Abfallentsorgung Säure in der Sprudelflasche

Die Schlange war länger als gedacht. Voll bepackt kamen 64 Sulzbach-Laufener zur Sammelstelle in Sulzbach, um ihre Problemstoffe zu entsorgen.
Die Schlange war länger als gedacht. Voll bepackt kamen 64 Sulzbach-Laufener zur Sammelstelle in Sulzbach, um ihre Problemstoffe zu entsorgen. © Foto: Rebecca Hägele
Sulzbach-Laufen / Rebecca Hägele 25.08.2017
Das Umweltmobil machte auch in Sulzbach-Laufen Halt. Einwohner schleppten Problemstoffe verschiedenster Art an. Dabei kam so manch skurrile Entdeckung zum Vorschein.

Das Umweltmobil ist wieder auf Tour. Als eine von 64 Sammelstellen im gesamten Landkreis Hall konnten am Mittwoch auch die Sulzbach-Laufener ihre Problemstoffe entsorgen – und zwar bei der Stephan-Keck-Halle in Sulzbach. Trotz hoher Temperaturen trafen 64 Leute auf zwei Fachkräfte. Am Montag in Crailsheim waren es sogar 171. Iris Laukemann und ihr Kollege, der Diplom-Chemiker Arnold Haase, waren in Sulzbach-Laufen im Einsatz.

Während Iris Laukemann die Stoffe auf der Treppe entgegennahm, kontrollierte Arnold Haase deren Inhalt mit Schnelltests. Denn viele Leute geben ihren teils giftigen Abfall nicht im Originalgefäß ab. Nicht selten kommt es daher vor, dass zum Beispiel eine hoch ätzende Säure in einer Sprudelflasche vorbeigebracht wird.  „Vor allem gefährlich ist die Flußsäure“, sagt der Chemiker. „Und genau die geben die Leute besonders oft bei uns ab.“ – „Auch Rattengift und Pestizide werden immer wieder angeschleppt“, sagt Iris Laukemann. Weitere Problemstoffe, die das Umweltmobil entgegennimmt, sind Laugen, Kleber, Lösungsmittel, Pflanzen- oder Holzschutzmittel, Verdünnung, Reinigungsmittel, Foto- und Laborchemikalien.

Doch am häufigsten, und damit kam auch der Großteil der Sulzbach-Laufener an, werden alte Farbe, Lacke oder Spraydosen gebracht. So auch Richard Bittner aus Laufen: Gemeinsam mit seinem Bruder Daniel schleppt er einige alte Farbeimer an. „Die standen etwa zehn Jahre bei uns im Keller. Die mussten endlich mal weg“, sagt Richard Bittner. Und so ging es dem Großteil der Leute, die am Mittwoch in Sulzbach waren.

Es gibt auch Stoffe, die nicht beim Umweltmobil abgegeben werden dürfen. So zum Beispiel Spraydosen mit Inhalt oder quecksilberhaltige Teile wie Thermometer oder Messgeräte. Medikamente soll man auch nicht zum Umweltmobil bringen, denn diese kann man – was viele nicht wissen – bedenkenlos in der Restmülltonne entsorgen. Der Restmüll wird nämlich im Müllheizkraftwerk in Stuttgart-Münster verbrannt.

Wenn die zwei Fachkräfte mit dem Umweltmobil unterwegs sind, werden zwischen 16 und 22 Fässer gefüllt, in  denen sämtliche Problemstoffe zwischengelagert werden. Die maximale Annahmemenge pro Person beträgt 100 Liter oder 100 Kilogramm. Säuren und Laugen werden nur in Behältnissen mit einem Inhalt bis zu zwei Litern angenommen. Jährlich werden mehr als 60 Tonnen Problemstoffe mit dem Umweltmobil gesammelt. „Von Jahr zu Jahr wird es mehr“, sagt Iris Laukemann. „Da fragt man sich, woher der ganze Müll kommt.“ – „Aber wenn man die Leute voll bepackt mit Eimern sieht, dann kennt man die Antwort“, meint Arnold Haase.

Der Müll kommt in die Verarbeitungsanlagen nach Backnang, erzählt der Chemiker. Dort wird er teils verbrannt und teils werden einzelne Stoffe herausgefiltert. Seiner Arbeit geht Arnold Haase schon seit 25 Jahren nach. „Das Umweltmobil gibt es aber schon über 30 Jahre“, sagt der Chemiker. Iris Laukemann ist seit fünf Jahren dabei. Sie ist immer wieder vom Fachwissen ihres Arbeitskollegen erstaunt.

Bei ihrer Arbeit müssen die beiden auch immer auf eine strenge und genaue Beschriftung und Dokumentation der Fässer achten, sodass im Falle eines Brands die Feuerwehr direkt erkennt, um welche Stoffe es sich handelt. Und wenn man bedenkt, wie viele giftige Chemikalien sich am Ende des Tages im Fahrzeug befinden, darf man dieses Risiko nicht eingehen, erklären die beiden. Daher muss auch durch Gefahrenzeichen außen am Fahrzeug ersichtlich sein, was alles transportiert wird.

Auch im Rottal ist das Umweltmobil unterwegs

Hasenbühl Finanziert wird das Umweltmobil vom Landkreis Schwäbisch Hall. Wer Stoffe hat, die er nicht beim Umweltmobil entsorgen kann, hat die Möglichkeit, jeden Mittwoch von 13 bis 18 Uhr zur Problemstoffsammelstelle im Hasenbühl in Schwäbisch Hall-Hessental zu fahren. Das gilt auch für Gewerbebetriebe.

Kostenfrei Weiter geht’s mit der Tour in Oberrot. Dorthin kommt das Umweltmobil am Freitag, 8. September. Von 12.45 bis 14.15 Uhr können die Problemstoffe am Parkplatz beim Sportplatz abgegeben werden. Der Service ist auch dort kostenfrei. Bis zum 13. September geht das Umweltmobil noch auf Tour. Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Seite
www.abfall-sha.de.