Der Fall der vermissten siebenjährigen Tara R. aus Ottendorf gibt Rätsel auf. Seit vergangenem Donnerstag fahndet die Schwäbisch Haller Polizei nach dem Mädchen, das nach Angaben der Ermittler vermutlich in Begleitung seiner Mutter Inka R. ist. Laut Polizei habe die Mutter „gemeinsam mit ihrer Tochter ihren gewohnten Lebensbereich verlassen, um sich einer richterlichen Anordnung zu entziehen“. Diese Anordnung besagt, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind an das Schwäbisch Haller Jugendamt übergeht.
Zwar ist die Fahndung gerade einmal eine Woche alt, vermisst wird das Kind jedoch bereits seit dem 1. September 2020. Nach Informationen unserer Zeitung wollte das Schwäbisch Haller Jugendamt in diesem Zeitraum Tara in Obhut nehmen, traf jedoch an der Wohnanschrift weder das Kind noch die Mutter an. Seither sind beide verschwunden.
Wieso vergehen fast vier Monate, bis es zu einer Öffentlichkeitsfahndung kommt? „Zuerst werden andere Maßnahmen ausgeschöpft, ehe man eine solche Fahndung startet, die ein schwerer Eingriff ins Persönlichkeitsrecht ist“, erklärt Bernd Märkle von der Pressestelle des zuständigen Polizeipräsidiums Aalen. Dies könne beispielsweise eine Auflage des zuständigen Amts sein, welche besagt, dass die Mutter sich melden soll. „Das ist aber nicht Aufgabe der Polizei.“
Auch die Tatsache, dass nur nach dem Kind gefahndet wird und nicht nach der Mutter, entspricht laut Märkle dem üblichen Vorgehen: „Im rechtlichen Sinne darf sich die Mutter aufhalten, wo sie will.“ Eine „Gefahr“ für das Kind, resultierend aus dessen jetziger Situation, sei ihm nicht bekannt. Die richterliche Anordnung beziehe sich ausschließlich auf Tara. Es handle sich um keine „strafprozessuale Ausschreibung“. Bei einer strafrechtlichen Relevanz würde sich das ändern. Dem müsse aber eine Anordnung der Staatsanwaltschaft oder eines Gerichts zugrunde liegen, so Märkle. Ein Beispiel für strafrechtliche Relevanz sei die Entziehung Minderjähriger.

„Auf Polizeirecht gestützt“

Wenn in diesem Fall kein Straftatbestand zugrunde liegt, drängt sich die Frage auf, aus welchem Grund der Mutter dann das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind entzogen wurde. Eine entsprechende Anfrage hat unsere Zeitung gestern an die Pressestelle des Haller Landratsamtes gerichtet. Eine Nachfrage bei der Heilbronner Staatsanwaltschaft mit ihrer Zweigstelle in Schwäbisch Hall ergab, „dass die Öffentlichkeitsfahndung nicht durch die Staatsanwaltschaft Heilbronn angeordnet wurde, sondern auf Polizeirecht gestützt wird“, wie Erste Staatsanwältin Bettina Jörg mitteilt.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wiederum erklärt auf Nachfrage, dass dort „im Zusammenhang mit dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt Unterlagen eingegangen“ seien, „die derzeit geprüft werden. Weitergehende inhaltliche Auskünfte können daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht erteilt werden.“

Die Polizei bittet um Hinweise


Seit dem 1. September 2020 wird die siebenjährige Tara R. aus Gaildorf-Ottendorf vermisst. Sie dürfte sich in Begleitung ihrer 47-jährigen Mutter Inka R. befinden, da beide im September ihren gewohnten Lebensbereich gemeinsam verlassen haben. Es wird von der Polizei nicht ausgeschlossen, dass sich beide im Ausland befinden oder zwischenzeitlich befanden. Das Kind wird wie folgt beschrieben:

· ca. 1,15 bis 1,25 Meter groß
· schlank
· dunkelblonde lange Haare
· blaue Augen

Wer hat das vermisste Kind gesehen oder kann Informationen zu seinem Aufenthaltsort geben? Hinweise an das Kriminalkommissariat Schwäbisch Hall, Salinenstraße 18, 7 45 32 Schwäbisch Hall, Telefon 07 91 / 40 00 (rund um die Uhr erreichbar), E-Mail: schwaebisch-hall.prev@polizei.bwl.de, oder an jede andere Polizeidienststelle.