Gaildorf Reste der alten Burg?

Archäologe Michael Weihs (rechts) und Ralf Niesner begutachten die teilweise freigelegten Mauerreste im Boden des Alten Schlosses.
Archäologe Michael Weihs (rechts) und Ralf Niesner begutachten die teilweise freigelegten Mauerreste im Boden des Alten Schlosses. © Foto: Klaus Michael Oßwald
Gaildorf / KLAUS MICHAEL OSSWALD 04.09.2015
Dass man bei der Voruntersuchung zum Einbau eines Catering-Bereichs im Gaildorfer Alten Schloss "etwas" finden würde, war zu vermuten. Dieses Etwas ist nun entdeckt - vermutlich Reste der alten Burg.

Die Stadt Gaildorf ist seit kurzem um ein Problem reicher: Der Einbau eines Veranstaltungsraums mit Catering- und barrierefreiem Toilettenbereich im Erdgeschoss des südwestlichen Schlossflügels wird vermutlich nicht in der geplanten Art und Weise vonstatten gehen können. Unter der früheren Garage, die an den westlichen Torturm grenzt, sind in den vergangenen Tagen teilweise ziemlich dicke Mauerreste freigelegt worden - offenbar aus der bis 1482 reichenden "Burgphase" stammend, wie Michael Weihs, freiberuflicher Archäologe aus Altenried, vermutet.

Der Experte, von der Denkmalbehörde des Landes für die Voruntersuchungen zum Umbauprojekt der Stadt Gaildorf empfohlen, hat nun zur weiteren Begutachtung die behutsam freigelegte Bodenstruktur dokumentiert. Und er wird nach dieser Entdeckung, zu der auch ein offensichtlich erst nachträglich in den Boden gegrabenes Ziegel-Gewölbe zählt, seine Arbeit ruhen lassen. Er werde "nicht ohne Not weitergraben, sonst mache ich was kaputt", betonte der erfahrene Archäologe gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn "jeder weitere Schritt bedeutet Zerstörung".

Was nun mit dem Raum geschieht, ist derzeit wieder völlig offen. Weitere Schritte werden erst in und nach Absprache mit der Denkmalpflege erfolgen können. Denn im Boden dieses Schlossflügels ist "richtig viel los", wie Weihs den Befund kommentiert. Allerdings herrscht Fehlanzeige, was lose Fundstücke aus längst vergangenen Zeiten anbelangt. "Nicht ein Fitzelchen" fand sich im Boden, wie Weihs berichtet.

Ralf Niesner vom städtischen Gebäudemanagement, der sich gestern auf der Baustelle umgesehen hat, befürchtet nun, dass eine Umplanung des Catering-Projekts nötig werden könnte. Worüber der Gemeinderat zu befinden hätte. Dafür dürfte ein weiterer Fund sprechen, den der Bauhistoriker Gerd Schäfer unlängst machen konnte: Im benachbarten Raum, als Foyer des künftigen Veranstaltungsraums vorgesehen, wurde ein großer historischer Backofen entdeckt.