Gaildorf Sanft verklingende Serenade

Die Geigerin Angela Rossel und die Pianistin Mimi Park bei ihrem Konzert auf dem Hofgut Kieselberg.
Die Geigerin Angela Rossel und die Pianistin Mimi Park bei ihrem Konzert auf dem Hofgut Kieselberg. © Foto: Andreas Dehne
Gaildorf / Andreas Dehne 16.05.2018
Das Duo Angela Rossel (Violine) und Mimi Park (Klavier) löst beim Publikum auf dem Gaildorfer Hofgut Kieselberg Ergriffenheit aus.

Ein Raunen geht deutlich vernehmbar durchs Publikum auf dem geschichtsträchtigen Hofgut Kieselberg, hoch über Gaildorf gelegen. Angela Rossel an der Violine und Mimi Park am Klavier lassen die letzten Töne der „Sérénade mélancolique op. 26“ für Violine und Klavier von Pjotr Iljitsch Tschaikowski sanft verklingen. Die zahlreichen Besucher sind beeindruckt.

Der melancholische Zauber des elegant gespielten Werkes scheint einen Moment lang fast sichtbar und bewegungslos im Raum zu schweben. Diese flüchtige Stille, dieser Augenblick der Ergriffenheit scheint so etwas
wie die Essenz des Abends zu sein. Die Melancholie des grandios gespielten Werkes wird von dem begeisterten Applaus der Zuschauer viel zu schnell vertrieben. Aber nur, um Platz zu schaffen für neue „Musikalische Kostbarkeiten“, wie der Titel des Abends lautet.

Das fantastische Duo Rossel/Park hat einen ganzen Sack davon dabei. Von Joseph Haydn (Tema con variazioni Hob. XI: 95 für Vio­line und Klavier) über Felix Mendelssohn-Bartholdy (Lied ohne Worte op. 30/3 und op. 19/6) spielen sie sich, zu Beginn des Konzertes erstaunlicherweise noch etwas nervös wirkend, bis zu Herbert Baumann (Wiegenlied und Duettino) vor. Eine verwegene Mischung, möchte man meinen. Zumal im romantisch gelegenen Hofgut keine Kammermusiksaal-Akustik vorherrscht und auch die Luftfeuchtigkeit der Vio­linistin so manches abfordert. Klassik auf dem Hofgut ist quasi pur. Fast schon puristisch. Man kann dem Klang der Violine, bildlich gesprochen, genauso auf die Finger schauen wie der Violinistin selbst. Rossel und Park spielen Klassik auf hohem Niveau.

Besonders die zweite Hälfte des knapp 90-minütigen Kammermusikkonzertes überzeugt mit osteuropäischen Komponisten wie Bedrich Smetana (Aus der Heimat 2 für Violine und Klavier). Die beiden Preisträgerinnen zahlreicher Wettbewerbe verabschieden sich unter großem Applaus vom Kieselberg.

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