Was verbindet  Banker in Frankfurt mit Neuntklässlern in Fichtenberg?  Sie haben bei  Torsten Lewerenz die ersten Kniffe fürs Obst- und Gemüseschnitzen gelernt. Nach zwei Unterrichtsstunden stehen gelbe Schweinchen und rot-beige Schwänchen auf den Tischen, die allerliebst anzusehen sind. Richtige Schnitzkunst ist das, was entsteht, wenn der preisgekrönte Obst- und Gemüseschnitzer selbst zum Messer greift.  Seine schönsten Werke  finden sich in zwei Büchern, die im Handel erhältlich sind. Doch diesmal beschränkt er sich darauf, als Lehrkraft  vor einer Schulklasse zu stehen, während Lehrerin Iris Seehuber nur eine Nebenrolle spielt. Er hat zum zweiten Mal an der Grund- und Werkrealschule Fichtenberg einen Gastauftritt. Das hängt damit zusammen, dass vor drei Jahren seine Schwester Sabrina die 9. Klasse besuchte und diesmal seine jüngere Schwester Melanie vor ihm sitzt. Sie koche gern, sagt sie, habe im Kochen eine Eins und wolle beruflich auch mal in diese Richtung gehen.

„Das ist vom Winkel her sehr gut geschnitten“, lobt Torsten Lewerenz eine fleißig schnitzende Schülerin.  Das gäbe dann vielleicht die Note Zwei. Denn wären die Flügel länger, wäre es noch besser.  „Spitze nach innen stecken, die Symmetrie ist entscheidend.“ Solche Sätze klingen tatsächlich nach richtigem Schulunterricht, doch zwischendurch lässt der Herr Lehrer auch ein paar lockere Sprüche ab.  Am Schluss honoriert er den Einsatz aller: „Ihr habt das echt super gemacht. Da könnt ihr stolz darauf sein.“

Vor einigen Jahren errang Lewerenz  auf der Hoga, der Fachmesse für das Hotel- und Gaststättengewerbe, die Silbermedaille für Obst- und Gemüseschnitzerei.  Auch anderweitig heimste er Preise und Urkunden ein, und selbst vom zweifachen Weltmeister Xiang Wang aus China erhielt er den Ritterschlag.  Blumenkunst im Kürbis, Schiffe aus Gurken, Mäuschen aus Radieschen – damit hat er Restaurantgäste  auf der ganzen Welt beglückt.

Große Äpfel, makellose Zitronen, Nelken für Augen und Nase, Zahnstocher, eine Unterlage und ein Messer – mehr braucht man für diese Art von Mini-Kunstwerk nicht. Und das Beste daran ist, dass man zwischendurch auch mal ein Stückchen vom Schwan, pardon: vom Apfel in den Mund schieben  kann.  So wird aus zwei Schulstunden Werkunterricht eine rundum interessante, lustige und sogar schmackhafte Sache.

Klassensprecher Andi bedankt sich im Namen der  Gruppe. Er habe viel gelernt, schmunzelt er, aber er esse die Äpfel dann doch lieber so. Auch Torsten Lewerenz hatte sichtlich Spaß am Unterricht. Momentan, auch des Familiennachwuchses wegen, hat er die Schnitzkunst ein wenig zurückgefahren und konzentriert sich auf seinen Job als Küchenchef bei der Dekabank.