Limpurger Land Schließung der Werkrealschule „denkbar“

Der Eingangsbereich der Fichtenberger Grund- und Werkrealschule. Hier werden Siebt- bis Neuntklässler aus Fichtenberg und Oberrot unterrichtet, Oberrot übernimmt die Fünft- und Sechstklässler. Die Schulkooperation besteht seit den 1970-er Jahren.
Der Eingangsbereich der Fichtenberger Grund- und Werkrealschule. Hier werden Siebt- bis Neuntklässler aus Fichtenberg und Oberrot unterrichtet, Oberrot übernimmt die Fünft- und Sechstklässler. Die Schulkooperation besteht seit den 1970-er Jahren. © Foto: Richard Färber
Limpurger Land / Richard Färber 10.08.2018
Ein Satz in der Gaildorfer Schulentwicklungsplanung sorgt für Irritationen. Und der Autor ärgert sich: Er habe einen Eindruck für eine Tatsache genommen und nicht hinterfragt.

Blüht der gemeinsamen Werkrealschule der Gemeinden Oberrot und Fichtenberg das gleiche Schicksal wie der Heinrich-Prescher-Schule im benachbarten Gschwend? Die wird zwar noch als „Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule“ geführt, wird aber ab dem Jahr 2020 nur noch eine Grundschule sein. Die Ursache: Schülermangel. Die meisten Eltern zogen und ziehen es vor, ihre Kinder gleich nach Gaildorf oder Mutlangen zu schicken.

Eine ähnliche Entwicklung  sieht die Schulentwicklungplanung der Stadt Gaildorf für die Rottal-Werkrealschule vor, zumindest die gedruckte Version. Sie wurde im Juni dem Gemeinderat vorgelegt und in ihr findet sich der vor allem die Rottäler irritierende Satz: „Beobachtet werden muss auch die vorgesehene Schließung der WRS Oberrot/Fichtenberg, was zu einer Stabilisierung (der Werkrealschule) in Gaildorf beitragen könnte …“  „Das hör ich zum ersten Mal“, sagte der Fichtenberger Bürgermeister Roland Miola, als er um eine Stellungnahme gebeten wurde.

Herrschaftswissen?

Die Formulierung „vorgesehene Schließung“ riecht ein wenig nach Herrschaftswissen: Als hätten die Autoren der Schulentwicklungsplanung Zugriff auf Beschlüsse und Informationen, die den betroffenen Gemeinden bisher vorenthalten wurden. Allerdings: „Eine solche Quelle gibt es nicht“, sagt Jürgen Mühlbacher von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH, die die Schulentwicklungsplanung erstellt hat. Er habe den Eindruck, die beiden Rottalgemeinden müssten in absehbarer Zeit auf den Werkrealschulzug verzichten, bei Gesprächen mit der Stadtverwaltung gewonnen und nicht hinterfragt. „Denkbare“ Schließung, sagt Mühlbacher, wäre wohl die korrekte Formulierung gewesen: „Ich ärgere mich selber darüber.“

Auch die Gaildorfer Stadtverwaltung will das Verhältnis zu den Nachbargemeinden nicht unnötig strapazieren: „Die Stadt Gaildorf freut sich über jeden Schulstandort im Limpurger Land, gerade die Werkrealschulen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Schullandschaft“, schreibt Pressesprecher Dr. Daniel Kuhn in einer Stellungnahme. „Gleichwohl  steht diese Schulform in starker Konkurrenz zu Realschule und Gymnasium. Insofern hoffen und wünschen wir den Schulstandorten Fichtenberg und Oberrot für die Zukunft steigende Schülerzahlen. Gleichzeitig verfügt die Stadt Gaildorf über Kapazitäten im Bereich der Werkrealschule, um einen etwaigen Zuzug aus der Region meistern zu können.“

Zurück nach Fichtenberg

Die Existenz der Rottäler Werkrealschule, die von den Gemeinden Fichtenberg und Oberrot  im Verbund betrieben wird, macht sich in den Schülerzahlen, die in der Gaildorfer Schulentwicklungsplanung genannt werden, durchaus bemerkbar. Während im Schenk-­von-Limpurg-Gymnasium 98 von 484 und in der Schlossrealschule 101 von 626 Schülerinnen und Schülern aus den beiden Rottalgemeinden kommen, sind es in der Werkrealschule gerade mal 18 von 266.

Der Eindruck, den Mühlbacher gewonnen hat, kommt freilich auch nicht von ungefähr. Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der Rottäler Werkrealschule liegen zwar noch nicht vor, zur Einrichtung einer zehnten Klasse für den Realschulabschluss aber hat es bisher nicht gereicht – obwohl auch immer wieder Rottaler Schüler, die nach Gaildorf gewechselt waren, an die Schule unterm Viechberg zurückkehren, wo die siebte bis neunte Klassen unterrichtet wird.

Die Option, für den mittleren Bildungsabschluss nach Gaildorf zu wechseln, werde allerdings selten gezogen, berichtete der Fichtenberger Schulleiter Andreas Haller im vergangenen November im Gemeinderat. Die meisten zögen den Wechsel zur zweijährigen Berufsfachschule oder in eine Ausbildung vor.

Schülerzahlen steigen

Allerdings deutet sich auch eine mögliche Trendumkehr an. Nachdem die Schülerzahlen in den letzten Jahren stetig gesunken waren, gab’s im letzten Jahr mit 25 Grundschulanmeldungen einen „Knick nach oben“, was nicht zuletzt auch auf die Entwicklung der örtlichen Baugebiete zurückzuführen ist. Ob auch die Werkrealschule von diesem Trend profitieren wird, steht allerdings in den Sternen.

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