Von der Klassik bis zur Moderne reichte die Bandbreite des facettenreichen Programms beim Gala-Abschlusskonzert der 16. Internationalen Klavierakademie. Es wurde zur Sternstunde der Klaviermusik mit ausgezeichneten Interpretationen. Drei der Pianisten stammen aus Japan, zwei aus Südkorea und eine aus den USA.

Alle präsentierten die bereits in verschiedenen Teilnehmerkonzerten vorgestellten Werke auf höchstem technischen und musikalischen Niveau. Voller Hingabe und Spielfreude brachten die Interpreten Stimmungen und Empfindungen, die verschiedenartige Melodik, Harmonik und Rhythmik zur Entfaltung und arbeiteten jedes Kompositionsdetail mit größter Sorgfalt heraus.

Mit großem Fingerspitzengefühl gestaltete Takehiro Sado Ludwig van Beethovens kontrastreiche sechs Bagatellen opus 126. Souverän brachte der Japaner das attraktive Wechselspiel zwischen liedhaften, beschwingten Melodien und schnellen, teils aufbrausenden Akkordkaskaden zur Geltung.

Saki Kubota spielt zwei ganz verschiedene Werke

Sados Landsfrau Saki Kubota gelang mit sensiblem, anmutigem Anschlag das Kunststück, zwei völlig unterschiedliche Werke gleich aussagekräftig und klangfarbenreich darzustellen. Spielerisch leicht glitten ihre Hände über die Tasten und machten aus Joseph Haydns komplexen Variationen f-Moll (Sonate) Hoboken-Verzeichnis XVII:6 einen anmutigen Reigen aus verschiedenen melodischen Figurationen. Temperamentvoll kombinierte die Künstlerin traditionelle spanische Melodik und Flamenco-Rhythmen mit modernen, dissonanten Klangspielen zu einer nuancenreichen Impression des Roma-Viertels El Albaicín in Granada von Isaac Albeniz aus dessen Sammlung „Iberia“.

Wie glitzernde Lichtreflexe ließ Albertina Eunju Song die verspielten Verzierungen und gebrochenen Akkorde erklingen in Frédéric Chopins Andante Spianato et Grande Polonaise Brillante Opus 22. Mit schwungvoller, rhythmischer Darbietung erzeugte die südkoreanische Pianistin die Illusion eines festlichen höfischen Tanzvergnügens.

Mit hohem Einfühlungsvermögen bot Songs Landsfrau Junga Bhang Franz Liszts „Valée d’Obermann“ aus der Sammlung „Pilgerjahre“ dar. Dazu inspirierte Liszt der Briefroman „Oberman“ des französischen Schriftstellers Etienne-Pivert de Senancourt, in dem ein junger Mann seine Gefühle beschreibt. Einprägsam brachte Bhang diese verschiedenen Emotionen mit empfindsamen, expressiven und zärtlichen Passagen, aber auch dramatisch wirkenden, heftigen musikalischen Gefühlsausbrüchen zur Entfaltung und meisterte kraftvoll die mächtigen Klangkaskaden.

Mit Verve spielte Hinako Inoue eine hochvirtuose, expressive moderne Tonschöpfung: Sergej Prokofjews „Sarkasmen“ opus 17 aus fünf Stücken. Die 19-jährige Japanerin brannte ein Feuerwerk ab aus mehrtonalen Elementen, gewagter Harmonik, scharfen Dissonanzen und neuartigen Akkordkombinationen, bohrender Rhythmik und wilder Motorik, aber auch Momenten herber Lyrik und leiser Resignation sowie Scherzo-artigen, ironischen Phrasen.

Den krönenden Abschluss bildete Franz Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 2, impulsiv und voller Schwung vorgetragen von der 16-jährigen Amerikanerin Umi Garrett. Flugs verwandelte sie anfangs schwermütig wirkende Melodieelemente in feurige, immer schnellere Csárdás-Rhythmen voller Lebensfreude und heiter verspielte Phrasen in atemberaubendem Tempo.

Die Entscheidung über den Preis fällt schwer

Mit Bravo-Rufen und tosendem Beifall dankte die große Zuhörerschar in der vollbesetzten Festhalle allen Mitwirkenden. „Gemeinsam haben wir entschieden, wer im Galakonzert auftritt“, erklärte Professor Felix Gottlieb auf Nachfrage. Ausschlaggebend dafür seien die überzeugendsten Darbietungen in den Teilnehmerkonzerten gewesen, aber auch die engagierteste Arbeit im Unterricht, indem die Hinweise der Dozenten Pascal Devoyon, John Perry und von ihm selbst sofort richtig umgesetzt wurden, verdeutlichte der Gründer und Vorsitzende der Klavierakademie.

„Es war erste Sahne, was die Pianisten erarbeitet und vorgetragen haben“, brachte Bürgermeister Armin Mößner das eindrucksvolle Hörerlebnis treffend auf den Punkt. Die Klavierakademie sei nun Publikumsmagnet für Klaviermusikfreunde aus der gesamten Region und genieße bei Pianisten aus aller Welt einen hervorragenden Ruf.

„Eigentlich müsste man allen den Publikumspreis zuerkennen, aber eine oder einer soll siegen“, betonte Uwe Matti. Darum empfahl der Geschäftsführer der Klavierakademie den Zuhörern, dem- oder derjenigen die Stimme zu geben, der oder die am meisten überzeugt und den besten Gesamteindruck gemacht habe. Die Wahl des Lieblingspianisten fiel vielen schwer, doch letztlich siegte Umi Garrett. Mit ihrem mitreißenden, vor Spielfreude sprühenden Beitrag hatte sie die Herzen der Zuhörer erobert. Felix Gottlieb überreichte der außergewöhnlich begabten Jungpianistin den mit 250 Euro dotierten Publikumspreis.