Gaildorf Romantische Streicherklänge im Café

Cecilia Castillo und Uriel Stülpnagel verbreiten als „Due Celli“ im Hofgut Kieselberg Wohlgefühl.
Cecilia Castillo und Uriel Stülpnagel verbreiten als „Due Celli“ im Hofgut Kieselberg Wohlgefühl. © Foto: Mathias Welz
Gaildorf / Monika Everling 25.07.2018
Auf dem Gaildorfer Hofgut Kieselberg lauschen etwa 25 Gäste dem Ensemble „Due Celli“.

Es ist gemütlich auf dem Hofgut Kieselberg. Man sitzt im Café, kann während des Konzerts etwas trinken und sogar essen, man trifft Bekannte. So hat der Samstagabend mit „Due Celli“ (zwei Celli) alias Cecilia Castillo und Uriel Stülpnagel in der Reihe „Café Soirée“ den Charakter eines Hauskonzerts.

Das Stuttgarter Duo hat Werke von Komponisten zusammengestellt, die selbst große Cellisten waren – mit Ausnahme von Reinhold Glière, der war Geiger. Den Auftakt macht das Celloduo Nr. 11 op. 22 von Friedrich August Kummer – ein unkompliziertes Stück, mit dem die Musiker sich warmspielen. Was gleich auffällt, sind die beiden verschiedenen Klangfarben der beiden Celli. Cecilia Castillo spielt eines, das volle, dunkle, warme, aber auch etwas indifferente Töne erzeugt, das von Uriel Stülpnagel klingt brillanter, aber auch härter.

Beim Kummer-Duo finden die Akteure noch nicht so richtig zur Musik. Das Tempo wirkt getrieben, die Intonation ist öfter unrein. Aber im dritten, etwas verspielten Satz zeigen sie eine feine Gestaltung von Lautstärke (Dynamik) und freiem Tempo (Agogik).

Zu Jean-Baptiste Barrière berichtet Uriel Stülpnagel, dieser habe als erster Cellist in Frankreich einen Stachel verwendet, auf dem das Instrument abgestützt wird. Die früheren Celli waren Gamben, die zwischen die Knie geklemmt wurden, oder hatten ein Band zum Umhängen wie eine Wandergitarre.

In Barrières Sonate in G-Dur für zwei Celli bieten „Due Celli“ Hörgenuss. Wenn im zweiten Satz beide Musiker Doppelgriffe spielen, entsteht ein voller Klang. Den Presto-Satz arbeiten sie dynamisch fein aus.

Das Duo Nr. 1 C-Dur von Reinhold Glière ist hochromantisch. Auf einen elegischen Beginn folgt eine fast atonale Melodieführung. Dieses kurze Stück, das schwieriger wirkt als die bisherigen, gestalten Castillo und Stülpnagel sehr schön. So wird es zum heimlichen Höhepunkt des Abends.

Zum Abschluss gibt es die fünfsätzige Suite für zwei Celli opus 16 von David Popper. Sie beginnt liedhaft, klingt teilweise choralartig. Der virtuose Scherzo-Satz endet effektvoll, im Largo darf auch Castillo, die sonst mehr Begleitfunktion hat, ein schönes Solo spielen. Im Schlusssatz kommen allerdings beide Musiker an die Grenzen ihrer technischen Fähigkeiten. Trotzdem ist es insgesamt ein schöner Abend, und die etwa 25 Zuhörer bedanken sich mit anhaltendem Applaus. So gibt es zwei Zugaben: ein beseeltes „Round Midnight“ und als Glanzpunkt zum Abschied noch einmal den Presto-Satz aus der Barrière-­Sonate.

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