestorben. Er wurde 76 Jahre alt.

Schulleiter seit 1988

Fichtenberg war sein Lebensmittelpunkt. 1965 war der gebürtige Backnanger, nach seinem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd und einer ersten Stelle in Onolzheim an die Grund- und Hauptschule unterm Viechberg gekommen. Dort lernte er auch seine spätere Frau Monika kennen, die 1967 als Lehrerin nach Fichtenberg kam. Das Paar heiratete am 21. März 1970, die Kinder Ulrike und Steffen machten die Familie komplett.

1978 wurde Stroh zum Konrektor ernannt, 1987 übernahm er die Leitung der Schule, ein Jahr später wurde er offiziell zum Schulleiter ernannt. Monika Stroh wechselte nach Gaildorf, wo sie bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2008 unterrichtete. Sie ging vor ihrem Mann: im Januar 2015 ist Monika Stroh gestorben.

Helmut Stroh war ein freundlicher Mensch und ein nachdrücklicher Verfechter der Hauptschule. Und auch das schulpolitische Hin und Her, das mit der sogenannten Pisa-Studie einsetzte und bis heute anhält, dürfte er bestenfalls befremdlich gefunden haben. Einmal hat er sich in einem Leserbrief Luft gemacht, sich über pauschale Schuldzuweisungen in Richtung der Lehrerschaft erregt und angemaßte Kompetenzen angeprangert.

Auch pauschales Leistungsdenken hat ihm nicht gefallen. Dem Pädagogen Helmut Stroh, der sich stets auf ein motiviertes Kollegium verlassen konnte, ging es weniger darum, abrufbares Wissen in junge Köpfe einzuspeichern, als um Potenziale und Fähigkeiten.

In der Fichtenberg Schule hatte diese Auffassung von Pädagogik auch früh handfeste  Konsequenzen. Schon in den 1980er-Jahren hatte man dort unter dem Motto „Fördern durch Fordern“ neue, eigenständige  Unterrichtsformen erprobt. Die nötigen Spielräume musste man sich selbst gewähren, allerdings haben die Schulbehörden den Fichtenberger Drang zum Anders- und Bessermachen stets unterstützt. 2003 wurde die Fichtenberger Schule zur Erprobungs- und Hospitationsschule des Landkreises im Bereich Hauptschulen ernannt. Man habe sich, erklärte Stroh seinerzeit im Gemeinderat, nicht danach gedrängt.

Den Bildungsplänen weit voraus

Der Satz „Die Schule, die Sie kennen, gibt’s nicht mehr“ fiel in diesem Zusammenhang. Stroh und sein Team waren den geltenden Bildungsplänen weit voraus, wandelten sich von Wissensvermittlern zu Moderatoren und Motivatoren und ließen die Schülerinnen und Schüler selbstverantwortlich agieren.

Die fächerübergreifenden Projektangebote, sagte Stroh seinerzeit, seien die höchste Form des Unterrichts, weil sie Schlüsselqualifikation vermittelten: Methoden- und Problemlösungskompetenz, Selbstständigkeit und Teamfähigkeit.

Folgerichtig legte Helmut Stroh auch großen Wert auf die Verankerung der Schule in ihrem Umfeld. Im März des Jahres 2000 beispielsweise organisierte er gemeinsam mit dem damaligen Handels, Gewerbe- und Selbständigenverein Fichtenberg einen Berufsinformationstag, der mit einer Leistungsschau verbunden war, an der sich 30 Firmen beteiligt hatten. Und bereits zwei Jahre zuvor hatte er zusammen mit dem Musikverein die „Bläserklasse“ ins Leben gerufen, die 2004 den Preis der Fichtenberger Bürgerstiftung erhielt und seitdem zahlreiche junge Fichtenberger zur Musik brachte.

Für die im Jahr 2003 gegründete Stiftung, deren stellvertrender Vorsitzender er war, engagierte sich Helmut Stroh auch im Ruhestand. Unter anderem organisierte er eine viel beachtete Gesprächs- und Vortragsreihe. Auch im LEADER-Programm „Lebensqualität durch Nähe (LQN) wurde er aktiv, setzte sich zusammen mit seiner Frau Monika insbesondere für die Interessen und Belange der älteren Fichtenberger ein. Im Juni 2013 erhielt das Paar den Anerkennungspreis der Bürgerstiftung.

Auch die Schule konnte weiter auf ihn bauen. Das Projekt „Zukunftswerkstatt“, das als Alternative zur nicht genehmigten Ganztagsschule entwickelt wurde, fand in Stroh einen begeisterten Förderer und Organisator. Stroh holte Privatpersonen, Vertreter von Vereinen und örtliche Betriebe ins Boot und schuf quasi im Alleingang ein ganztägiges Angebot. „Wenn der Wind des Wandels weht“, hatte er Jahre zuvor bei einer Podiumsdiskussion gesagt, „bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“.

Info Helmut Stroh wird am morgigen Freitag, 10. November, auf dem Friedhof in Fichtenberg beigesetzt. Die Beisetzung beginnt um 14 Uhr, die Trauerfeier findet im Anschluss in der evangelischen Kirche statt.