Untergröningen Poesie und Bier im Einklang

Die Teilnehmer des Poetry-Bier-Slams: Gewinner Nik Salsflausen, Wolfgang Seckler, Marius Loy, Moderator „Hanz“, Reinhard Prölß, Willi und Paul Hansen (von links).
Die Teilnehmer des Poetry-Bier-Slams: Gewinner Nik Salsflausen, Wolfgang Seckler, Marius Loy, Moderator „Hanz“, Reinhard Prölß, Willi und Paul Hansen (von links). © Foto: Gerlinde Burkhardt
Untergröningen / Gerlinde Burkhardt 22.08.2018
Beim ersten Poetry-Bier-Slam in der Lammbrauerei Untergröningen überzeugen alle sechs Teilnehmer.

Pionierarbeit leistete Slam-Poet „Hanz“, alias Johannes E. aus Stuttgart beim ersten Poetry-Bier-Slam im Hof der Lammbrauerei in Untergröningen. Schnell hatte der Moderator und Gewinner von Dichterwettbewerben erkannt, dass, abgesehen von ein paar Insidern aus dem Stuttgarter Raum und von der Ostalb, viele Besucher Aufklärungsbedarf hatten.

Keine Requisiten

Er veranschaulichte, was in den „nächsten 26,5 Stunden passieren wird“, während die Namen der sechs Teilnehmer auf der Bühne aushängen. Alle Texte müssten selbst kreiert sein, falls jemand was erkenne, müsse er ein abschätziges Geräusch machen. Am Schluss entscheide der Applaus. Weiterhin gelte: höchstens sechs Minuten Redezeit, keine Requisiten und völlig freies Genre. Davon machten die Akteure dann auch reichlich Gebrauch. Zwar zog sich das Motto Bier wie ein roter Faden durch den Abend, jedoch woben die Poeten ein fast nicht zu entwirrendes dreidimensionales Gespinst um das Thema. Moderator „Hanz“, der seit zehn Jahren auf der Bühne steht, würzte dazwischen mit eigenen Geschichten zum Lachen.

Wolfgang Seckler aus Pfahlheim legte als Erster die Latte mit seinen Biererlebnissen in Gedichtform und hörbarem Fanclub, während Lokalmatador Willi Hansen aus Sulzbach-Laufen in seiner „Geschichte über zweierlei Leben“ mit Tiefgang und Humor Sympathien und ebenfalls reichlich Applaus erhielt.

Mutter ermuntert ihre Söhne

Nik Salsflausen aus Esslingen ist Lehrer und Herausgeber gesammelter Slam-Texte und kann sich gut vorstellen, diese für den Unterricht zu verwenden. Für Untergröningen hatte er einen Junggesellen-Survival-Abschied „Only the Fittest“ zur Vorbereitung auf die Ehe mitgebracht – würdig eines Poetry-Landesmeisters. Nicht ganz einfach für Paul Hansen aus Laufen, danach mit Reimen über die „Artenvielfalt des Bieres“ zu punkten, doch er schlug sich bravourös und seine Mutter hatte einen guten Riecher, ihre beiden Söhne zur Teilnahme zu ermuntern. Mit Reinhard Prölß aus Eschach folgte ein kleinkunsterfahrener Rezitator mit Zungenbrecher, Schüttelreim und Erotik, „fast a bissle z’ viel“.

Poetry-Profi Marius Loy aus Esslingen zierte den Schluss der Vorrunde und beeindruckte mit schnellem Sprachtempo, Mimik und Gestik bei seiner „romantischen Lyrik“ über das Bier und die Liebe. Es half, die „Tragik“ des Vorgetragenen zu erahnen. Am Ende galt Nik Salsflausen, der sich im Finale noch einmal selbst überbot, der stärkste Applaus. Aber wie sagte eine Besucherin aus Ellwangen: „Wer gewinnt, ist eigentlich gar nicht so wichtig – es geht um die guten Geschichten.“

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