Ihre Entscheidung sei überfällig gewesen, sagt Claudia Gnamm. „Ich hätte schon viel früher kündigen sollen. Es gab nichts als Ärger.“ Am 2. Januar 2005 hat sie in ihrer Tankstelle in der Hauptstraße in Sulzbach die „Post-Service-Filiale“ übernommen. Der Schalter sollte wenige Stunden am Tag besetzt sein, so die Vereinbarung mit der Post. Sie entlohnte die Geschäftsfrau dafür als Mini-Jobberin.

„Meine Angestellten in der Tankstelle haben mitgearbeitet, ohne sie wäre es gar nicht gegangen“, berichtet Gnamm. „Die Kunden hat’s nicht interessiert, dass wir nur ein paar Stunden für Postsachen da waren. Sie haben ihre Benzinrechnung bezahlt und gleich noch Briefmarken gekauft, ihre Pakete abgeholt oder abgegeben“, berichtet sie. Unterm Strich habe sie „nur draufgelegt“. 13 Jahre lang habe sie in die Service-Filiale Geld reingesteckt. „Ich habe als Mini-Jobber 400 Euro gekriegt, den Rest konnte ich blechen, allein 4000 bis 5000 Euro Bankgebühren. Meine beiden Frauen im Shop haben in der Post voll mitgeholfen, ohne sie wäre das gar nicht gegangen.“ Samstagnachmittag und Sonntagabend, erzählt Claudia Gnamm, habe sie Pakete ausgegeben und angenommen.

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Aggressive Kunden

Das Lager der Kfz-Werkstatt ihres Mannes habe sie mit Paketen gefüllt. „Sie glauben nicht, wie viele nicht abgeholt werden. 120, 130 Pakete haben wir die Woche über gelagert.“ Die Kundschaft sei zunehmend fordernder, „ja unverschämt und aggressiv“ geworden, die Unterstützung der Post „gleich null“, sodass sie letztlich letztes Jahres gekündigt hat. Bürgermeister Markus Bock bedauert Gnamms Schritt.

Die Kunden und die in der Kommune reichlich vertretenen Firmen müssen wohl jetzt in die Postagentur Gaildorf ausweichen. Das kostet Zeit und Geld. Die Post, ist Markus Bock sicher, „wird in Sulzbach wieder eine neue Filiale eröffnen“. Ab 2500 Einwohnern sei das Unternehmen dazu verpflichtet. Allerdings nicht dazu, einen DHL-Paketshop zu betreiben. „Wenn die Post ganz weg wäre, wäre das sicher ein enormer Verlust“, so Bock im Gespräch mit unserer Zeitung. Die kurzfristige Schließung bis zur Neueröffnung sei aber zu verkraften.

Die Post, so Bocks Kenntnis­stand, stehe mit einem Vermieter in Verhandlung und suche Personal. Hugo Gimber von der Pressestelle Süd der „Deutsche Post DHL Group“ relativiert: „Wir beabsichtigen in Sulzbach-Laufen Räume anzumieten und darin zunächst mit eigenem Personal Postdienstleistungen anzubieten.“ Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund könne er keine weiteren Details zur Filiale geben. Wo die Post angesiedelt und wann sie eröffnet wird, bleibt ­abzuwarten. Nicht dagegen die Leistungen der DHL. „In der künftigen Filiale wird es ein Basisangebot an Postdienstleistungen geben“, so Gimber. „Selbstverständlich“ würden die Kräfte in den Filiale geschult, „eine Woche mindestens“, erklärt der Pressesprecher auf Anfrage weiter. In den ersten Tagen oder Wochen stünde ihnen ein Coach zur Seite. „Bei uns war’s eher learning by doing“, so Claudia Gnamm, „wir waren so ziemlich auf uns alleine gestellt.“

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