Die Gaildorfer Stadtarchivarin  hat in den vergangenen Monaten die Archive nach Spuren der Reformation in der hiesigen Region durchforstet und präsentiert ihre Ergebnisse vor  zahlreichen Hörern im evangelischen Gemeindehaus. Gleich zu Beginn ihres Referats dämpft die Geschichtsexpertin die Erwartungen: „Es ist verdammt lang her. Entsprechend dünn ist die Quellenlage“. Wie die Reformation bei den Menschen angekommen ist, auch darüber lasse sich anhand der Quellen wenig sagen.

Dünne Quellenlage

Dennoch kann Heike Krause einige spannende Fakten präsentieren. Dabei ordnet sie die hiesigen Geschehnisse in den großen geschichtlichen Prozess der Reformation ein. Deutlich wird auch, wie stark die Entwicklungen im Limpurger Land mit denen in der benachbarten Reichsstadt Schwäbisch Hall zusammenhingen, wo Johannes Brenz als Reformator wirkte. Im Herrschaftsgebiet Limpurg-Gaildorf fällt der Beginn der Reformation in die Zeit von Wilhelm III.  und seinen beiden Söhnen.

Dies waren Christoph III., der bei der Teilung der Linie 1557 Gaildorf erhielt sowie Heinrich, der Schmiedelfeld bekam. Ihre Epitaphien in der Gaildorfer Stadtkirche weisen auf eine evangelische Gesinnung hin.

Erasmus, Herr zu Limpurg, verkaufte 1541 die Stammburg an die Reichsstadt Hall und begründete die Linie Limpurg-Obersontheim. Sein Sohn Friedrich war nach eigener Aussage im Geist des Augsburger Bekenntnisses erzogen worden und sei im Verborgenen ein Gönner von Brenz gewesen. Die frühesten Hinweise auf reformatorische Umtriebe im Limpurger Land datieren um das Jahr 1537. In diesem Jahr tauchen in den archivarischen Quellen die ersten Hinweise auf evangelische Pfarrer auf, die von der Obrigkeit eingesetzt wurden.

Eschach war wohl der erste Ort mit einem evangelischen Geistlichen im Limpurger Land. Bis 1537 wirkte dort Johannes Sickinger. Seit wann er in Eschach tätig war und wann er sich der Bewegung der Reformation anschloss, ist unbekannt. Sein Nachfolger Conrad Holtzmann gehörte zunächst der römischen Kirche an, konvertierte wohl aber während seiner Amtszeit zum evangelischen Glauben. Um 1537 wechselte der Geifertshofener Priester Lorenz Reuchlin zum evangelischen Glauben. Ein Jahr später wandte sich der Oberfischacher Priester Jerg Bühler der reformatorischen Bewegung zu und wurde um 1540 der erste evangelische Pfarrer in Gaildorf.

Zugleich mit Gaildorf wird auch Münster reformiert. 1553 forderte Schenk Christoph von Limpurg-Gaildorf den katholischen Pfarrer von Eutendorf, Balthasar Bullinger, auf, die Feiertage nach evangelischer Ordnung einzuhalten. Dieser konnte sich jedoch nicht dazu entschließen, seinen bisherigen Glauben aufzugeben und verließ den Ort. Daraufhin wurde Christoph Sturmkorb als erster evangelischer Pfarrer in Eutendorf eingesetzt.

Im Februar 1544 verlieh Schenk Wilhelm zu Limpurg-Gaildorf dem evangelischen Pfarrer Lenhardt Lutz von Wertingen die Pfarrei zu Bühlerzell. Aus Rücksicht auf einen geplanten Gütertausch mit dem Stift Ellwangen zog ihn Friedrich zu Limpurg-Obersontheim jedoch 1565 aus Bühlerzell ab und versetzte ihn auf die freie Pfarrstelle von Mittelfischach, wo er bis 1579 im Amt war. Nach einem langen Rechtsstreit kam schließlich die Schirmherrschaft über die Bühlerzeller Kirche an Ellwangen, das die Reformation rückgängig machte. 1577 unterzeichnen Heinrich von Limpurg-Gaildorf und Schmiedelfeld und die evangelischen Pfarrer der Herrschaft die sogenannte Konkordienformel, die als Abschluss der lutherischen Konfessionsbildung gilt. Künftig musste nun jeder, der ein kirchliches Amt in dem Herrschaftsbereich übernehmen wollte, diese Formel anerkennen. Friedrich VII. von Limpurg-Obersontheim ließ seine Pfarrer die Konkordienformel erst 1581 unterschreiben und fügte ihr noch ein eigenes Glaubensbekenntnis hinzu.

Eigene Ordnung für Gaildorf

In den 1560er und 1570er Jahren setzten sich die Herren von Limpurg intensiv mit verschiedenen Kirchenordnungen auseinander, die das Leben bis ins Kleinste ordneten. Ein Brief aus dem Jahr 1578 zeigt, dass man sich letztendlich an die Württembergische Kirchenordnung gehalten hat. Um 1610/1611 bekam Gaildorf dann eine eigene Ordnung. Die Einrichtung der Visitation, die jeden einzelnen Ortspfarrer und seine Gemeindeglieder überprüfte, kontrollierte die Umsetzung der Kirchenordnung. Sie war somit ein effektives Werkzeug zur Durchführung der Reformation.

Dr. Heike Krause ist überzeugt: „Der evangelische Glaube ist erst in der zweiten und dritten nachreformatorischen Generation tatsächlich bei der Bevölkerung eines evangelischen Herrschaftsgebietes angekommen.“ Durch Katechismusunterricht im Gottesdienst, in der Kinderlehre und der Schule wurden die neuen Glaubensinhalte in den Kindern fest verankert, während sich die Erwachsenen erst von ihrem bisherigen Glauben trennen mussten. Nicht umsonst bezeichnet die Limpurg-Speckfeldsche Kirchenordnung 1666 die deutschen Schulen als „geistliche Pflanz-Gärten der Kirchen Gottes“.