Vortrag Sein Herz schlägt für den Stundenschlag

Experte Ralf Brix wird von Besuchern wegen einer Armbanduhr um Rat gefragt.
Experte Ralf Brix wird von Besuchern wegen einer Armbanduhr um Rat gefragt. © Foto: Rainer Kollmer
Gschwend / Rainer Kollmer 03.04.2018

Nordöstlich von Köln liegt das Bergische Land. Dort wurden vor 250 Jahren große, repräsentative Uhren gebaut. Ralf Brix sammelt sie heute mit Leidenschaft. Den „Fimmel“ hat er von Großvater Wilhelm. Auch Frau Brix ist auf den Geschmack gekommen. Im Heimatmuseum beantwortet sie kenntnisreich die Fragen der Besucher.

Beim Vortrag im ehemaligen Oberstufenraum des alten Schulhauses findet der begeisterte Hobby-Restaurator den richtigen Tonfall. Er hat schon einmal mühsam zwölf verschiedene Farbschichten auf einer Uhr abgetragen. Erst dann waren die Signatur des Uhrmachers und eine Jahreszahl zu finden. Sein Ausstellungsstück von Johann Heinrich Engmann stammt von 1772. Es sind nur vier Farbschichten gewesen.

Viel Chemisches über Natron, Ammoniak und Abbeizer ist zu hören. Und auch über notwendige Schutzkleidung. Die Insider-Empfehlung, ein „anständiges Uhrenöl“ mit dem Zahnstocher aufzutragen, wird von den etwa 50 Zuhörern interessiert aufgenommen. Der restaurierte und ausgestellte Uhrenkopf von Johann Wilhelm Schlam scheint von 1750 zu stammen. Ralf Brix hat Detektivarbeit leisten müssen. In der Standuhr ist 1791 als Renovierungsdatum eingraviert. Er sucht und findet die Nachweise für das Entstehungsdatum unter den Farbschichten und am Material.

Die runden Zifferblätter geben der Uhr ein Gesicht. Oft ist die Keramik zersprungen. Oder die Eckverzierungen (Spandrels) sind beschädigt. Brix kennt spezialisierte Handwerker, die das alte Erscheinungsbild wieder aufblühen lassen. Auch Bücher gibt es dazu. Oder er legt selbst Hand an und gießt fehlende Ornamentteile aus Zinn.

Am 6. Mai hält Ralf Brix in Horlachen nochmals einen Vortrag. Es geht und die Haus- und Dielenuhr. Brix wohnt gleich um die Ecke. Sein Herz schlägt für die Uhren. Jede Stunde sind auf den Uhrenköpfen die kraftvollen Glockenschläge im Museum zu hören.

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