Backnang Reisekosten-Abrechnung eines Astronauten

Prof. Dr. Ulrich Walter berichtet über die Herausforderungen der Reisekostenabrechnung eines Astronauten.
Prof. Dr. Ulrich Walter berichtet über die Herausforderungen der Reisekostenabrechnung eines Astronauten. © Foto: pv
Backnang / swp 17.07.2018
Er war mit dem Space-Shuttle im Weltall: Professor Dr. Ulrich Walter spricht über diese Erfahrung.

Der Wissenschafts­astronaut und Buchautor Professor Ulrich Walter spricht im Backnanger Bürgerhaus vor über 300 Gästen anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation (DeSK). „Unter Ihnen rumoren 10 Kernkraftwerke. Das ist sehr beeindruckend“, schildert Professor Walter das Gefühl beim Spaceshuttle-Start der sogenannten D2-Mission am 26. April 1993.

Zunächst führt der Astronaut sein Publikum durch Teile eines Auswahltests im Rahmen der Bewerbung zum Astronauten. Dabei macht er auch auf die kulturellen Unterschiede aufmerksam, zum Beispiel bei der Gesundheitsprüfung: Normalerweise ist die Abgabe einer Stuhlprobe zum Ende des mehrstufigen Auswahlverfahrens notwendig, bei den Russen wird stattdessen ein behandschuhter Finger in „die dafür vorhandene Öffnung gesteckt“, um im Anschluss den Gesundheitszustand durch einen „Riechtest“ festzustellen. Die NASA hat außerdem ein Rundum-Versorgungsprogramm für Astronauten entwickelt: Im Falle einer Notlandung eines Astronauten im Pazifischen Ozean wird davon ausgegangen, dass dieser circa 48 Stunden aushalten muss, bevor er entdeckt und gerettet wird. So sind kleinere Wasserflaschen in den Anzug für diesen Fall eingenäht, außerdem eine Angel, denn um sein Essen muss sich der Astronaut schon selbst kümmern. Daher wird er im Vorfeld auch da­rüber unterrichtet, welche Fische im Pazifischen Ozean giftig sind und welche nicht. Ferner sind ein aufblasbares Schlauchboot sowie eine Schaufel integriert, mit welcher man das Wasser aus dem Boot schöpfen kann. Immerhin braucht man etwas Beschäftigung in den 48 Stunden. Das ist nicht das einzige Mal, dass das Publikum in Gelächter ausbricht.

Zu guter Letzt zeigen die Ausführungen von Professor Walter zur Reisekostenabrechnung – denn als Astronaut ist man Angestellter des öffentlichen Dienstes –, dass man nicht fürs Geld Astronaut wird, sondern aus Überzeugung. So erhielt Professor Walter für seinen zehntägigen Flug in den Weltraum einen Scheck der NASA über 34 Dollar. Nachdem er beschloss, diesen als Erinnerungsstück eingerahmt aufzubewahren, musste er eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben, in der er garantierte, diesen Scheck nie einzulösen.

Tosender Applaus belohnte ihn nach seiner fast zweistündigen Ausführung. Vor allem das junge Publikum nutzte die Gunst der Stunde, im Anschluss noch persönliche Fragen zu stellen oder ein Autogramm zu ergattern. Nach dem offiziellen Teil lud das DeSK die Gäste zu einem Get-together ein. Dies wurde von vielen Teilnehmern genutzt, um sich in lockerer Atmosphäre weiter auszutauschen und auch neue Kontakte zu knüpfen.

Netzwerk mit 37 Mitgliedern

Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Hochschulen aus dem Bereich der Satellitenkommunikation haben sich im Jahr 2008 im Deutschen Zentrum für Satelliten-Kommunikation zusammengeschlossen. Ziel des DeSK ist es, die 37 Mitglieder zur Erweiterung der Geschäftsbeziehungen zusammenzuführen sowie zu einem schlagkräftigen Netzwerk zu bündeln und dabei Synergien zu erzeugen. Außerdem werden gemeinsame Aktivitäten zur Fachkräftegewinnung durchgeführt. Ferner obliegt dem DeSK der Betrieb eines Showrooms zum Thema Satellitenkommunikation. Als Teil der Kompetenzzentren-Initiative der Region Stuttgart wird das DeSK von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH gefördert.

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