Es ist ein weiterer Schritt zurück zur Normalität an den Schulen in Baden-Württemberg: Nachdem wegen der Ausbreitung des Coronavirus sämtliche Bildungseinrichtungen für mehrere Wochen geschlossen worden waren und zuletzt lediglich Abschlussklassen sowie Schüler am Übergang in eine weiterführende Schule zurückkehren konnten, soll nun allen Schülern eine schrittweise Rückkehr ermöglicht werden.

Doch weiterhin ist Abstand halten das Gebot der Stunde. Die in der Landesverordnung formulierten Vorgaben gelten auch an den Bildungseinrichtungen. Das bedeutet: Unterrichtszeiten und Pausen müssen gestaffelt werden. Und zumeist können nicht alle Schüler gleichzeitig im Gebäude sein, wie es vor Corona üblich war. Diese Vorgaben werfen eine Menge organisatorischer Fragen auf, auch am Gaildorfer Schenk-von-Limpurg-Gymnasium. Dort hat das Schulleitungsteam in den vergangenen Wochen ein Unterrichtskonzept für die Zeit nach den Pfingstferien erarbeitet. Es soll zum einen dem Infektionsschutz Rechnung tragen, zum anderen möglichst vielen Schülern Präsenzunterricht, also eine Anbindung an die Schule, ermöglichen.
Im Kern sieht das Konzept vor, dass sämtliche Klassen der Stufen 5 bis 10 – die 8b bildet eine Ausnahme – in zwei Gruppen aufgeteilt werden. Während Gruppe A montags bis mittwochs Unterricht hat, ist Gruppe B zu Hause und hat Fernunterricht, wie er sich in den vergangenen Wochen etabliert hat. Donnerstags und freitags tauschen beide Gruppen. In der Folgewoche ist es genau andersherum. Dieses Schema wird zunächst für die Klassenstufen 5 bis 8, ab der dritten Woche nach den Pfingstferien auch für die Klassen 9 und 10 angewandt.

Landkreis Schwäbisch Hall

Vier von sechs Wochen

So haben innerhalb der nächsten sechs Wochen sämtliche Schülerinnen und Schüler in Summe vier Wochen Präsenzunterricht und zwei Wochen Homeschooling. Dabei sind inzwischen die Möglichkeiten geschaffen, den Unterricht per Videokonferenz nach Hause zu übertragen. Der Unterrichtsschwerpunkt soll nach den Pfingstferien auf den Hauptfächern liegen, je nach Ressourcen ergänzt um Inhalte aus den Nebenfächern. Einzelne Kinder, die mit dem Fernlernangebot nicht klarkommen oder bei denen es zu Hause anderweitige Probleme gibt, können in dem Modell beiden Gruppen zugeordnet werden, sind also permanent an der Schule.

Die Kursstufen I und II, also die Klassen 11 und 12, sind mit Blick aufs Abitur bereits seit längerem wieder an der Schule präsent. Drei Abiturienten haben von dem Angebot Gebrauch gemacht, die schriftlichen Prüfungen zum Nachtermin abzulegen. Parallel starten die Vorbereitungen zu den mündlichen Prüfungen Ende Juli, dem letzten Baustein fürs Abitur.
All diese Termine, Einschränkungen und Abfolgen so zu verwalten, dass am Ende niemand auf der Strecke bleibt, ist eine große Aufgabe, erklärt Schulleiterin Angela Rücker. „Hinzu kommt, dass auch nicht alle Lehrer an der Schule im Dienst sind, da manche einer Corona-Risikogruppe angehören.“ Manche Lehrer sind außerdem für Korrekturen der Prüfungsarbeiten gebunden. Und die Vorbereitungen fürs nächste Schuljahr sind auch bereits angelaufen.
Das Gymnasium sieht sich also mit mannigfaltigen Herausforderungen konfrontiert. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Digitalisierung. Sie ermöglicht Lehrern und Schülern, miteinander in Verbindung zu bleiben – „eine notwendige Komponente unseres Unterrichts in der Corona-Zeit“, so Rücker. Schon früh habe man den Familien das Angebot gemacht, bei Bedarf einen Laptop von der Schule ausleihen zu können. Etwa zehn Familien haben davon Gebrauch gemacht, berichtet die Schulleiterin. Den ohnehin geplanten „Untis“-Messenger habe man sehr schnell eingeführt. Er ermöglicht die direkte und datenschutzkonforme Kommunikation mit den Schülern. „Außerdem haben wir eine Schul-Cloud eingerichtet, auf der alle Dokumente eingestellt werden können“, berichtet Angela Rücker. Und W-LAN sei inzwischen im Schulgebäude flächendeckend vorhanden. Das ermöglicht die Videokonferenzen direkt aus dem Unterricht und das Arbeiten mit Apps.

Gaildorf

50 Tablets fürs Kollegium

Für jeden Lehrer hat die Schule aus ihrem eigenen Etat ein Dienst-Tablet angeschafft. „Bei 50 Geräten kommt eine stattliche Summe zusammen, die wir zwar an anderer Stelle einsparen müssen, die aber in jedem Fall sinnvoll investiert ist“, sagt die Schulleiterin. „Inzwischen haben wir uns um das Zertifikat ,Digitale Schule’ beworben und ich denke, unsere Chancen stehen nicht schlecht!“

Fürs kommende Schuljahr gibt es für die neuen fünften Klassen 74 Anmeldungen. „Das ist ein großer Vertrauensvorschuss der Eltern in unsere Arbeit“, freut sich Angela Rücker. „Und wir nehmen als Schule unseren Auftrag sehr ernst, dass alle Kinder bei uns eine hervorragende und zeitgemäße Bildung erhalten können.“

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