Gschwend Sicher durch die Teufelskanzel

Die Dorfgemeinschaft Rotenhar hat sich für den Weg durch ihr „Heiligtum“ Teufelskanzel mächtig ins Zeug gelegt. Bernhard Wahl, Hans-Joachim Grau, Thomas Schelb, Alexander Etzel und Manfred Etzel (von links) erledigen die letzten Arbeiten.
Die Dorfgemeinschaft Rotenhar hat sich für den Weg durch ihr „Heiligtum“ Teufelskanzel mächtig ins Zeug gelegt. Bernhard Wahl, Hans-Joachim Grau, Thomas Schelb, Alexander Etzel und Manfred Etzel (von links) erledigen die letzten Arbeiten. © Foto: Richard Färber
Gschwend / Richard Färber 03.09.2018
Das Naturdenkmal bei Rotenhar ist demnächst wieder zugänglich. Die Dorfgemeinschaft Rotenhar hat den Weg in den vergangenen Monaten runderneuert und durch einen Steg ergänzt.

Hier hab’ ich das Rauchen gelernt!“ – Bernhard Wahl, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Rotenhar, klemmt sich zwischen zwei Felsen, grinst und deutet auf eine Vertiefung: „Aschenbecher“. Seine Mitstreiter lachen. Generationen junger Rotenharer haben hier offenbar Unfug getrieben. „Kam ja nie einer her damals“, sagt Hans-Joachim Grau, Wahls Stellvertreter.

Heute kommen viele. Ausflügler schätzen die kleine Seitenschleife am Kultur- und Landschaftspfad Frickenhofer Höhe, die durch die wildromantische Teufelskanzel führt. Die versteckt liegende Felsformation oberhalb von Rotenhar war einst Zuflucht in Kriegszeiten und soll im Mittelalter ein Zeremonienplatz der „Täufer“-Sekte gewesen sein. Heute ist das Naturdenkmal eines der Aushängeschilder im Tourismuskonzept der Gemeinde Gschwend.

Beziehungsweise: sie soll es werden. Seit März sind die Mitglieder der Dorfgemeinschaft damit beschäftigt, den Weg wieder verkehrssicher zu machen. Die Gemeinde hat dafür die Verkehrssicherungspflicht von der Gaildorfer Graf-Pückler-Stiftung übernommen, der das Gelände gehört.

Heute sind sie zu fünft. Neben Wahl und Grau werkeln die Ausschussmitglieder Manfred und Alexander Etzel sowie Thomas Schelb mit. Insgesamt sind es etwa 15 Männer und Frauen, die sich in den letzten Monaten für das Rotenharer „Heiligtum“ ins Zeug gelegt und, Stand letzten Mittwoch, exakt 111 Arbeitsstunden geleistet haben.

Stabile Stufen mit einem            neuen Geländer führen nun von beiden Seiten in die Schlucht. Und vor der eigentlichen Teufelskanzel mit der markant herausgewaschenen Säule legt sich ein neuer Holzsteg in die Kurve – „unser Highlight“, sagt Wahl. Bis zu eineinhalb Meter tief haben sie dafür die Schraubfundamente in den Boden gedreht.

Geplant haben sie gemeinsam, unterstützt wurden sie dabei von dem Garten- und Landschaftsbau-Spezialisten Christoph Roesler, der bei Bau des benachbarten „Weiter Weg“ der Pückler-Stiftung als landschaftsgestalterischer Berater fungierte. „Wir waren uns aber schnell einig“, sagt Wahl, der im Gaildorfer Baubetriebshof arbeitet, als gelernter Zimmermann aber durchaus vorbelastet sein dürfte.

Die Graf-Pückler-Stiftung stellte das benötigte Holz zur Verfügung. Gesägt wurde es im Zimmereibetrieb von Karl Weller in Hundsberg. Alles in allem und die Arbeitszeit der Rotenharer nicht mitgerechnet, dürfte die Sanierung etwa auf 2200 Euro kommen, schätzt Wahl. Die Raiffeisenbank Mutlangen hat bereits 1500 Euro gespendet.

Auch ein Bänkchen wurde aufgestellt. Es steht am „unteren“ Eingang zur Teufelskanzel, sodass auch Ausflügler, die den Einstieg nicht wagen wollen oder die nicht so gut zu Fuß sind, einen Blick               riskieren können – sofern die Aussicht nicht zugewachsen ist. Daneben führt ein überwucherter Albvereinspfad hinunter in Richtung der Kreisstraße nach Sulzbach-Laufen. Jetzt, wo die Teufelskanzel wieder zugänglich ist, könnte der Weg auch wieder gepflegt werden, finden Wahl und seine Mitstreiter.

Demnächst, also noch im September könnte man den Weg wieder freigeben, sagt Wahl. Vorerst aber wartet die Dorfgemeinschaft  darauf, dass auch mal der Bürgermeister vorbeischaut. Und eine kleine Feier fänden sie eigentlich auch angebracht.

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