Gaildorf Blind Date in der Stadtbücherei

Rosemarie Gruschka hat sich das erste Exemplar der  Blind-Date-Aktion geschnappt. Sie ist gespannt, welches Buch sich hinter dem roten Papiereinband verbirgt. Die Stichworte „Schwarzer Tod – England – 17. Jahrhundert – Aberglauben“ haben ihr Interesse geweckt.
Rosemarie Gruschka hat sich das erste Exemplar der  Blind-Date-Aktion geschnappt. Sie ist gespannt, welches Buch sich hinter dem roten Papiereinband verbirgt. Die Stichworte „Schwarzer Tod – England – 17. Jahrhundert – Aberglauben“ haben ihr Interesse geweckt. © Foto: Cornelia Kaufhold
Gaildorf / Cornelia Kaufhold 15.02.2018
Die Stadtbücherei Gaildorf lädt in dieser Woche zum Blind Date mit einem Buch ein. Die Bücher sind in rotes Papier gehüllt. Vier, fünf Stichworte ersetzen den Klappentext und sollen die Neugier wecken.

Um zwei nach zwei fehlt das erste Buch. 45 andere stehen noch im Regal. Ihr Cover ist verhüllt. Titel und Autor bleiben anonym. Die Bücher sehen alle gleich aus, dunkelrot verpackt mit Bastschleife und wenigen Stichworten versehen. „England – Dienstmädchen – Affäre“ zum Beispiel klingt verdächtig nach einem Liebesroman. Was wirklich drinsteckt, erfährt der Leser, wenn er das Buch ausgepackt hat und liest. „Wie beim Blind Date, da weiß man auch nicht, was einen erwartet“, meint Bibliothekarin Sabine Rombach lachend.

Tagebuch, Musikerin, Reise

Jede ihrer drei Kolleginnen hat zehn Bücher mitgenommen, gelesen und beschriftet. In dem roten Papier verbergen sich neue Bücher und ältere, wenig gelesene, und es gibt Jugendbücher. Die Angaben sind knapp und aussagekräftig genug, um sich für das jeweilige Buch zu entscheiden.  „Es war einmal – London – 17. Jahrhundert – Theater“ oder „Männerhaushalt – selten so gelacht – Aufklärungsunterricht – erste Liebe“ sind Jugendbücher. Die Auswahl ist groß: „Russland – Bürgerkrieg  Mord? – meisterhaft“, „Familiengeschichte – überraschend – Spurensuche – Osteuropa“, „Reiseerlebnis mit Tier – Rettung – Freundschaft – liebenswert“, „Tagebuch – Musikerin – Reise – Reflexionen – Einblicke“, „Wald – Rollenspiel – Überleben – Spannung pur“, „Versprechen – Gefängnis –  Liebe – Nichtschwimmer – Verrat“.

Nicht barrierefrei

Rosemarie Gruschka hat die Stichworte „Schwarzer Tod – England – 17. Jahrhundert – Aberglauben“ neugierig gemacht. Die Krimi-Liebhaberin ist Stammkundin der Stadtbücherei. „Ich bin eine Leseratte“, bekennt die Ruheständlerin freimütig. Schon als Kind habe sie Bücher nahezu verschlungen. Sie findet die Blind-Date-­Aktion „prima. Das ist für jeden was dabei.“ Sie komme gerne in die Bücherei, sagt die frühere Sekretärin der Sibilla-Egen-Schule. „Die Damen sind sehr nett und beraten einen sehr gut“, meint sie und verabschiedet sich mit vier Büchern und der Überraschungsausgabe im roten Papier.

Rosemarie Gruschka ist eine von 1230 aktiven Lesern. 388 sind unter zwölf Jahre alt, 121 Ü60. Die Bücherei habe zwar insgesamt 6000 Ausweise ausgegeben, „aber manche ziehen weg und vergessen, sich abzumelden“, erklärt Sabine Rombach. Die Treppe in die Bücherei im ersten Stock stelle für manche Ältere auch ein unüberwindbares Hindernis dar. Rombach befürchtet, dass sich an diesem Zustand in absehbarer Zeit nichts ändert.  „Wir haben uns optisch ein bisschen verbessert“, sagt sie und erwähnt den neuen Teppichboden, die neue Beleuchtung und die neue Theke. Wie gewohnt ist auch an diesem Dienstagnachmittag ganz schön viel los in der Bücherei. Ein Mädchen kommt mit Vater rein und biegt gleich nach rechts ab. Sie können zwischen 21.000 Medien wählen. Eine Jugendliche sitzt an einem PC. Ein Junge steht am Fenster. Maximilian, 14, wartet auf seine Schwester. Sie leiht sich Nachschub aus. „Nö, ich lese nicht, ich mach lieber Sport“, sagt er. Mit seinem Bruder ist er in seiner Familie in der Minderheit, denn „Mama und Papa lesen viel“, versichert Maximilian.

Online-Ausleihe beliebt

Interessiert studiert Werner Schweizer die Vermerke auf den Blind-Date-Exemplaren. Er ist der zweite Leser, der bei der Aktion zugreift. Viel und gerne lese er, Science-Fiction, Thriller, wissenschaftliche Bücher, aber auch mal Belletristik. Schweizer ist als Ausleiher ein Quotenmann, denn der überwiegende Teil der Leser in der Stadtbücherei Gaildorf sind Frauen. Sabine Rombach hat gerade die Statistik für ihren Bericht im Gemeinderat fertiggestellt und hat viele Daten parat. „Die Tagesausleihe nimmt ab, die Online-Ausleihe zu“, bilanziert sie. Unter den Lesern befänden sich auch einige Jugendliche. Die Bücherei hat mit den Grundschulen in Gaildorf  Kooperationen, „so dass jedes Kind im Grundschulalter mindestens zweimal hier gewesen ist und weiß, dass es bei uns Bücher ausleihen kann.“ lle Erstklässler erhalten eine Lesetüte. Auch sie können bei der Blind-Date-Aktion fündig werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel