Sicherheit Schrecksekunde für Radlerin: Plötzlich geht die Schranke zu

Die Teilnehmer der Radtour stehen auf dem Radweg beim Mahlewerk in Gaildorf. Am Werksgelände endet der Radweg.
Die Teilnehmer der Radtour stehen auf dem Radweg beim Mahlewerk in Gaildorf. Am Werksgelände endet der Radweg. © Foto: privat
Gaildorf / Cornelia Kaufhold 09.04.2018

Friedrich Zahn hat sich einen großen Eisbecher genehmigt und löffelt genüsslich die Sahne. Zweieinhalb Stunden ist er mit der achtköpfigen Gruppe in Gaildorf und südlichen Teilorten unterwegs gewesen. Jetzt sitzen sie im Eiscafé. Zusammen mit Gabi Schagemann von der Zukunftswerkstatt hat Zahn zu dieser Tour eingeladen. Von den 22 Gemeinderäten sind Margarete John von der SPD-Fraktion und Bernhard Geißler von der Offenen Liste mitgeradelt. Die Verwaltung ist gar nicht vertreten, was Friedrich Zahn bedauert.

Unnötige Bordsteinkanten

„Wir wollen für die Situation der Radfahrer sensibilisieren“, erklärt Gabi Schagemann die Intention der Tour. Zu neunt startet die Gruppe am Samstagnachmittag am Hallengelände, nimmt den Weg durch die Stadt in Richtung Unterrot. An der Zapfsäule, wo am frühen Morgen des 25. Oktober 2016 eine 46-jährige Radfahrerin von einem Sattelschlepper überrollt wurde, erspähen die Radler ein Hinweisschild mit dem Drahtesel in luftiger Höhe von geschätzten drei Metern. „Das sieht ein Trucker, aber nicht der Porschefahrer“, bemerkt die SPD-
Stadträtin John. Auf der Straße vermisst der Tross eine Markierung, die auf beidseitig querende Radler hinweist. „Das wäre eine so kleine Mühe“, bemerkt Roland Sieber vom ADFC Gaildorf.

Er lenkt das Tandem. Auf dem hinteren Sattel sitzt Adelheid Traub und strampelt mit. Die blinde Frau ist eine leidenschaftliche Radfahrerin. Sie lauscht dem Gespräch der Mitfahrer über den neu angelegten Fahrradübergang bei der Bushaltestelle an der Bundesstraße 298 in Richtung Unterrot. „Er ist leider nur in Richtung Gaildorf gut und sicher befahrbar. Ein Schwenk aus Richtung Unterrot ist schwierig“, sagt Friedrich Zahn und deutet auf den Boden. Im Erdreich sind Spuren neben dem vorgesehenen Weg zu sehen. „Man hätte die zwei Meter ebenfalls asphaltieren können“, meint Margarete John.

 Sieber hat an vielen Stellen Probleme, mit dem Tandem durchzufahren. „Alle rechtwinkligen Absperrungen sind ein Hindernis“, stellt er fest, steigt ab und schiebt das Gefährt. Das gleiche Problem haben Radler, die mit Anhänger unterwegs sind. Auf dem Rückweg über Bröckingen steigen die neun Männer und Frauen auf der Kocherbrücke ebenfalls ab. „Hier hätte längst eine Markierung auf der Fahrbahn angebracht werden müssen“, so Zahn.

Radweg endet im Nichts

Zuvor sind sie über die Bordsteinkante des Verteilers in der Einfahrt zum Gewerbegebiet Münster geschanzt. „Auch auf diese Kante hätte man gut verzichten können“, sagt Gabi Schagemann und fragt sich, warum der ADFC bei Straßenbausachen nicht angehört werden kann. Auf diese Weise könne die Stadt Geld und unnötige Arbeit sparen. An vielen Stellen, so auch bei der Firma Mahle, ist der Fahrradweg zu Ende und der Fahrradfahrer muss sich in den normalen Verkehr einfädeln. Hilfreich und sicherer wäre ab dieser Stelle ein Fahrradschutzstreifen, eine gestrichelte Linie auf der Straße, resümiert Zahn.

Zweite Tour geplant

Eine Schrecksekunde erlebt die Gruppe, als sie über den Aldi-Parkplatz zur Hirschstraße runterfährt. Die Schranke am Ende des Weges hebt sich automatisch. Die Radler passieren. Plötzlich senkt sich die Schranke. Eine Radlerin zieht ihren Kopf ein, tritt in die Pedale. Die Schranke hat sie nur leicht gestreift. Ihr sitzt allerdings der Schreck in den Knochen. Während sich die Radler in der Eisdiele anschließend entspannen und ihre Eisbecher genießen, sieht man an diesem Samstagnachmittag sehr viele Radler durch Gaildorf fahren. Die meisten sind auf den Gehwegen unterwegs.