Dass beim Pferdemarkt­umzug durch Gaildorf das Stadtgeschehen und beteiligte Personen aufs Korn genommen werden, hat Tradition – der Bürgermeister kann ein Lied davon singen. Doch unter all den augenzwinkernden und bisweilen kritischen Motivwagen stach einer beim diesjährigen Umzug heraus: Eine Schulleiterin wird als „Diktatorin“ bezeichnet, die „ihre Interessen durchboxt“. Wer damit gemeint ist, daran bleiben keine Zweifel. So ist auf der Stirnseite des Wagens zu lesen: „Kommt ein Gymnasium zum Arzt: ,Herr Doktor, Herr Doktor, ich habe Rücker!’“

Angela Rücker leitet seit 2016 das Schenk-von-Limpurg-Gymnasium in Gaildorf. Wie erklärt sie sich diese heftige öffentliche Kritik? Eine vermummte Person steht am Pferdemarktmontag auf besagtem Umzugswagen und drischt mit Boxhandschuhen auf Schilder ein, auf denen „Umgangston“, „Kollegen“, „Bürgerstiftung“ und „IT-Projekt“ zu lesen ist. Was steckt dahinter? Angela Rücker lässt eine Nachfrage unserer Zeitung unbeantwortet: „Ich werde zu dieser Angelegenheit nicht Stellung beziehen.“

Gaildorf

„Den Finger in die Wunde legen“

Martin Zecha ist Vorsitzender des Pferdemarktausschusses. Welche Motivwagen am Umzugstag durch Gaildorf rollen, wird in diesem Gremium entschieden. Das Ganze läuft weitgehend im Geheimen ab, weitere beteiligte Personen werden nicht genannt. „Uns werden Dinge zugetragen, die die Leute bewegen, und die setzen wir um“, erklärt Zecha. Beim Pferdemarkt müsse man eben auch mal „den Finger in die Wunde legen“.

Hört man sich im Umfeld der Schule um, sind die Reaktionen verhalten. „Aus Sicht der Stadtverwaltung ist das Verhältnis zwischen Schulträger und Leitung des Gymnasiums geprägt vom gemeinsamen Ziel, das Schenk- von-Limpurg-Gymnasium weiterzuentwickeln“, erklärt Daniel Kuhn (Stabsstelle Bürgermeister) auf Nachfrage. Schülersprecherin Elisabeth Hossbach mutmaßt, dass „beide Seiten ein Kommunikationsproblem“ haben. Und Fichtenbergs Bürgermeister Roland Miola, zugleich Vorsitzender des Freundeskreises der Schule, hätte sich eine „andere Form der Gesprächsführung“ gewünscht. „Es ist nicht okay, das in einem solchen Rahmen auszutragen.“

Aber was wird denn nun ausgetragen? Und um welche „Seiten“ geht es? Die Schilder auf dem Umzugswagen lassen Rück­schlüsse zu. „Umgangston“ und „Kollegen“ weisen auf ein wohl mitunter schwieriges Binnenverhältnis zwischen Schulleitung und Kollegium hin. Die beiden anderen Schilder hingegen legen die Vermutung nahe, dass von der Gaildorfer Bürgerstiftung angestoßene Projekte wie etwa die China-AG oder auch das groß angelegte Digitalisierungsprojekt, das die Familie Schick-Hinderer mit ihrer Stiftung massiv unterstützt, bei Rücker nicht den gewünschten Rückhalt haben.

Davon unbenommen wird der Schüleraustausch mit China künftig unter die Federführung der Bürgerstiftung gestellt, erklärt Daniel Kuhn auf Nachfrage. Er werde aber weiterhin am Gymnasium stattfinden. „Für die Schüler ändert sich nichts.“