Rems-Murr-Kreis Schwer in Ordnung statt behindert

Roland Noller, Behindertenbeauftragter des Rems-Murr-Kreises, und Stefanie Böhm vom Dezernat Soziales, Jugend, Gesundheit und Bildung überreichen der Klasse B7 neue Ausweishüllen.
Roland Noller, Behindertenbeauftragter des Rems-Murr-Kreises, und Stefanie Böhm vom Dezernat Soziales, Jugend, Gesundheit und Bildung überreichen der Klasse B7 neue Ausweishüllen. © Foto: Diakonie Stetten
Rems-Murr-Kreis / Steffen Kienzle 20.07.2018
Schüler der Theodor-Dierlamm-Schule der Diakonie Stetten in Kernen fühlen sich als Behinderte stigmatisiert. Ihr Ausweis bekommt die Hülle mit einer neuen Aufschrift.

Wir wollen nicht als schwerbehindert gelten, wir sind nämlich ‚schwer in Ordnung‘. ‚Behindert‘ ist für uns ein Schimpfwort“: Das war die Kernbotschaft der Schüler der Klasse B7 aus Stetten, die sich in einem Brief an das Landratsamt und Roland Noller, den Behindertenbeauftragten des Rems-Murr-Kreises, wandten. Die Klasse wird in der Theodor-Dierlamm-Schule unterrichtet. Diese ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit den Förderschwerpunkten geistige, körperliche sowie motorische Entwicklung und gehört zur Diakonie Stetten.

 Die Schüler haben von der 14-jährigen Hanna aus Pinneberg mit Downsyndrom gehört. Ihr gefiel der Begriff „Schwerbehindertenausweis“ nicht. Sie erreichte, dass ihr Ausweis in eine Hülle mit der Aufschrift „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ gesteckt wird. Genau das möchte die Klasse B7 jetzt auch. Roland Noller hat dieses Schreiben gleich in doppelter Weise beeindruckt: „Die Schülerinnen und Schüler mit kognitiven Einschränkungen haben nicht nur formuliert, dass sie nicht damit einverstanden sind, wie mit ihnen umgegangen wird. Sie haben auch noch direkt Initiative ergriffen, um etwas zu verändern.“ Er findet es bemerkenswert, dass junge Menschen, auch wenn sie Einschränkungen haben, auf sich aufmerksam machen und sich für ihre Anliegen einsetzen. Die Kreisverwaltung hat die Anregung aufgenommen. „Die Schwer-in-Ordnung-Ausweise gibt es bei uns künftig für alle, die das wollen“, so Landrat Dr. Richard Sigel.

Roland Noller überreichte den Schülern mit Stefanie Böhm vom Dezernat Soziales, Jugend, Gesundheit und Bildung die neuen Ausweishüllen. Das Kreissozialamt in Backnang übergibt allen Kindern und Jugendlichen, die einen neuen Schwerbehindertenausweis erhalten, die „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“-Hüllen. Die Hüllen können beim Kreissozialamt unter 07151/ 5011322 oder per E-Mail an soziales@rems-murr-kreis.de bestellt werden.

Ausweis-Idee findet Nachahmer

Auf Initiative der Schülerinnen und Schüler der Theodor-Dierlamm-Schule in Stetten: Im Herbst des vergangenen Jahres hat die 14-jährige Hanna aus Pinneberg bei Hamburg mit ihrem Wunsch nach einem „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ auf sich aufmerksam gemacht. Sie hat dafür auf breiter Ebene großes Lob und Anerkennung geerntet. Neben dem Rems-Murr-Kreis haben unter anderem auch das Bundesland Rheinland-Pfalz und die Stadt Hamburg die Hüllen mit der Aufschrift „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ hergestellt. sk

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