Idyllisch liegt das Becken an diesem Montagabend in der Spätsommersonne. Nur ein paar Schwimmer sind noch da, in wenigen Minuten wird für den allgemeinen Publikumsverkehr geschlossen. Es ist das Jahr der Corona-Pandemie, und das hat auch im Gaildorfer Mineralfreibad zur Folge, dass der Zutritt beschränkt wird, um nicht zu viele Gäste gleichzeitig im Bad zu haben.
In fünf Tagen endet jedoch auch auf dem Kieselberg die Badesaison. Das hat weniger mit dem Virus als mit dem Wetter zu tun, schließlich ist es Herbst, die Temperaturen fallen nachts bereits deutlich in den einstelligen Bereich. Deutlich im fünfstelligen Bereich liegt hingegen die Besucherzahl in diesem außergewöhnlichen Jahr, worüber man sich nicht nur im Gaildorfer Rathaus freut: Rund 21.000 Badegäste waren da, seit das Freibad Mitte Juni geöffnet hat.
Die Zahl trägt zur positiven Gesamtbilanz bei, die Rathaussprecher Daniel Kuhn zieht: „Das Ticketsystem hat vom ersten Tag an funktioniert“, erklärt er. „Mittlerweile konnten wir die Anforderungen an die Corona-Verordnung und die Wünsche der Buchenden in Einklang bringen. Auch ein kurzfristiger Eintritt war bei freier Platzkapazität möglich und auch eine Lösung für solche Fälle, die über keinen Internetzugang beziehungsweise Onlinebanking verfügen, hat die Stadtverwaltung kurzfristig eingerichtet.“ Insgesamt seien „die Erfahrungen mit dem System also positiv“.
Schwimmen Schwäbisch Hall Freibad schließt am 13. September

Schwäbisch Hall

Online und offline

Worauf Kuhn anspielt: Die Online-Buchung der Tickets, die im Corona-Jahr den regulären Verkauf an der Freibadkasse ersetzte, sorgte anfänglich vor allem bei den nicht Internet-affinen Badegästen für Kopfzerbrechen. Wer keinen Onlinebanking-Zugang hatte, schaute anfangs in die Röhre. Nach kurzer Zeit war aber ein Lastschriftverfahren und für Ausnahmefälle sogar eine telefonische Bestellmöglichkeit eingerichtet.
Andere Gemeinden hatten in diesem Jahr entschieden, wegen der Pandemie ihre Bäder erst gar nicht zu öffnen – zu hoch der Verwaltungsaufwand, zu gering der mögliche Ertrag. Hat sich die Öffnung in Gaildorf also auch finanziell gelohnt? „Das ist eine Frage der Perspektive“, sagt Kuhn. „Das Freibad bot gerade an heißen Tagen trotz Corona-Pandemie der Gaildorfer Bevölkerung ein attraktives Freizeitangebot, ohne Sorge um die Gesundheit haben zu müssen.“
Dass unter den Bedingungen der Corona-Pandemie „kein wirtschaftlich zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen war“, sei allerdings „bereits bei der Entscheidung zur Öffnung durch den Gemeinderat bekannt gewesen“ und habe sich nun auch so bestätigt. „Mir war es wichtig, dass das Freibad für die Gaildorfer öffnet und einen sicheren Erholungsort für die geplagte Bevölkerung bietet“, erklärt Bürgermeister Frank Zimmermann. „In der Rückschau würden wir es wieder so machen.“
In der kalten Jahreszeit stehen nun Sanierungen im Freibad an. Es sind sowohl Arbeiten im Beckenbereich als auch am Rohrleitungssystem geplant. Weitere Arbeiten werden gerade mit den verantwortlichen Planern besprochen und abschließend im Gemeinderat vorgestellt. Was dann noch bleibt, ist die Hoffnung auf eine normale, virenfreie Badesaison 2021.