Aktuell sind die Zahlen niedrig: In den sieben Tagen vor dem vergangenen Mittwoch gab es lediglich 25 Neuinfizierte im Rems-Murr-Kreis, erstmals seit Wochen gab es Tage ohne neue Infektionen. Doch noch ist nicht klar, wie sich die weitreichenden Lockerungen der Corona-Verordnung auswirken und inwieweit sich die Menschen zukünftig noch an Kontaktbeschränkungen halten. Die Zahlen könnten wieder steigen, eine zweite oder gar dritte Welle ist nicht auszuschließen.

Die Lockerungen erfordern ein umfassendes Monitoring auf lokaler Ebene. Wenn dort Infektionsereignisse auftreten, müssten diese schnell eingedämmt werden. Zudem müsse man vor Ort ein Nachverfolgen der Infektionswege schnell und lückenlos sicherstellen und sofort entsprechende Maßnahmen einleiten können, erläutert das Landratsamt in Waiblingen. Das Land hat ein dreistufiges Ampelkonzept zur Vorgabe gemacht, nach dem bei 35 bzw. 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern lokale bzw. regionale Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen werden sollen.
Auf dieses Szenario bereitet sich der Rems-Murr-Kreis gemeinsam mit den Städten und Gemeinden vor. Das Landratsamt und die 31 Bürgermeisterämter haben ein Eckpunktepapier erarbeitet, das die Nachverfolgung der Kontaktpersonen auch nach neuen Vorgaben bei einer möglichen erneuten Zunahme der Corona-Fälle sicherstellt.

Landkreis Schwäbisch Hall

Landratsamt richtet 20 Teams ein

„Um die zentrale Rolle und die hohen Erwartungen von Seiten des Landes auf örtlicher Ebene zu erfüllen, braucht es schnell konkrete Konzepte und Strategien“, so das Landratsamt. Zur Vorbereitung auf eine mögliche zweite Welle werden – wie von Bund und Land gefordert – neue Teams zur Kontaktpersonenermittlung geschaffen.

Im Rems-Murr-Kreis werden 20 Teams mit jeweils 5 Personen eingerichtet, die für je rund 20.000 Einwohner zuständig sind. Die Teams sind durch Personal des Gesundheitsamtes sowie der Ortspolizeibehörden gemischt besetzt. Ein weiteres Team soll sich speziell um besondere Einrichtungen wie beispielsweise Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der kritischen Infrastruktur und Kliniken kümmern. Sollte es örtlich zu besonders vielen Infektionen kommen, können sich die benachbarten Teams gegenseitig unterstützen. Wenn die Fallzahlen wieder deutlich ansteigen und die Ampel gelb werden sollte, wird zudem ein gemeinsamer Krisenstab bestehend aus Kommunen und Landkreis gebildet, der über das weitere Vorgehen entscheidet.
„Wir müssen die aktuell ruhige Phase nutzen, um uns zu wappnen. Das Virus lässt sich aber nur im Verbund bekämpfen, daher setzen wir die enge Zusammenarbeit und Vernetzung in bewährter Weise jetzt fort“, betont Oberbürgermeisterin Gabriele Zull, Sprecherin der Oberbürgermeister im Rems-Murr-Kreis.
„Die Ermittlung von Kontaktpersonen zur Eindämmung des Virus hat bisher sehr gut funktioniert. Dies wäre ohne die Unterstützung der Städte und Gemeinden nicht leistbar gewesen. Die enge und unbürokratische Zusammenarbeit war daher einer der Erfolgsfaktoren bei der Bekämpfung des Coronavirus“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel.

Schwäbisch Hall

„Wir bereiten uns auf einen möglichen Wiederanstieg der Zahlen vor und schaffen jetzt gemeinsam mit dem Landkreis die notwendigen Strukturen. Insbesondere die Kontaktnachverfolgung ist vor Ort schneller und schlagkräftiger. In der Krisenbewältigung gilt noch mehr als im Normalzustand: Die Anwendung von Regelungen und die Umsetzung von Maßnahmen ist kommunal am besten aufgehoben. Es ist ein starkes Signal, dass nun alle 31 Städte und Gemeinden diese zusätzliche Last der Amtshilfe für das Gesundheitsamt einmütig und freiwillig übernehmen – im Notfallmechanismus sogar noch verstärkt“, erklärt Bürgermeister Thomas Bernlöhr als Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung.
Zwar sei die kommunale Familie weiterhin bereit, ihren Beitrag zur Eindämmung von Neuninfektionen zu gewährleisten und die „Rückkehr zur Normalität“ abzusichern, aber nicht auf eigene Kosten – heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes weiter. Man werde weiterhin das Krisenmanagement ganz praktisch umsetzen, erwarte aber vom Land umgekehrt auch die notwendige Unterstützung.

Weiteres Geld gefordert

Eine schnelle Stärkung der Gesundheitsämter und auch weitere finanzielle Hilfen für die Städte und Gemeinden seien wichtig. „Die bisherigen Soforthilfen über 200 Millionen Euro und die jüngst angekündigten Liquiditätshilfen in Höhe von 500 Millionen Euro seien letztlich kein Beitrag, die hohen Steuer- und Gebührenausfälle der Städte und Gemeinden zu kompensieren. Sie würden schon gar nicht dazu beitragen, die Kosten, die durch die Pandemie bei den Kommunen entstehen und entstanden sind, zu decken.

Die Ampel und wann welche Lichter leuchten


Grundlage In den Landkreisen ist die Zahl der Neuinfizierten im Zeitraum von sieben Tagen entscheidend für eine mögliche Rücknahme der Lockerungen.

Der Grenzwert (rote Ampel) liegt bei 50 Neuinfizierten je 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Ab 35 Neuinfizierten springt die Ampel auf Gelb.

In Zahlen für den Rems-Murr-Kreis (426 635 Einwohner): Bis 150 Neuinfizierte in 7 Tagen ist die Ampel grün;  zwischen 151 und 212 gelb, ab 213 rot.